Aus Linux-Magazin 02/2011

Forensoftware im Vergleich

© boing, Photocase.com

Auf viele Fragen haben Internetforen die passende Antwort. Wer selbst eine solche Plattform betreiben möchte, hat die Wahl zwischen einigen freien und kommerziellen Systemen. Diese Bitparade beleuchtet vier Vertreter aus Administratorsicht.

Titel, Thesen, Trollgefahr – sie sind Spielwiesen für Nerds aller Art, Diskussions- und Wissensplattformen, bieten Erfahrungsberichte aus erster Hand, leisten erste Hilfe bei vielen Fragen, aber vor allem sind sie ein wichtiger Teil der Netzkultur: Foren. Tagtäglich versammeln sich Tausende Nutzer an diesen virtuellen Tischen, lesen und posten Artikel, verschicken Anhänge, moderieren Beiträge anderer Nutzer und machen das Leben im Netz ein bisschen bunter.

Egal ob man Boards als Zeitfresser oder Wissensgruben empfindet, sie sind in jedem Fall eine Herausforderung für jeden, der sie warten darf. Wer ein Forum anbieten und administrieren möchte, greift am besten zu einer der zahlreichen fertigen Softwarelösungen – dieser Artikel stellt vier davon vor.

Alle Testkandidaten sind in der Praxis erprobte und erfolgreiche Systeme. Sie sind sämtlich in PHP implementiert und laufen problemlos auf Standard-LAMP-Servern (Linux, Apache, MySQL, PHP). Da solche Zusammenstellungen inzwischen bei den meisten Webhostern im Angebot sind, bereiten Installation und Einrichtung in der Regel auch unerfahrenen Betreibern keine größeren Probleme. Unterschiede gibt es vor allem bei der Codestruktur und der Funktionspalette.

Das zeigt sich nicht nur, wenn der Betreiber sie erweitern oder aktualisieren möchte. Stehen Sicherheitsupdates bereit, sollte das Forum möglichst leicht aktualisierbar sein, damit die Downtime der Plattform sich in Grenzen hält. Mit Hilfe von Berechtigungen kann der Admin Features für bestimmte Nutzer freischalten oder sperren – auch diese Funktion musste sich im Test beweisen.

Last but not least, nimmt diese Bitparade unter die Lupe, wie komfortabel ein Verwalter das Aussehen seines Forums individuell gestalten darf. Im Test treteten PHP BB, Simple Machines Forum, Vbulletin und Invision Power Board gegeneinander an.

PHP BB

PHP BB [1] ist ein weitverbreitetes, freies Forensystem, das unter der GPL steht. Schon die deutschsprachige Projektwebseite glänzt mit Übersichtlichkeit, großer Auswahl, vielen Anleitungen und Hilfestellungen. Einmal heruntergeladen entpackt der Administrator die Quellen auf seinem Server und startet die Installation direkt aus dem Browser heraus. Ein Assistent führt durch den Einrichtungsprozess und fragt zunächst Details zur Datenbank ab. Diese muss existieren, andernfalls weigert sich PHP BB, mit der Installation fortzufahren.

Wenn der Admin die weiteren Einrichtungsschritte des Assistenten durchlaufen hat, sollte er die Installationsskripte löschen. PHP BB gibt sonst eine Fehlermeldung aus – das ist vorbildlich gelöst, denn die Installationsroutinen der Foren enthalten potenzielle Sicherheitslücken. Danach kann der Betreiber auf sein Forum und vor allem auf die Verwaltungsfunktionen zugreifen. Die erreicht er über das Administration Control Panel (Admin CP). Es beherbergt fast alle Konfigurationsmöglichkeiten, nur die kritischen Einstellungen, etwa der Datenbankzugang, sind von dort aus nicht erreichbar.

Die einzelnen Menüs mit ihren Kategorien wirken logisch und aufgeräumt (Abbildung 1). Einziges Manko im Admin-Bereich: Der Timeout für die Authentifizierung ist zu hoch. Im Test war es sogar nach einem Tag Inaktivität möglich, ins Control Panel zu gelangen. Potenziellen Angreifern öffnet dies Tür und Tor zum Kommandozentrum, falls der Admin mal vergisst, sich auszuloggen.

Abbildung 1: Das Administration Control Panel (Admin CP) von PHP BB ist übersichtlich und erlaubt schnellen Zugriff auf die wichtigsten Forumseigenschaften.

Abbildung 1: Das Administration Control Panel (Admin CP) von PHP BB ist übersichtlich und erlaubt schnellen Zugriff auf die wichtigsten Forumseigenschaften.

Möchte er Berechtigungen für seine Benutzer festlegen, stellt er schnell fest, dass die entsprechenden Einträge in den Einrichtungsmenüs teilweise über mehrere Kategorien erreichbar sind – besonders übersichtlich ist das aber nicht. PHP BB kennt für die Befugnisse der Anwender drei Zustände: »Nein« (Standard, verboten), »Ja« (erlaubt, überschreibt Standard) und »Nie« (überschreibt die anderen beiden Einstellungen und verbietet grundsätzlich). Jeder Account besitzt aber nicht nur einen individuellen Berechtigungssatz, sondern erbt auch noch die Rechte der Gruppen, in denen er Mitglied ist.

Für den alltäglichen Forenbetrieb ist diese Vermischung verwirrend und unkomfortabel, vor allem dann, wenn mehrere Administratoren ein Board verwalten. Ändert einer davon die Befugnisse eines Benutzers, muss er immer die anderen Berechtigungspunkte durchsehen und prüfen, ob nicht ein weiterer Admin etwas verändert hat. Besser wäre eine reine Aufteilung in Gruppen. So wäre auf einen Blick klar, welche Anwender wo welche Rechte haben. Gefährlich ist dieses zweigeteilte System darüber hinaus, wenn zum Beispiel ein Admin nach seinem Ausstieg weiter alle Rechte hat, weil irgendeine Benutzereinstellung die Degradierung zum normalen Anwender überschreibt.

Gestaltungsmöglichkeiten

Die meisten Betreiber suchen irgendwann nach Erweiterungen für ihr Forum. Gewünscht sind häufig Funktionen, die mehr Informationen auf die Indexseite bringen (letzte Beiträge, Top-Poster und so weiter) oder ein Button, um Artikel zu bewerten (ähnlich dem Like-Knopf von Facebook). Ebenfalls auf der Wunschliste stehen Chats (Shoutbox) oder die Anpassung des URL-Formats an etwas Eigenes. Modifikationen baut der Verwalter bei PHP BB direkt in den Quellcode ein. Das ist aufwändig und fehleranfällig. Glücklicherweise gibt es Tools wie Automod [2], die vieles automatisieren.

Das Aussehen des Forums passt der Administrator über CSS und HTML-Templates an. Kontrollwörter, die aus HTML-Kommentaren bestehen, helfen ihm Abfragen und Schleifen innerhalb des Template zu realisieren. PHP BB speichert die Templates im Dateisystem des Webservers zwischen und wandelt die Abfragen und Schleifen in PHP-Code um. Dieses Vorgehen entlastet den Server, da das System nicht bei jedem Seitenaufruf konvertieren muss.

Kommt ein Update heraus, weist PHP BB den Admin darauf hin. Leider ist diese Information nur im Admin CP selbst zu sehen. Läuft ein Forum ohne größere Probleme, schaut der Verwalter dort jedoch relativ selten vorbei. Wer immer auf dem neuesten Stand sein möchte, sollte daher die Mailinglisten des Projekts mit den Ankündigungen abonnieren. Die Aktualisierung auf eine neue PHP-BB-Version erfolgt dann halbautomatisch.

Im Verwaltungsbereich steht ein Updatepaket zur Verfügung, das der Admin von Hand einspielt. Da das System nicht prüft, wo dieser eigene Modifikationen vorgenommen hat, und einfach die Originaldateien überschreibt, gehen eigene Anpassungen eventuell dabei verloren. Ein weiteres Problem dieser halbautomatischen Updates entsteht, wenn eigene Modifikationen nur zu einem Teil aus den Quelltexten der Forensoftware verschwinden. So entstehen Fehler, die nur schwer zu lokalisieren sind.

Simple Machines Forum

Die Firma Simple Machines vertreibt ihre gleichnamige Forensoftware (SMF, [3]) unter einer eigenen, unfreien Lizenz. Diese erlaubt zwar das System kostenlos einzusetzen und den Quellcode zu modifizieren, verbietet aber das Weiterverteilen ohne schriftliche Genehmigung. Zusätzlich bietet der Hersteller diverse Supportleistungen für rund 50 US-Dollar pro Jahr an.

Auf der Projekt-Homepage stehen verschiedene Quellpakete zum Download bereit, die jedoch nur die englischsprachige Programmversion enthalten. Individuelle Sprachanpassungen muss der User etwas umständlich selbst über das Supportforum suchen. Das Simple-Machines-Paket enthält eine knappe, aber vollständige Installationsanleitung, ebenfalls auf Englisch. Genau wie bei PHP BB ruft der Anwender den Einrichtungsassistenten über den Webbrowser auf, nachdem er die Quelldateien auf den Server gespielt hat. Sofern die Datenbank noch nicht existiert, versucht der Installationsassistent sie anzulegen. In der Praxis dürfte dies aber oft an mangelnden MySQL-Zugriffsrechten scheitern.

Im Anschluss darf der Systembetreuer direkt auf alle Foren- und Verwaltungsfunktionen zugreifen. SMF warnt lediglich mit einem Hinweis in der Kopfzeile davor, dass die Installationsskripte noch ausführbar sind. Sicherer und besser wäre es, den Admin zu zwingen die potenziell gefährlichen Skripte zu entfernen.

Um das Admin Control Panel zu betreten, muss der Betreiber sich erneut einloggen. Sicherheitshalber meldet das System den Verwalter nach zirka 30 Minuten Inaktivität ab. Das Kontrollzentrum ist gut strukturiert und übersichtlich gehalten (Abbildung 2). Einige wichtige Konfigurationsmöglichkeiten muss der Betreiber explizit freischalten. Es ist unbedingt empfehlenswert, alle Häkchen unter »Berechtigungen« | »Einstellungen« zu setzen, um das volle Potenzial des SMF-Berechtigungssystems ausschöpfen zu können. Sind diese Optionen nicht aktiviert, gelten alle gesetzten Befugnisse global für alle Unterforen, es gibt kein dreigeteiltes System für Erlaubtes und Verbotenes, wie es etwa PHP BB nutzt.

Abbildung 2: Die einzelnen Verwaltungsbereiche in Simple Machines Forum sind übersichtlich in Kategorien wie »Hauptseite«, »Konfiguration«, »Forum«, »Mitglieder« und »Wartungsbereich« aufgeteilt.

Abbildung 2: Die einzelnen Verwaltungsbereiche in Simple Machines Forum sind übersichtlich in Kategorien wie »Hauptseite«, »Konfiguration«, »Forum«, »Mitglieder« und »Wartungsbereich« aufgeteilt.

Variantenreich

Tiefgreifende Änderungen an der Grundfunktionalität geschehen auch bei diesem Forensystem über Modifikationen. SMF zeigt sich hier vorbildlich und fasst Erweiterungen als Pakete zusammen, die der Verwalter direkt über das Admin CP einspielen oder deinstallieren kann. Auch diese Modifikationen landen direkt in den PHP-Quelldateien (die dazu schreibbar sein müssen), in diesem Fall nimmt aber die Forensoftware dem Admin die Arbeit des Einpflegens ab.

Die Optik des Boards ändert der Administrator über fertige Templates, die allerdings vergleichsweise unübersichtlich sind. Simple Machines Forum bietet keine Kontrollwörter an und spart sich damit das Cachen der Templates. So sind PHP-Code und HTML-Konstrukte wild miteinander vermischt.

Auch diese Forensoftware informiert über Aktualisierungen nur im Admin-Bereich, sodass es für den Betreiber sinnvoll ist, die SMF-Mailinglisten zu lesen. Das eigentliche Update startet er im Control Panel, schaut gelassen bei der Aktualisierung zu und stellt anschließend erfreut fest, dass das System sogar die Modifikationen berücksichtigt und neu eingebaut hat.

Vbulletin

Die unter einer proprietären Lizenz veröffentlichte Forensoftware [4] der Firma Vbulletin Solutions, Inc., ist in zwei Ausführungen erhältlich. Das reine Forum kostet 159 Euro (139 Euro für ein Upgrade), die Publishing Suite schlägt mit 239 Euro (Upgrade: 209 Euro) zu Buche. Einen Vergleich der beiden Ausführungen präsentiert die Webseite des Herstellers im Bereich »Features« . In diesem Test trat das reine Forum an.

Um an die Downloadpakete von Vbulletin zu gelangen, muss sich der Benutzer zunächst im deutschsprachigen Kundencenter einloggen. Die Auswahl dort ist groß – und übersichtlich. Das mitgelieferte Handbuch ist ebenfalls auf Deutsch verfügbar. Die Anleitung ist zwar deutlich knapper als die von PHP BB, aber immer noch ausreichend.

Bevor der Admin den Installationsassistenten auf den Plan ruft, trägt er von Hand den Datenbankzugang in eine Konfigurationsdatei ein. Danach entpackt er die Quellen auf seinem Server, und es kann losgehen. Der Assistent fragt nach der Vbulletin-Kundennummer, ohne die er seinen Dienst verweigert. Danach verläuft das Einrichten wie bei den anderen Testkandidaten reibungslos.

Vbulletin verwehrt zunächst den Zugriff auf die Verwaltungsfunktionen im Admin Control Panel und erlaubt die Anmeldung erst, nachdem die Installationsskripte gelöscht sind. Der Admin-Bereich hat einen vernünftig eingestellten Timeout. Vbulletin wirft den Verwalter nach rund 15 Minuten Inaktivität raus.

Das Control Panel spiegelt den großen Funktionsumfang wider. Leider sind die zahlreichen Konfigurationsoptionen nicht in einzelne Bereiche aufgeteilt, sodass der Verwaltungsbereich für den ungeübten Forenbetreiber zu unübersichtlich ist (Abbildung 3). So bleibt nur die Möglichkeit, die Einstellungen auszuklappen und die Suchfunktion des Browsers zur Hilfe zu nehmen.

Abbildung 3: Im Kontrollzentrum von Vbulletin dürften gerade Neulinge unter den Forenbetreibern lange suchen, während Profis die gebündelte Darstellung meist schätzen.

Abbildung 3: Im Kontrollzentrum von Vbulletin dürften gerade Neulinge unter den Forenbetreibern lange suchen, während Profis die gebündelte Darstellung meist schätzen.

Das Berechtigungssystem erlaubt zwar eine genaue Feinabstimmung der Befugnisse, ist aber bei Weitem nicht so benutzerfreundlich wie das der anderen Testkandidaten. Vbulletin hat keine Option, alles zu verbieten (»Nie« ) – alles ist entweder erlaubt oder nicht. In der Praxis kann das zu verworrenen Situationen führen.

Angenommen der Admin will den Benutzer Bob für eine Woche bannen. Bob ist Mitglied in den beiden Gruppen C und D. Um Bob zu sperren, muss der Admin ihn aus beiden Gruppen entfernen und zur Banngruppe hinzufügen. Vergisst er das, überschreiben die erlaubten Dinge der Gruppen C und D die Sperre. Ist die Woche Auszeit vorbei, muss er sich genau daran erinnern, aus welchen Gruppen er Bob entfernt hatte.

Das ist unnötig kompliziert und gestaltet den Verwaltungsprozess aufwändiger als nötig – ein Manko der zweigeteilten Systeme, bei denen der Verwalter zuerst eine Erlaubnis entfernen muss, damit er etwas explizit verbieten kann.

Geschickt modifiziert

Reichen die zahlreichen Vbulletin-Features nicht aus, kann der Betreiber aus vielen freien und kostenpflichtigen Erweiterungen auswählen ([5], [6]). Das Addon-Konzept basiert auf so genannten Hooks und ermöglicht es auf diese Weise, Modifikationen einzubauen, ohne die Quelldateien zu verändern. Hooks sind in Vbulletin Stellen, an denen externer Code ausgeführt werden darf. Modifikationen schleusen ihren eigenen Quelltext also an fest definierten Stellen in den Programmablauf ein, Vbulletin speichert den Code in seiner Datenbank ab und lädt ihn nur bei Bedarf.

Das Aussehen des Forums verändert der Betreiber mit CSS und Templates. Beide legt Vbulletin ebenfalls in der Datenbank ab, was dazu führt, dass der Admin Datei-Inhalte hin- und herkopieren muss, will er externes CSS oder HTML-Editoren verwenden. Innerhalb der Templates kann er Schleifen und Abfragen über HTML-Tags nutzen. Auch Vbulletin speichert die Templates zwischen und ersetzt die HTML-Tags durch entsprechenden PHP-Code. Die Forensoftware setzt auch bei den Templates auf eingebaute Hooks. Diese Anker erlauben den Modifikationen, die Funktionalität des Forums neu zu gestalten, ohne dass der Verwalter dafür Templates ändern müsste.

Das sehr gut durchdachte Hooks-Konzept von Vbulletin erlaubt ein unkompliziertes Update der Software. Über neue Versionen informiert der Hersteller per Mail und auch im Control Panel selbst. Der Betreiber überträgt anschließend nur noch das neue Programmpaket auf seinen Webserver, startet den Installationsassistenten mit seiner Kundennummer und löscht am Schluss wieder die Einrichtungsskripte.

Invision Power Board

Invision Power Board (IPB, [7]) ist ebenfalls proprietäre Software. Die Firma Invision Power Service bietet ihr Produkt in zwei Kategorien an. Die Standard License, der Testkandidat, ist für rund 150 US-Dollar erhältlich, die Business License für zirka 350 US-Dollar. Die rein englischsprachige Hersteller-Webseite gibt Aufschluss über die Unterschiede und führt auch zum Kundencenter.

Nach der Anmeldung findet der Benutzer dort schnell die aktuelle Version der Forensoftware. Eine deutsches Sprachpaket bietet eine Community-Webseite unter [8] an. Die mitgelieferte englische Dokumentation ist ausführlicher als die SMF- oder Vbulletin-Handbücher, kann allerdings der PHP-BB-Hilfe nicht das Wasser reichen.

Die Installation ähnelt jener der anderen getesteten Forensysteme. Der Administrator lädt die Dateien auf seinen Webserver und startet im Browser den Installationsassistenten. Es ist nicht zwingend notwendig, die Installationsskripte nach dem Einspielen zu entfernen, IPB gibt aber eine entsprechende Warnung im Admin-Bereich aus. Der Verwalter sollte diesen Hinweis ernst nehmen und die Skripte löschen.

Das Control Panel sieht ähnlich wie bei PHP BB aus. Die einzelnen Einstellungen findet der Admin in verschiedenen Bereichen, was zur Übersichtlichkeit beiträgt (siehe Abbildung 4). Nach rund 30 Minuten Inaktivität ist Schluss, der Verwalter muss sich im Kontrollzentrum neu einloggen.

Abbildung 4: Das Admin Control Panel von Invision Power Board glänzt durch klare Strukturen und eine übersichtliche Anordnung von News und Konfigurationsoptionen.

Abbildung 4: Das Admin Control Panel von Invision Power Board glänzt durch klare Strukturen und eine übersichtliche Anordnung von News und Konfigurationsoptionen.

Dagegen fällt das Berechtigungssystem etwas ab. Mit seiner Zweiteilung folgt es dem gleichen, stark veralteten Prinzip wie Vbulletin: Pro Berechtigungspunkt existieren zwei Zustände – erlaubt und verboten. Auch die Unterteilung der Zugangsberechtigungen ist nicht so fein aufgegliedert wie die der moderneren Konkurrenten. Der Admin kann für seine Benutzer lediglich festlegen, ob sie das Forum und die Themeninhalte sehen, auf Beiträge antworten oder neue schreiben beziehungsweise Anhänge hoch- oder runterladen dürfen.

Der Aufbau des Quellcode und die Möglichkeiten, die sich daraus für Entwickler von Modifikationen ergeben, sind dagegen eine der Stärken von IPB. Der PHP-Code folgt dem MVC-Prinzip (Model View Controller), das funktionale Teile streng trennt: Das Model beschreibt die Daten, Views zeigen die Daten eines Model an und Controller verändern sie. Die einzelnen Komponenten kommunizieren miteinander: Ändert ein Controller die Daten in einem Model, bekommen alle Views automatisch Kenntnis von der Neuerung. Entwickler, die das Prinzip konsequent einhalten, bauen mit sehr geringem Aufwand eigene Views und Controller, erweitern also die Funktionalität.

Anpassungsfähig

Alle Erweiterungen befinden sich in eigenen PHP-Dateien, welche die Software über Hooks in das laufende System einbindet. Da der IPB-Quellcode klassenorientiert aufgebaut ist, können Modifikationen leicht Features erben, anpassen und erweitern. Hat ein Entwickler sich in dieses Konzept erst mal eingearbeitet, ist er viel schneller in der Lage, Addons für IPB zu entwickeln als für die anderen Forensysteme.

Auch IPB setzt auf CSS und HTML-Templates, um Look & Feel anzupassen. Alle Templates liegen in eigenen Dateien vor und Invision Power Board speichert sie zwischen. Schleifen und Abfragen sind als HTML-Tags realisiert. Jede Schleife und jede Abfrage ist gleichzeitig ein Hook, über den eine Modifikation HTML-Code einschleust. Dabei steht es dem Entwickler frei, seinen Code vor, nach oder – bei Schleifen – mitten in den Tags zu platzieren. Das Konzept ähnelt damit dem von Vbulletin, geht aber einen Schritt weiter.

Sind neue Versionen oder Updates der Software verfügbar, meldet der Hersteller dies per Mail an den Admin und veröffentlicht einen Hinweis im Control Panel. Das Einspielen der Aktualisierungen geschieht genau wie bei Vbulletin über die Installation eines entsprechenden Pakets und verläuft ebenso unproblematisch.

Fazit

Wer bei Fragen auch mal einen Tag länger auf Antworten warten kann oder Chats im IRC nicht scheut, muss keineswegs zu einem der kostenpflichtigen Systeme greifen, nur weil er guten Support wünscht. Sowohl die PHP-BB- als auch die SMF-Community beantwortet Fragen schnell und freundlich. Auch Hilferufe im deutschen Vbulletin-Forum erhörten die Mitglieder und gaben kompetent und ausführlich Auskunft.

Der Support von IPB fiel im Test dagegen ab, antwortete auf Fragen häufiger mit Gegenfragen, half dann aber anstandslos weiter. Dennoch: Von einem bezahlten Dienstleister darf man etwas mehr Hilfsbereitschaft erwarten.

Was die Zugriffsrechte betrifft, gliedern sich die Testkandidaten in zwei Gruppen auf: dreigeteilte Systeme (PHP BB und SMF) und klassische Zweiteilungen (Vbulletin und IPB). Auf den ersten Blick mögen Erstere komplizierter wirken, allerdings erleichtern sie dem Administrator im alltäglichen Forenbetrieb seine Aufgabe ungemein.

Ein Blick hinter die Kulissen und in den Quellcode der Kandidaten offenbart enorme Unterschiede. Im direkten Vergleich schneidet das Simple Machine Forum hier am schlechtesten ab. Eine Struktur ist fast nicht zu erkennen, der Code scheint eher gewachsen als geplant zu sein. Das spiegelt sich auch konsequent im Template-Aufbau wider. Die Vermischung von HTML und PHP widerspricht der Trennung von Funktion und Aussehen und macht es Designern unnötig schwer, individuelle Templates zu entwickeln.

PHP BB leistet sich in diesem Bereich keine Patzer, sticht allerdings auch nicht besonders positiv hervor. Ein Layer trennt die Datenbank zwar sauber vom Rest, dennoch wären solche Ebenen auch an anderen Stellen hilfreich, um die Erweiterbarkeit zu verbessern und doppelten Code zu verringern.

Wer Vbulletin genauer unter die Lupe nimmt, bekommt den Eindruck, dass die Entwickler anfangs ein Konzept verfolgt, es dann später aber nicht konsequent umgesetzt haben. Einige Layer sind vorhanden, teilweise sorgen sogar Klassen für die Trennung der einzelnen Funktionsteile. An anderen Stellen findet jedoch keine Auslagerung in Klassen mehr statt, sondern es gibt nur noch Funktionen, was es Entwicklern erschwert, in Abläufe einzugreifen oder Funktionalitäten schnell und einfach zu übernehmen.

Mit Abstand die durchdachteste Codestruktur zeigt Invision Power Board. Klassen beschreiben die einzelnen Funktionalitäten und der Code scheint sauber aufgeteilt. So gibt es beispielsweise Datenbank-, Funktions- und Template-Layer. Ungeübte Entwickler benötigen dadurch eventuell eine längere Einarbeitungszeit, können aber anschließend viel leichter Modifikationen vornehmen.

Schaut man die Aktualisierungsverwaltung an, haben Invision Power Board und Vbulletin die Nase vorn, da Modifikationen bei ihnen meist keinen Eingriff in die Quelldateien erfordern und daher in der Regel auch Updates überleben. Zwar gibt es für die Erweiterungen bei PHP BB und Simple Machines Forum Möglichkeiten, die Vorgänge zu automatisieren, dennoch erfordern Addons hier immer eine grundlegende Veränderung der Codestruktur. Läuft einmal etwas schief, ist es äußerst aufwändig, den entsprechenden Code-Abschnitt zu finden und zu fixen.

So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass keines der vorgestellten Programme perfekt ist. Es bleibt der Wunsch nach einem Forensystem, das den strukturellen Aufbau, die Dokumentation und Community von PHP BB hat, das Berechtigungssystem von Simple Machines Forum, den Funktionsumfang und die Fülle der Modifikationen von Vbulletin und vom Codeaufbau her Invision Power Board ähnelt.

Infos

  1. PHP BB: https://www.phpbb.de
  2. Automod: https://www.phpbb.de/kb/automod
  3. Simple Maschines Forum: http://www.simplemachines.org
  4. Vbulletin: http://www.vbulletin-germany.com
  5. Vbulletin-Erweiterungen (engl.): http://vbulletin.org
  6. Deutsche Vbulletin-Addon-Seite: http://www.vbulletin-germany.org
  7. Invision Power Board: http://community.invisionpower.com
  8. Deutscher IPB-Support: http://www.ipbsupport.de
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