Der Instant Messenger Pidgin unterstützt von Haus aus viele Protokolle und bietet zahlreiche Funktionen. Was dem Tausendsassa unter den Chatclients fehlt, rüsten verschiedene Plugins unkompliziert nach. Der Artikel lässt es fünfmal klicken.
ICQ, AIM, IRC, Jabber oder Gadu-Gadu: Das Chatprogramm Pidgin [1] beherrscht zahlreiche Protokolle und plappert im Linux-Umfeld schon lange ganz vorne mit. Die Anwendung folgt der Philosophie, alle nicht essenziellen Funktionen in externen Plugins anzubieten und damit die Konfiguration übersichtlich zu halten. Das kommt vor allem neuen Nutzern zugute, die sich oft in umfangreichen Einrichtungsdialogen verlaufen. Aber auch Puristen, die ihr Interface nicht mit zu vielen Features belasten wollen, profitieren davon. Jeder Anwender entscheidet selbst über Aussehen und Eigenschaften des Clients, ohne dass ihn ungewollte Bedienelemente belästigen.
Die Macher von Pidgin unterscheiden zwei Plugin-Typen: offiziell unterstützte und so genannte Third-Party-Plugins [2]. Letztere sind Erweiterungen, die Anwender außerhalb des Projekts entwickelt haben und die daher keinen offiziellen Support erhalten. Fünf Addons aus verschiedenen Kategorien erweitern den Alleskönner, machen ihn sicherer, aufgeräumter und vielseitiger.
OTR-Plugin
Off the Record Messaging erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Chattern, auch weil es keine großen Vorkenntnisse von Seiten des Benutzers verlangt. Zahlreiche Instant Messenger unterstützen OTR, auch Pidgin bietet eine entsprechende Erweiterung an [3]. Das Plugin erzeugt automatisch einen OTR-Schlüssel für den aktuell verwendeten Account, wenn der Anwender einen Off-the-Record-Chat startet. Alternativ erstellt er einen Schlüssel von Hand im Konfigurationsmenü über die Schaltfläche »Generate Fingerprint«.
Bestehende Schlüssel zu kopieren ist etwas unkomfortabel und erfordert einen Eingriff in die Datei »~/.purple/otr.private_key«. Handelt es sich um einen Jabber-Account, sind unter Umständen ein paar zusätzliche Anpassungen nötig, wie unter [4] beschrieben.
Das Plugin erweitert das Chatfenster um die Schaltfläche »Start private conversation«, über die Pidgin eine verschlüsselte Verbindung zum Gegenüber aufbaut. Voraussetzung ist, dass der Client des Partners ebenfalls OTR-fähig ist. Zudem richtet das OTR-Plugin Buttons im Chatfenster ein, über die der Benutzer private Unterhaltungen beendet oder bei einem Verbindungsabbruch erneuert.
Ist im Konfigurationsmenü der OTR-Knopf für die Pidgin-Toolbar aktiviert, zeigt diese – ebenfalls direkt im Chatfenster – den genauen Zustand der Sitzung an. »Not private« markiert eine ungesicherte Sitzung, »Unverified« steht für eine OTR-verschlüsselte Verbindung, bei welcher der Gesprächspartner nicht authentifiziert ist. Sobald sich beide Seiten authentifiziert haben, kennzeichnet Pidgin die Sitzung als »Private«.
Zur Identitätsprüfung stehen drei Verfahren zur Wahl. Entscheidet sich der Anwender für »Frage/Antwort«, tauschen beide Seiten eine Antwort auf eine vom Initiator gewählte Frage aus. Um ein Mindestmaß an Sicherheit zu wahren, sollte die Antwort möglichst nur den beiden an der Authentifizierung beteiligten Parteien bekannt sein. Stimmen die Antworten exakt überein, haben sich die Nutzer richtig ausgewiesen und die private Unterhaltung kann beginnen.
Bei der Option »Shared Secret« erfolgt die Authentifizierung über ein vorher gemeinsam bestimmtes Schlüsselwort (siehe Abbildung 1). Das Geheimnis sollten die Anwender nicht über eine unverschlüsselte Instant-Messenger-Verbindung aushandeln, sondern einen sicheren Kanal wählen, zum Beispiel eine verschlüsselte E-Mail, ein persönliches Treffen oder – je nach individuellen Sicherheitsanforderungen – ein Telefonat. Bei der dritten Methode vergleichen beide Seiten von Hand ihre Fingerprints. Diese befinden sich im OTR-Konfigurationsmenü unter dem aktuellen Nutzeraccount.

Abbildung 1: Eines der drei angebotenen Authentifizierungsverfahren erfordert ein vorher festgelegtes Schlüsselwort, das so genannte Shared Secret.
Das Plugin bietet zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten. So kann der Anwender etwa festlegen, dass OTR für jede Sitzung zwingend zum Einsatz kommt. Die etwas weniger restriktive Variante ist, jeden Chat mit einer OTR-Anfrage zu beginnen und nur unverschlüsselt zu kommunizieren, wenn die Gegenseite OTR nicht unterstützt. Sicherheitstechnisch sinnvoll ist auch die Einstellung, OTR-Sitzungen nicht mitzuloggen.
Insgesamt präsentiert sich das Plugin als benutzerfreundliche Erweiterung mit einem gut durchdachten Interface. Es empfiehlt sich insbesondere für Anwender, die sich bisher nicht eingehend mit dem Thema Verschlüsselung auseinandergesetzt haben. Etwas zu kurz kommt leider das Schlüsselmanagement. In der aktuellen Version findet sich keine Möglichkeit, komfortabel eigene private Schlüssel oder schon bekannte Fingerprints von einem anderen Rechner zu importieren. Zwar kann der Benutzer dies durch Anpassen der Dateien »~/.purple/otr.private_key« und »~/.purple/otr.fingerprints« im Texteditor vornehmen, aber eine entsprechende Funktion im grafischen Interface wäre eine sinnvolle Ergänzung.
Extended Buddy List Sort
Dieses nützliche Plugin [5] erweitert Pidgins Sortieroptionen für die Buddy-Liste. In drei Stufen mit absteigender Priorität ordnet der Anwender seine Chatkontakte an. Als Kriterien stehen auf- oder absteigend die Größe der Logdatei, der Offline-/Online-Status, der Name, die Dauer der Offline-/Online-Zeit, die Priorität, der Status und das Protokoll zur Wahl (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Pidgins eigene Sortierfunktion ist nicht besonders ausgereift – dieses Plugin schafft Abhilfe.
Gerade Nutzer mit vielen Kontakten sind dank des Plugins in der Lage, die Liste nach eigenen Vorstellungen zu ordnen und so einzelne Chatpartner prominent an bestimmter Stelle anzuzeigen. Mit wenigen Schritten legt der Anwender individuelle Sortiermuster fest. Um zum Beispiel eine absteigende Liste der gerade aktiven Kontakte zu erhalten, mit denen die längsten Gespräche stattgefunden haben, stellt er die erste Stufe auf »Status« und die zweite auf »Log Size«. Alternativ bietet es sich an, die Kontaktliste nach Namen zu sortieren und nach Offline-/Online-Status zu trennen. Dazu steht die erste Stufe auf »Online/Offline« und die zweite auf »Name«.
Momentan fehlt der Erweiterung die Möglichkeit, die Kontakte nach Account-Zugehörigkeit zu ordnen. Der Plugin-Entwickler Konrad Gräfe hat auf entsprechende Anfragen reagiert und angekündigt dieses Feature in Zukunft zu implementieren.
Außerdem wäre es schön, wenn das Extended-Buddy-List-Sort-Plugin die Pidgin-eigene Sortierfunktion zur Kenntnis nähme. Pidgin selbst organisiert die Buddies nach der aktuellen Logaktivität, zeigt also die Kontakte oben, mit denen der Nutzer zuletzt gesprochen hat. Kommt das Plugin zum Einsatz, verzichtet der Client auf diese Anordnung.
Pidgin Privacy Please
Spammer haben längst die Instant Messenger für sich entdeckt, wiederholte Autorisierungsanfragen von Unbekannten sind inzwischen gerade bei großen Netzwerken wie ICQ & Co. die Regel. Abhilfe verspricht Pidgin Privacy Please [6]. Das Plugin bietet unterschiedlich restriktive Stufen zur Abwehr von Spambots und unerwünschten Kontaktanfragen. Wer nicht im Rundumschlag alle Anfragen abweisen möchte, kann nur wiederholte Versuche blockieren. Das Spam-Aufkommen reduziert sich dadurch erheblich, denn viele Spambots starten Kontaktversuche mehrfach.
Zusätzliche Reduktion des ungewollten Nachrichtenaufkommens erreicht Pidgin Privacy Please durch die Filterung von AOL- und Jabber-Systemnachrichten. Als nützlich erweist sich die Option, bei eingehender Autorisierungsanfrage sofort die Nutzerinformationen des unbekannten Kontakts zu öffnen. So verschafft sich der Anwender schnell einen Eindruck, ob es sich um ein erwünschtes Verhältnis handelt oder nicht.
Pidgin Privacy Please trägt alle abgelehnten Kontakte automatisch in die Liste der blockierten User ein und hält die Aufstellung der unerwünschten Verbindungen immer auf dem aktuellen Stand. Auch Kontakte, die es schon in die Buddy-Sammlung geschafft haben, kann der Anwender nachträglich über das Kontextmenü auf die Blacklist verschieben. Die Verwaltung gesperrter Kontakte ist einfach gehalten – per Mausklick entfernt der Anwender geblockte User aus der Liste (Abbildung 3). Leider gibt es keine Option, einen versehentlich gelöschten Kontakt wieder einzutragen.

Abbildung 3: Einmal geblockte Chatter entfernt der Pidgin-Anwender per Mausklick von der Blacklist. Eine Undo-Funktion fehlt hier leider.
Pidgin Privacy Please bietet außerdem eine Funktion, dem fälschlichen Blockieren von erwünschten Kontakten zu begegnen. Das Plugin schickt auf Wunsch eine automatische Nachricht an jeden geblockten Nutzer und erreicht so eventuelle Freunde und Bekannte mit unklaren Nutzerinformationen. Diese können dann einen erneuten Versuch starten – ob in Pidgin oder über ein anderes Medium – und finden sich nicht einfach kommentarlos ausgeschlossen.
Facebook Chat for Pidgin
Dieses Addon integriert die wichtigsten Facebook-Features in Pidgin und erspart dem Anwender damit Browseraufrufe [7]. Nach der Installation legt der Anwender einen neuen Pidgin-Account an und wählt als Protokoll »Facebook« aus. Danach erscheinen alle Kontakte aus dem sozialen Netz als Buddies im Chatclient. Zur besseren Unterscheidung kennzeichnet Pidgin die Facebook-Freunde mit einem entsprechenden Symbol.
Genau wie bei den anderen von Pidgin unterstützten Chatprotokollen, kann der Anwender neue Kontakte im Facebook-Netzwerk suchen und Anfragen zu diesen senden. Auch eingehende Nachrichten tauchen direkt in Pidgin auf (Abbildung 4). Es ist möglich, Freundschaftsanfragen vom Instant Messenger aus anzunehmen oder abzulehnen.
Das Plugin bietet ebenfalls Zugriff auf den Facebook-Status direkt aus dem Chatclient heraus. Auch um sich über Facebook-Mails zu informieren, muss der Benutzer nicht mehr das Webinterface bemühen. Die Nachrichten erscheinen stattdessen als Benachrichtigung mit Vorschaufunktion auf die ersten Zeilen oben in der Buddy-Liste. Ein Klick – und der Browser öffnet ein Fenster mit den Facebook-Mails, neuerliches Einloggen ist nicht erforderlich.
Facebook Chat unterscheidet sich hinsichtlich der Konfiguration von den anderen Erweiterungen. Die Einstellungen findet der Anwender nicht in der Plugin-Liste, sondern nimmt sie direkt in der Account-Konfiguration vor. Alles in allem bietet Facebook Chat eine durchdachte Lösung für Nutzer, die gerne eine große Zahl ihrer Online-Aktivitäten in einem Client abwickeln möchten.
Microblog-Purple
Ins gleiche Horn stößt das Microblog-Purple-Plugin [8], das die beiden Microblogging-Dienste Twitter und Identi.ca in den Chatclient integriert (siehe Abbildung 5). Die jeweiligen Accounts tauchen deutlich gekennzeichnet in der Buddy-Liste auf, ein Doppelklick auf einen Eintrag öffnet einen Tab im Chatfenster. Dieses zeigt die Zeitleiste der Freunde an, also die abonnierten Tweets. Eine Möglichkeit zum Umschalten auf die Public Timeline fehlt hingegen. Um das ganze Twitterversum einzusehen, muss der Anwender den Webbrowser bemühen.

Abbildung 5: Pidgin integriert Twitter- und Identi.ca-Konten. Wer sonst einen vollwertigen Microblogging-Client nutzt, dürfte das Chatfenster zunächst gewöhnungsbedürftig finden.
Um Microblog-Purple effizient nutzen zu können, empfiehlt es sich, das im Standardumfang enthaltene Plugin Twitgin zu aktivieren. Es stellt weitere Funktionen zur Verfügung, die der Profi-Microblogger ansonsten schmerzlich vermisst. Dazu gehören vor allem einfache Möglichkeiten, Retweets oder Replies per Mausklick abzusetzen. Mit dabei ist ein Symbol, über das der Anwender bestimmte Meldungen zu den eigenen Favoriten hinzufügen kann.
Was dem Plugin neben der Ansicht der Public Timeline aber vor allem fehlt, ist eine Funktion zum Absetzen von Direktnachrichten – eigentlich unverständlich für einen Chatclient. Auch die Suche nach Schlagworten über die so genannten Hashtags haben die Plugin-Entwickler nicht berücksichtigt, sodass für fortgeschrittene Twitterer der Griff zum Browser unabdingbar bleibt.
Fazit
Die fünf vorgestellten Plugins erfüllen weitgehend das, was sie versprechen, und erweitern Pidgin um sinnvolle Funktionen und Features. An der einen oder anderen Stelle besteht Verbesserungsbedarf, insgesamt hinterlassen die vorgestellten Erweiterungen jedoch einen positiven Eindruck.
Andere getestete Plugins sind in einem deutlich schlechteren Zustand als die besprochenen. Einigen mangelt es an Dokumentation, andere enthalten sowohl Fehler in den mitgelieferten Makefiles als auch Programmierfehler. Somit bleibt festzuhalten, dass die Third-Party-Plugins keine verlässliche Anlaufstelle für ausgereifte, stabile Addons sind. Vielmehr sammeln hier viele Entwickler Ideen und Vorschläge und stellen sie zum Testen für andere Nutzer bereit. Im Sammelsurium der Erweiterungen finden sich dennoch einige Schätze wie diese fünf hier. (hej)
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Infos |
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[1] Pidgin-Homepage: [http://www.pidgin.im] [2] Liste der Third-Party-Plugins: [http://developer.pidgin.im/wiki/ThirdPartyPlugins#Third-PartyPlugins] [3] OTR-Plugin: [http://www.cypherpunks.ca/otr] [4] OTR-Schlüssel migrieren: [http://sigpipe.org/20081120-migrate-otr-key-in-pidgin.html] [5] Extended Buddy List Sort: [http://freakazoid.teamblind.de/2008/12/13/pidgin-extended-buddy-list-sort-plugin] [6] Pidgin Privacy Please: [http://freshmeat.net/projects/pidgin-pp] [7] Facebook-Chat-Plugin: [http://code.google.com/p/pidgin-facebookchat] [8] Twitter- und Identi.ca-Plugin: [http://code.google.com/p/microblog-purple] |







