Das Linux-Magazin bespricht ein Buch über Continuous Integration, das den Einsatz des Tools Hudson (mittlerweile in Jenkins umbenannt) behandelt. Der zweite Band ist dick und englischsprachig und behandelt die Netzwerkanalyse mit Wireshark.
Continuous Integration (CI) bedeutet, Software nach jeder Änderung automatisch zu bauen und zu testen. Derzeit befindet sich diese Methode auf dem Weg vom Hype-Thema in den normalen Entwickleralltag. Bei der Einführung kann das Buch “Continuous Integration mit Hudson” von Simon Wiest ein guter Begleiter sein.
Bauen und Testen
Auf rund 300 Seiten beleuchtet der Autor den ganzen Komplex CI, angefangen bei den zugrunde liegenden Ideen bis hin zur praktischen Umsetzung. Die ersten vier Kapitel präsentieren Konzepte und Methoden hinter CI, beschreiben die daraus erwachsenden Praktiken und erörtern, welches Verbesserungspotenzial sie der Software-Entwicklung bringen.
Nach diesem Werkzeug-neutralen Teil stellt der Verfasser die CI-Software Hudson vor. Nach dem Vergleich mit anderen verfügbaren Lösungen zeigt er, wie sich Projekte mittels Hudson automatisieren lassen. Vom einfachen Projekt zu immer komplexeren Aufgaben demonstriert Simon Wiest, wie sich Automatisierung mit Hilfe der verschiedenen Jobtypen und Plugins umsetzen lässt.
Neben typischen Aufgaben wie Auschecken, Kompilieren und Testen behandelt das Buch auch wichtige Themen wie Backup, Bauen und Testen auf verschiedenen Plattformen sowie Lastverteilung. Selbst der Anschluss der beliebten Lava- oder Bärchen-Lampen zur Statusanzeige wird erklärt. Wer für ein spezifisches Problem keine fertige Lösung findet, erhält in einem weiteren Kapitel eine Anleitung zum Schreiben eigener Plugins.
Die nächsten zwei Kapitel des Buchs konzentrieren sich wieder auf die Methoden: Es geht um Einführungsstrategien und die entstehenden Aufwände.
Insgesamt versteht es der Autor, dem Leser das Thema in einem lockeren Stil nahezubringen, ohne technische Details auszusparen oder Fallstricke zu verschweigen. Dass “Hudson” inzwischen im Zuge des Sun-Aufkaufs durch Oracle einen viel beachteten Fork zum freien Bruder “Jenkins” vollzogen hat, tut der Relevanz des Buches keinen Abbruch.
Info
Simon Wiest:
Continuous Integration mit Hudson
Dpunkt 2010
310 Seiten
40 Euro
ISBN 978-3-89864-690-1

Wireshark
Der Netzwerk-Sniffer Wireshark gehört schon lange zur Werkzeugkiste vieler Admins. Die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten kann man inzwischen sogar in einem offiziellen Trainingsprogramm erfahren. Das Buch von Laura Chappell basiert auf diesem Lehrgang und soll dem Leser unter anderem helfen ein “Wireshark Certified Network Analyst” zu werden.
Mit rund 800 Seiten wirkt das Buch zunächst etwas abschreckend, aber schon ein erstes Durchblättern zeigt, dass der Umfang durch viele Screenshots zustande kommt. Dies lässt sich bei einem grafischem Tool auch kaum vermeiden. Positiv fällt auf, dass die Autorin die Details in den Screenshots beschriftet hat.
Eine ernst zu nehmende Beschreibung eines Netzwerkanalyse-Werkzeugs muss zumindest den TCP/IP-Stack behandeln, besser noch wäre das ISO-OSI-Schichtenmodell. Laura Chappell behandelt dieses Thema leider erst nach rund 40 Prozent des Buches, was zu spät ist. Dieser Kritikpunkt wiegt im weiteren Verlauf aber weniger schwer, weil die Autorin den wichtigsten Netzwerkprotokollen wie DNS, DHCP, HTTP(S), FTP, SMTP, POP, WLAN und VoIP jeweils ein Kapitel widmet. Am Schluss jedes Abschnitts stehen Fragen, mit denen der Leser seinen Wissenszuwachs überprüfen kann.
Info
Laura Chappell:
Wireshark Network Analysis
University, 2010
800 Seiten
70 Euro
ISBN 978-1-893939-99-8

Das im Buch vermittelte Wissen ist keineswegs akademisch – die Praxisrelevanz zeigt sich in vielen Beispiele aus dem Admin-Alltag, und zu jedem Fall bekommt der Leser einen Arbeitsplan in die Hand. An manchen Stellen ist diese Auflistung aber zu umfangreich und wirkt dann unübersichtlich. Das volle Potenzial des Werks erschließt sich dem Leser erst per Online-Zugabe: Begleitend zum Buch finden sich auf der Webseite [http://www.wiresharkbook.com] über 200 MByte an Netzwerk-Traces.
Laura Chappell bietet dem Leser eine Fülle an Informationen. Der Band eignet sich allerdings eher zum Lernen als zum Nachschlagen. Mit 70 Euro ist sein Preis recht stattlich.




