Aus Linux-Magazin 03/2010

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Freie Software simuliert die in 30 Jahren anstehende Marsbesiedlung, verschafft einen Überblick über soziale Netzwerke und sorgt für Ordnung im Debattierklub. Zu essen gibt es knusprige Hähnchen-Nuggets .

Alexandria Luciano lebt auf dem Mars. Sie ist allerdings nicht die neue Alienkorrespondentin des Linux-Magazins, sondern eine der ersten Siedlerinnen auf dem roten Planeten. Noch ist die Dame allerdings nicht gelandet, denn das Ereignis findet erst irgendwann nach dem Jahr 2040 statt. Das Projekt Mars-Sim [1] bietet eine Vorschau auf Alexandrias Leben im Weltall (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Noch in diesem Jahrhundert wollen die Menschen den Mars besiedeln. Den genauen Ablauf des Ausflugs ins All verrät der Simulator Mars-Sim.

Abbildung 1: Noch in diesem Jahrhundert wollen die Menschen den Mars besiedeln. Den genauen Ablauf des Ausflugs ins All verrät der Simulator Mars-Sim.

20 Years from home

Wer erinnert sich nicht an Sim City? Der Klassiker unter den Simulationsspielen ist inzwischen über 20 Jahre alt, hat aber nichts von seinem Reiz verloren. Auf einer zunächst brachliegenden Fläche baut der Spieler eine Stadt. In seiner Rolle als allwissender Herrscher muss er sich um die Bedürfnisse der Bevölkerung auf allen Ebenen kümmern, vom Transportsystem über den Häuserbau bis hin zur Energieversorgung. Verschiedene Faktoren, etwa Kriminalität, Umwelt, Verkehrsfluss und Bildung, erschweren die Verwaltung der Gemeinde und ihrer Einwohner. Optimale Lebensbedingungen sorgen für eine glückliche Bevölkerung und wahre Prachtbauten.

Der Mars-Simulator verlegt ein ähnliches Szenario in eine fremde Welt, auf den roten Planeten. Das Java-Programm simuliert die Marsbesiedlung durch die Menschheit in der Zukunft. Verschiedene Siedlungen sind über den roten Planeten verteilt. Dazu gehören einfache Landepunkte und auch fortschrittlichere Gebäude mit mehreren Bewohnern. Der Benutzer beaufsichtigt während des Spielverlaufs mehrere Missionen und ordnet beispielsweise die Erforschung von Mineralienvorkommen, den Warenhandel mit anderen Siedlungen oder den Ausbau einer der Siedlungen an (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Marssiedlung wächst und gedeiht, indem der Spieler die Bewohner auf verschiedene Missionen schickt. Ob diese erfolgreich sind, hängt von den Fertigkeiten und den Beziehungen der Siedler ab.

Abbildung 2: Die Marssiedlung wächst und gedeiht, indem der Spieler die Bewohner auf verschiedene Missionen schickt. Ob diese erfolgreich sind, hängt von den Fertigkeiten und den Beziehungen der Siedler ab.

Die Marsgeografie entspricht weitgehend der Realität, soweit diese bisher bekannt ist. Der Spieler beauftragt seine Marsbevölkerung mit dem Bau von Gebäuden und anderen Herausforderungen, beobachtet die Fortschritte und auch gezielt einzelne Siedler. Diese steuert er zwar nicht direkt, aber die individuellen Informationsboxen geben Auskunft über alle aktuellen Befindlichkeiten der betreffenden Person. Diese Informationen umfassen materielle und gesundheitliche Aspekte und auch das soziale Leben der Siedler. Der Simulator erlaubt eine genaue Feinabstimmung, so muss Alexandria bei der nächsten Erkundungsmission beispielsweise nicht mit der verhassten Tracey zusammen im Rover sitzen (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Personen-Infobox gibt detaillierte Auskunft über alle Lebensaspekte der virtuellen Siedler. Gesundheit, Besitz, soziale Kontakte - so mancher Innenminister sähe seine sämtlichen Überwachungsfantasien erfüllt.

Abbildung 3: Die Personen-Infobox gibt detaillierte Auskunft über alle Lebensaspekte der virtuellen Siedler. Gesundheit, Besitz, soziale Kontakte – so mancher Innenminister sähe seine sämtlichen Überwachungsfantasien erfüllt.

Die persönlichen Eigenschaften (»Attributes«) vergibt der Simulator zu Beginn nach dem Zufallsprinzip. Sie definieren, wie gut sich eine Person für bestimmte Missionen eignet. Daneben verfügen die Marsianer über Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen (»Skills«), etwa Kochen, Botanik, Mechanik und weitere, die ebenfalls den Erfolg einer Mission beeinflussen. Ist die Person müde oder hungrig, schränkt das ihre Effektivität ein.

Forschung und Lehre

Zur Marsmission gehört auch die Erforschung des neu erschlossenen Planeten. Bei vielen Siedlern handelt es sich dementsprechend um Akademiker aus Fachbereichen wie Botanik, Medizin, Biologie, Mathematik, Chemie, Physik und so weiter. Sie arbeiten stets daran, neue Forschungsstudien vorzuschlagen oder umzusetzen. Akzeptiert der Spieler einen Vorschlag, machen sich bis zu vier Wissenschaftler an die Arbeit. Ein erfolgreicher Abschluss eröffnet im Allgemeinen neue Möglichkeiten bei der Marsbesiedlung. Der Spieler kann die Feldstudien jedoch unterbrechen, beispielsweise wenn er die Teilnehmer anderweitig benötigt, und eine Studie kann auch scheitern, etwa wenn der Hauptforscher währenddessen stirbt. Der Mars ist kein Lebensraum für Angsthasen und das Überleben hängt von der Zusammenarbeit, den Fähigkeiten und Beziehungen der Siedler ab.

Marsgeschneidert

Der Spieler muss sich vom Planeten Mars jedoch nicht alles gefallen lassen. Sagt ihm die fremde Umgebung nicht zu oder reichen die Möglichkeiten der Simulation nicht aus, bietet Mars-Sim die Möglichkeit, die meisten Details selbst zu konfigurieren. Dies erfolgt über mehrere XML-Dateien, die jeweils eine eigene Kategorie definieren. Beispielsweise legt der Anwender in der Datei »people.xml« die typischen Eigenschaften der Siedler im Detail fest, etwa die Toleranz gegenüber der vorherrschenden Temperatur, den Sauerstoff-, Wasser- und Nahrungsverbrauch und viele weitere Attribute. Diese Angaben fungieren als Durchschnittswerte, die tatsächlichen Eigenschaften unterliegen dem Zufallsgenerator des Simulators. Auf ähnliche Weise nimmt der Spieler Änderungen an den verfügbaren Gebäuden, Pflanzen, Rohstoffen, Fahrzeugen und allen anderen strukturellen Einheiten vor. Je nach Kategorie passt er die vordefinierten Einträge an oder fügt neue hinzu.

Auf der Projekt-Homepage ist eine ausführliche Dokumentation der Java-Programmierschnittstelle zu lesen, sodass interessierte Entwickler sich am unter der GPL lizenzierten Quellcode austoben können. Das Entwicklerteam um Scott Davis heißt Helfer ausdrücklich willkommen, egal ob sie Code, Grafiken, Sound oder Ideen und Anregungen beisteuern. Die erste Version von Mars-Sim erschien 1998, also vor über 10 Jahren. Seither arbeiten die Entwickler ohne größere Unterbrechungen an dem Projekt. Die realitätsnahe Darstellung und die intuitive Bedienung des Simulators sind die Früchte dieser konstanten Arbeit. Das Spiel existiert für viele Plattformen, darunter Linux, Windows, Mac OS X und andere Unix-Systeme. Außerdem gibt es in der aktuellen Version 2.88 zum ersten Mal eine Java-Webstart-Unterstützung, das heißt, der Simulator läuft auch direkt im Browser.

Web 2.0 im Rahmen

Viele Anwender haben Accounts bei Face­ ook, Twitter, Flickr & Co. und verwenden für jedes Netzwerk ein eigenes Programm – da kann man schon mal die Orientierung verlieren. Erschwerend kommt hinzu, dass allerlei Störenfriede, zum Beispiel Freunde, Kinder, Arbeitgeber oder Kunden, häufig erwarten, dass man im Laufe des Tages Sachen außerhalb der sozialen Netzwerke erledigt. Gwibber [2] spart Zeit und bringt sämtliche Accounts unter eine Haube (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit Gwibber bewegen sich Anwender zielsicher durch mehrere soziale Netzwerke.

Abbildung 4: Mit Gwibber bewegen sich Anwender zielsicher durch mehrere soziale Netzwerke.

Zunächst legt der Benutzer im Gwibber-Hauptfenster ein oder mehrere Konten an. Momentan unterstützt das Programm neben den genannten Diensten auch Jaiku, Identi.ca, Digg und RSS-Feeds. Die Konfiguration erfolgt über einen Assistenten, der die Anmeldedaten erfragt beziehungsweise dabei hilft, ein neues Konto einzurichten (siehe Abbildung 5). Der Benutzer bestimmt dabei außerdem, ob Gwibber beim jeweiligen Dienst nur den Abruf von Nachrichten unterstützt oder auch neue Postings erlaubt.

Sind die Konten erst einmal angelegt, beginnt die Reise durchs Web 2.0. Auf der linken Seite des Fensters findet sich eine Liste der eingerichteten Dienste, die Gwibber automatisch aktualisiert. Der Sozialnetzwerker durchstöbert sie und verfasst je nach Dienst und Konfiguration eigene Beiträge.

Die Gwibber-Entwickler setzen auf Python als Programmiersprache und verwenden GTK für die grafische Oberfläche. Einen Gnome-Desktop setzt die Anwendung nicht voraus, lediglich die GTK-Bibliotheken sind nötig. Die jetzt erschienene Version 2 des Programms liegt für die meisten Distributionen als fertiges Paket vor, sodass sich das System bei der Installation auch um die damit einhergehenden Abhängigkeiten kümmert. Passend zum Programm informiert das Projekt interessierte Benutzer hauptsächlich über die Micro-Blogging-Dienste Twitter [3] und Identi.ca [4]. Die Gwibber-Entwickler haben zudem eigene Twitter- und Identi.ca-Konten. Auf der Homepage des Projekts gibt es außerdem Links zur Mailingliste, zum IRC-Chatraum und zum Wiki.

Abbildung 5: Über Assistenten teilt der Benutzer Gwibber seine Anmeldedaten und die Präferenzen für den jeweiligen Account mit.

Abbildung 5: Über Assistenten teilt der Benutzer Gwibber seine Anmeldedaten und die Präferenzen für den jeweiligen Account mit.

Im Debattierklub

Wenn sich jemand in Rage redet, ist er meist nur schwer zu stoppen. Aus diesem Grund legen viele Diskussionsrunden, vom Parlament über die Fernseh-Talk-show bis hin zum Rhetorikklub, mehr oder wenige strikte Zeitlimits fest, die allen Rednern die gleichen Möglichkeiten eröffnen sollen. Jemmy Chen kennt das Problem als Moderator von Rhetorikturnieren, wie sie vor allem in den USA verbreitet sind, nur zu gut. Daher hat er sich an die Arbeit gemacht und den Speech and Debate Timekeeper [5] ins Leben gerufen (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6: Der Timekeeper passt auf, dass Teilnehmer eines Rededuells die Zeit nicht aus den Augen verlieren.

Abbildung 6: Der Timekeeper passt auf, dass Teilnehmer eines Rededuells die Zeit nicht aus den Augen verlieren.

Das Programm besteht lediglich aus einem kleinen Fenster, das die verbleibende und die vergangene Redezeit des momentanen Sprechers anzeigt. Ist die Zeit abgelaufen, erfolgt ein optischer und optional ein akustischer Hinweis, sodass der Moderator dem Sprecher nicht selbst ins Wort zu fallen oder von seinen Notizen abzulassen braucht.

Die Software kennt zahlreiche vordefinierte Standardformate für Redeturniere, die verwendeten Zeiten lassen sich aber auch individuell konfigurieren. Die Bedienoberfläche ist äußerst einfach gestaltet und den technischen Schwerpunkt hat Chen auf die Portabilität gelegt. So eignet sich Timekeeper nicht nur für die üblichen Desktopsysteme, darunter Linux, Windows und Mac OS X, sondern auch für verschiedene Handheld-Computer, sodass ein Moderator auf einen platzraubenden Rechner verzichten kann. Die Grundlage zum Erfolg bildet auch hier Java als plattformübergreifende Sprache.

Chicky in de Flaky

Zu essen gibt es heute knusprige Hähnchen-Nuggets in Cornflakes-Panade – oder wie der schwedische Chefkoch sagt: Chicky in de Flaky. Dazu serviert der Küchenmeister Gemüsecurry.

Zutaten für zwei Personen: 2 Hähnchenbrustfilets à 150 g, 1 Ei, 100 g Cornflakes, 100 g Mehl, etwas Pflanzenöl zum Anbraten, Salz, Pfeffer, Paprikapulver. Für das Curry: 1 Zwiebel (in Ringe geschnitten), 1/2 Chilischote (gehackt), 1 Zehe Knoblauch, etwas frischer geriebener Ingwer, 200 g Tomaten (aus der Dose), 150 ml Kokosmilch, 1/2 Blumenkohl (in Röschen geteilt), 1 Zucchini (in Streifen geschnitten), 1 Möhre (in Streifen geschnitten), 200 g Kichererbsen (aus der Dose, abgespült und abgetropft), 75 ml Naturjoghurt, 1 Esslöffel Mangochutney, 1 Teelöffel Kreuzkümmel, etwas frischer Koriander, 1/2 Teelöffel Kurkuma.

Das Fleisch waschen, trocken tupfen und in gleichmäßige Würfel schneiden. Das Ei mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver verquirlen. Die Cornflakes fein zerbröseln. Die Hähnchenwürfel erst mehlen, dann durch das Ei ziehen und in den Cornflakes wälzen. In heißem Öl rundum goldbraun braten.

Für das Curry die Zwiebel in ein bisschen Öl anschwitzen, Knoblauch, Ingwer und Chili zugeben. Mit Tomaten und Kokos- milch ablöschen. Gemüse zugeben und zirka 20 Minuten köcheln lassen. Joghurt und Chutney einrühren und nur noch leicht erhitzen (nicht mehr kochen!). Mit den Gewürzen abschmecken und den frischen Koriander drüberstreuen. (hej)

Infos

[1] Mars-Sim:[http://mars-sim.sourceforge.net]

[2]Gwibber: [https://launchpad.net/gwibber]

[3] Gwibber auf Twitter: [http://twitter.com/gwibber]

[4] Gwibber auf Identi.ca: [http://identi.ca/gwibber]

[5] Speech and Debate Timekeeper: [http://debate-ie-timer.sourceforge.net]

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 3 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben