Viele Anhänger freier Software hatten nach der Übernahme der Distribution Suse durch Attachmate um deren Engagement für freie Software, besonders den Linux-Kernel, gefürchtet. Die Berichte der Suse-Entwickler auf der hauseigenen Konferenz räumten solche Bedenken aber aus.
Die Open-Suse-Konferenz 2011 war die erste nach der Übernahme durch den amerikanischen Softwarehersteller Attachmate (Abbildung 1). Da dieser bisher kein Open-Source-Engagement vorweisen kann, fürchteten viele um die Zukunft von Suse.
Der neue Suse-CEO Nils Brauckmann und weitere Vertreter des Managements stellten sich diesen Befürchtungen in einem Pressegespräch. Sie wiesen darauf hin, dass Suse nun als eigenständige Business Unit organisiert sei und damit mehr Eigenständigkeit genieße als unter Novell. Nils Brauckmann bestätigte gegenüber dem Linux-Magazin, dass Suse ihr Engagement in der Linux-Welt nach dem Rückzug aus Mono nicht weiter einschränken will.
Crashdumps
Im Konferenzprogramm zeigten sich beispielsweise die Aktivitäten des Unternehmens in der Kernelentwicklung. Hervorzuheben ist der Beitrag von Stefan Seyfried (B1 Systems), der erläuterte, wie sich Crashdumps bei einer Kernel Panic einfangen und auswerten lassen. Das erzeugte Kdump-File enthält Prozess- und Speicherinformationen, sodass sogar das händische Auslösen einer Panic vor dem unvermeidbaren Reboot eines geschäftskritischen Systems sinnvoll sein kann.
Über die Cgroups, mit denen sich Prozessgruppen weit granularer und umfassender steuern lassen als mit »ulimit« , referierte Michal Hocko von der Suse-Niederlassung in Tschechien. Nicht ausschließlich, aber auch um den Linux-Kernel ging es im Vortrag seines Kollegen Jiri Slaby über den State of the Art in der statischen Code-Analyse. Die Kernelentwickler können damit Gerätetreiber prüfen, selbst wenn die zugehörige Hardware nicht verfügbar ist.
Cloud-Strategie
Präsent war erwartungsgemäß auch der Themenbereich Cloud. Der Suse-Mitarbeiter Robert Schweikert stellte die Eucalyptus-, Open-Nebula- und Open-Stack-Pakete vor, die er im Auftrag von IBM mit Hilfe des Open-Suse-Buildservice erstellt hat.
Der Vortrag über die Cloud-Architektur Open Stack blieb mit Christian Baumann von B1 Systems einem Externen überlassen. Womöglich ist das kein Zufall, denn auf die Frage, in welchem Bereich Suse Nachholbedarf habe, nannte Produktmanager Gerald Pfeiffer die Cloud. Zugleich kündigte er für die kommenden Monaten eine umfassende Cloud-Strategie der Suse-Business-Unit an.
Ein weiterer Anwender des Open-Suse-Buildservice ist der bei Suse beschäftigte Kernelentwickler Greg Kroah-Hartman (Abbildung 2). Er pflegt das Tumbleweed genannte Rolling-Release-Repository http://en.opensuse.org/Portal:Tumbleweed für die ansonsten alle acht Monate veröffentlichte Linux-Distribution.
Anders als Ubuntu hat sich Suse nicht mit einem ehrgeizigen Zeitplan beim Ersetzen des X-Window-Systems durch das Wayland-Protokoll aus dem Fenster gelehnt. Die Nürnberger luden jedoch den KDE-Entwickler Martin Gräßlin ein, der an der Integration des Wayland-Protokolls in Kwin arbeitet. Dieser bat zwar um zügiges Bereitstellen von Testpaketen, riet aber von einem zu schnellen Abschied vom bisherigen Fenstersystem mit den Worten ab: “Lasst andere Distributionen damit baden gehen!”
Offenes Haus
Die dritte Open-Suse-Konferenz http://conference.opensuse.org zog vom 11. bis 14. September etwa 350 Teilnehmer an. Die rund 100 Vorträge und Workshops richteten sich dabei nicht nur an Suse-Mitarbeiter – die Konferenz stand allen Interessierten offen.







