Fast 7000 Firefox-Extensions gibt es auf Mozilla.org. Sie machen den flexiblen Browser fit für kleine Netbook-Displays oder helfen dem Anwender, in der Datenflut des Internets den Überblick zu behalten.
Als Microsoft die Entwicklung des Internet Explorers für Jahre ruhen ließ, gewann Firefox auch in der Windows-Welt viele Anhänger. Das ausschlaggebende Argument waren neben besserer Sicherheit vor allem praktische Features wie das Tabbed Browsing. Zwar hat der Internet Explorer 7 hier längst gleichgezogen, Firefox bleibt jedoch mit seiner Plugin-Schnittstelle und Tausenden Erweiterungen allein auf Mozilla.org [1] nach wie vor besser ausgestattet.
Überfülle
Die meisten Firefox-Erweiterungen sind in der leicht erlernbaren GUI-Beschreibungssprache XUL [2] und der Programmiersprache Javascript realisiert [3]. Um den Browser zu erweitern, müssen sich Entwickler also nicht mit dem umfangreichen Quellcode von Firefox auseinandersetzen. Die Einstiegshürden liegen bedeutend niedriger als bei der Anwendungsentwicklung in C oder C++. Dies schlägt sich in der Zahl der existierenden Erweiterungen nieder: Bei Redaktionsschluss standen über 6900 Extensions zum Download bereit.
Drum prüfe
Diese Überfülle erweist sich in der Praxis nicht nur als Vorteil. Der Anwender muss bei der Suche nach nützlichen Erweiterungen erst die Spreu vom Weizen scheiden. Eine Hilfestellung gibt ihm dabei das Rating-System auf der Extensions-Seite. Nutzerwertungen geben allerdings keine verlässliche Auskunft über die Sicherheit einer Extension. Einmal installierte Erweiterungen haben Zugriff auf die Interna des Browsers, was sich zumindest für Spyware, die im Browser aufgerufene Links nach Hause sendet, ausnutzen lässt.
Nach Aussage des Directors of Quality Assurance bei Mozilla, Tim Riley, überwacht der Browserhersteller die auf [http://addons.mozilla.org] gehosteten Erweiterungen allerdings auf Speicherlecks und Sicherheitslücken. Manche Addons geben auf Mozilla.org durch eine Datenschutzerklärung über den Umgang mit Benutzerdaten Rechenschaft.
Wem der automatisierte Check auf Mozilla.org nicht ausreicht oder wer Extensions von ungeprüften Repositories installiert, sollte selbst Hand anlegen. Immerhin lassen sich bei in Javascript programmierten Erweiterungen Sicherheitslücken vergleichsweise schnell aufspüren: Die XPI-Dateien, in die Mozilla.org die Erweiterungen verpackt, sind gewöhnliche Zip-Archive (Abbildung 1). Wer sie und die enthaltene Jar-Datei mit Unzip entpackt und mit »grep -r http:// *« nach Internetanfragen durchsucht, kommt bereits vielen Versuchen, den Anwender auszuspionieren, auf die Schliche (Abbildung 2). Allerdings lassen sich Strings in Javascript leicht verschleiern, zum Beispiel mit dem »eval«-Befehl.
Alternativ zum Quellcode-Check kann der Anwender beim Browsen sein System über längere Zeit mit Wireshark überwachen. Die Herausforderung dabei ist allerdings, von Firefox-Extensions ausgelöste Requests an dritte Parteien von solchen zu trennen, die auf das Konto von in besuchten Seiten eingebetteten Webbugs oder Werbebannern gehen.
Den gleichen Sicherheitsstand wie in von den Mozilla-Entwicklern überwachten Repositories zu erreichen ist allerdings mit hohem Aufwand verbunden. Diese Bitparade beschränkt sich daher auf von Mozilla freigegebene Erweiterungen.

Abbildung 1: Noch überschaubar: Die meisten Firefox-Extensions bestehen aus wenigen Hundert Zeilen Javascript- und XUL-Code, der sich mit vertretbarem Aufwand zum Beispiel auf Nach-Hause-Telefonierer ansetzen lässt.

Abbildung 2: Unter der Lupe: Der Code der Extension Colorful Tabs ist lesbar formatiert. Die markierte Zeile öffnet lediglich die Homepage des Plugins in einem neuen Browser-Tab, sendet also keine ausgespähten Daten nach Hause.
Datenflut
Bei der Recherche mit Google führt oft erst das Sichten vieler Treffer zum Erfolg. Wer alle potenziell interessanten Seiten in einem Tab öffnet, verliert schnell den Überblick. Nichts hilft dem Auge besser bei der Orientierung als unterschiedliche Farben. Dies macht sich die Extension Colorful Tabs [4] zunutze (Abbildung 3). Sie weist den Reitern eine zufällige oder pro Domain festgelegte Farbe zu. So kann sich der Anwender leichter orientieren, indem er den Inhalt der Tabs mit der Farbe assoziiert.

Abbildung 3: Farben als Orientierungshilfe: Die Firefox-Extension Colorful Tabs erleichtert bei vielen geöffneten Tabs mit zufälligen oder per Domain vergebenen Farben die Übersicht.
Dezent
Ästheten, dies es dezenter lieben, nutzen stattdessen die Extension Hashcolouredtabs+ [5]. Die färbt nicht den ganzen Reiter ein, sondern kennzeichnet ihn lediglich mit einem kleinen farbigen Quadrat. Benutzt eine Website ein so genanntes Favicon, so zeigt Firefox dies statt der farbigen Auszeichnung an. Damit sehen aber alle Reiter, die eine Seite der gleichen Domain enthalten, gleich aus. Abhilfe schafft, die Anzeige der Favicons in den Einstellungen der Erweiterung auszuschalten. Das Favicon anzeigen und gleichzeitig den Tab farblich hervorheben kann Hashcolouredtabs+ allerdings nicht.
Eselsohren
In die Kategorie “Übersicht behalten” gehört auch das Addon Dog Ears [6] (Eselsohren). Es markiert Stellen auf einer Webseiten mit kleinen Fußnoten (Abbildung 4), die es in einer Liste zusammenfasst, die wie die Firefox-History aufgebaut ist. Sie lässt sich nach Seitentitel, URL oder der Reihenfolge der letzten Besuche sortieren.
![Abbildung 4: Optisch unaufdringlich, doch mit [Shift] + [Leertaste] leicht zu durchblättern: Die Extension Dog Ears setzt benutzerdefinierte Lesezeichen.](https://www.linux-magazin.de/wp-content/uploads/2009/04/abb4_jpg-5-300x250.jpg)
Abbildung 4: Optisch unaufdringlich, doch mit [Shift] + [Leertaste] leicht zu durchblättern: Die Extension Dog Ears setzt benutzerdefinierte Lesezeichen.
Besonders praktisch ist die Blättern-Funktion: [Shift]+[Leertaste] springt zwischen den Eselsohren auf der Seite. Allerdings funktionierten im Test mit Firefox 3.0.5 nicht alle Shortcuts zum Setzen der Markierungen: [Shift]+[Mausklick], das laut Dokumentation eine Marke setzt, bewirkte gar nichts, [Shift]+[E] setzte die Noten bei mit CSS formatierten Seiten an der falschen Stelle. Das Markieren per Rechtsklick mit dem Kontextmenü funktionierte aber wie gewünscht.
Wenn die schlecht sichtbaren Fußnoten von Dog Ears nicht reichen, annotiert die Extension Scrapbook (Abbildung 5a) die HTML-Seiten. Der Anwender fügt farbige Markierungen oder Textkommentare in die Seite ein und archiviert die bearbeitete Seite auf der Festplatte.
Noch mehr als der virtuelle Textmarker hilft der DOM-Eraser der Übersicht auf die Sprünge. Er entfernt per Klick einzelne HTML-Elemente der Seite. Je nachdem, an welche Stelle der Anwender mit diesem Werkzeug klickt, kann er ganze Tabellen oder nur einzelne Zellen, Werbebanner oder nur einzelne Absätze im Text entfernen (Abbildung 5b).
Die Webseiten lassen sich in Ordnerstrukturen ablegen und nach Schlagworten durchsuchen. Verlinkte oder eingebettete Objekte wie Grafiken oder Filme nimmt Scrapbook auf Wunsch mit in das Archiv auf. Über einen Trick archiviert die Extension sogar komplette Sites: Der Anwender fügt dazu »html« in die Liste der zu archivierenden verlinkten Dateitypen ein und wählt eine Rekursionstiefe.

Abbildung 5a und b: Scrapbook speichert bearbeitbare Schnappschüsse der Webseiten. Neben dem virtuellen Textmarker gibt es auch ein Werkzeug, mit dem sich per Mausklick unerwünschte Seitenelemente entfernen lassen.

Abbildung 5a und b: Scrapbook speichert bearbeitbare Schnappschüsse der Webseiten. Neben dem virtuellen Textmarker gibt es auch ein Werkzeug, mit dem sich per Mausklick unerwünschte Seitenelemente entfernen lassen.
Schwankender Boden
Durch UMTS verliert ein Browser auch im Zug oder Bus nicht seinen Sinn. Das Touchpad oder eine Maus sind in der schwankenden Umgebung allerdings schwer zu bedienen. Firefox-Addons, die die Maus verzichtbar machen, erhöhen daher den Komfort. Das Addon Mouseless Browsing versieht alle anklickbaren Elemente mit einer numerischen ID (Abbildung 6). Gibt der Anwender diese über die Tastatur ein, so klickt Mouseless Browsing auf das Element.

Abbildung 6: Mit der Extension Mouseless Browsing kann der Anwender beim Browsen ganz auf die Maus verzichten. Das Addon versieht alle anklickbaren Elemente mit einer über die Tastatur wählbaren ID.
Für alles gesorgt
Dabei darf es sich um Links, Buttons, Checkboxen, Radiobuttons oder Tabs im Browserfenster handeln. Selbst Javascript-Pulldown-Menüs funktionierten im Test. Ein Klick auf ein Icon in der Statusleiste öffnet den Einstellungsdialog, in dem sich die Tags ausschalten lassen, die die Optik stören.
Die Erweiterung ist flexibel konfigurierbar. So kann der Anwender den CSS-Style der angezeigten Nummern anpassen und so die Schrift verkleinern oder vergrößern oder farblich hervorheben. Auf Wunsch blendet das Addon die IDs auch erst über einen konfigurierbaren Hotkey ein.
Blätterhilfe
Die Extension Auto-Pager [7] spart Mausklicks über eine völlig andere Strategie ein. Sie nimmt dem Anwender zum Beispiel bei einer Google-Suche das Blättern durch die Seiten der Ergebnisliste ab. Erreicht der Anwender beim Scrollen den unteren Rand einer Seite, lädt Auto-Pager automatisch die nächste Seite und fügt sie im Browserfenster unten an, sodass der Benutzer mit dem Mausrad oder [Bild-ab] weiterscrollen darf. Wer gezielt zu einer Ergebnisseite springen möchte, kann dies wie gewohnt tun, denn zwischen den fortlaufenden Seiten bleibt die Navigationsleiste stehen. Das Addon fügt zwischen die Seiten außerdem eine optische Begrenzung ein.
Regelbasiert
Die Erweiterung erkennt Seitennavigationsleisten nach mitgelieferten Regeln, die die Software in der Voreinstellung täglich von der Homepage updatet, die Hunderte von Seiten umfasst. Für unbekannte Websites funktioniert die Extension nicht. Anwender mit guten Javascript-Kenntnissen können selbst Regeln erstellen.
Wer auf der Fahrt die Maus meiden möchte, öffnet das Lesezeichen-Menü mit [Alt]+[L] und blättert mit den Cursortasten durch die Untermenüs. Bequemer geht es allerdings mit Site-Launcher [8] – zumindest für eine Auswahl der am häufigsten besuchten Seiten. Das Addon blendet auf Tastendruck eine Palette mit Links ein (Abbildung 7), die die Erweiterung über Hotkeys öffnet, die neben Seitentitel und Favicon sichtbar sind. Neue Links fügt am einfachsten das von der Extension hinzugefügte Toplevel-Menü »Site Launcher« hinzu.

Abbildung 7: Auf dem Präsentierteller: Auf Tastendruck öffnet Site-Launcher eine benutzerdefinierte Auswahl von Webseiten.
Der Anwender kann die Reihenfolge der Linkliste sowie die Seitentitel editieren. Auch die Optik der Palette darf er anpassen: Der Benutzer darf Vorder- und Hintergrundfarbe verändern sowie die Eckenrundung der Palette ausschalten. Die Eyecandy-Effekte Transparenz und Spiegelungen der Icons im Palettenhintergrund lassen sich deaktivieren.
Kleines Display
Nicht nur bei der Mausbedienung, auch bei der Displaygröße müssen Notebookbenutzer Einschränkungen in Kauf nehmen. Besonders auf leichten Netbooks sind daher alle Firefox-Erweiterungen gefragt, die Platz sparen. Die Extension Tiny-Menu [9] komprimiert Menü und Navigationsleiste des Browsers auf eine Zeile (Abbildung 8).

Abbildung 8: Aufgeräumt: Tiny-Menu blendet selten gebrauchte Toplevel-Menüs aus. Menü, Navigationsbuttons sowie Adressen- und Suchleiste passen so auf eine Zeile, was auf kleinen Netbook-Displays wervollen Platz einspart.
Dafür ist allerdings Handarbeit erforderlich: Nach der Installation der Erweiterung liegt unterhalb der Fensterleiste ein Menü mit dem einzigen Toplevel-Menüpunkt »Menü«. Der Platzverbrauch sinkt erst, wenn der Anwender rechts auf die Navigationssymbolleiste klickt und »Anpassen« auswählt. Dann kann er die Buttons, die Adressenleiste und die Searchbar per Drag&Drop in den leeren Bereich der Menüleiste ziehen. Die nun leere Navigationssymbolleiste blendet der Menüpunkt »Ansicht | Symbolleisten« aus. In den Einstellungen des Addons wählt der Anwender Menüpunkte aus, die es weiterhin neben »Menü« auf der obersten Ebene anzeigt (Abbildung 8).
Extras für mehr Komfort
Es gibt zahlreiche Firefox-Extensions, die das Surfen mit dem freien Browser erleichtern. Hilfreich beim Durchkämmen der Informationsflut sind die verschiedenfarbigen Tabs, die Colorful Tabs erzeugt. Scrapbook erzeugt lokale Dumps einzelner Seiten oder ganzer Sites. Der Benutzer kann sie, ohne mit dem HTML-Code in Berührung zu kommen, mit virtuellen Leuchtstiften bearbeiten oder Textblöcke, Grafiken und Werbung entfernen.
Auch Notebook- oder Netbook-Benutzern greifen viele gute Erweiterungen unter die Arme: Tiny-Menu fasst die Firefox-Menüleiste zu einem Toplevel-Menü zusammen und spart so auf kleinen Bildschirmen kostbare Anzeigefläche ein. Mouseless Browsing macht, wie sein Name schon sagt, die Maus beim Browsen arbeitslos.
Zu guter Letzt bleibt noch festzuhalten: Zu viele Extensions installieren verlängert die Startzeit des Browsers und verschlechtert die Performance beim Surfen teilweise merklich. Um Extensions zu testen, bietet es sich daher an, die Profilverwaltung von Firefox zu nutzen, die »firefox -ProfileManager« startet.
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Infos |
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[1] Mozilla-Addons: [http://addons.mozilla.org] [2] XUL: [http://developer.mozilla.org/en/XUL] [3] Mathias Huber, “Firefox-Extensions selbst entwickeln”: Linux-Magazin 02/07, S. 36 [4] Colorful Tabs: [http://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/1368] [5] Hashcolouredtabs+: [http://addons.mozilla.org/de/firefox/addons/versions/4279] [6] Dog Ears: [http://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/4482] [7] Auto-Pager: [http://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/4925] [8] Site-Launcher: [http://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/10127] [9] Tiny-Menu: [http://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/1455] |






