Bei Geld fängt die Freundschaft an – denken viele Firmen, wenn sie das Lizenkosten-freie Linux einführen. Doch wer sich für mit Wartungsdienstleistungen ausgestattete Entperise-Distributionen entscheidet, muss mit dem spitzen Bleistift rechnen, um die neue Freundschaft nicht leichtfertig einzugehen.
Ist Linux wirklich günstiger? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten – denn es gibt nicht die eine, richtige Antwort. Der direkte Weg ist ein Blick auf die Preise eines großen Onlineshops für Hard- und Software in Deutschland [1]. Die Vergleichsbasis bilden ein Windows-Business-Server und Red Hat Enterprise Linux (RHEL). Das ist zwar eine eher teure Distribution. Da aber viele Anwendungen offiziell nur für Red Hats Linux und Novells Suse-Linux freigegeben sind, was im Unternehmensumfeld eine wichtige Rolle spielt, liegt die Wahl einer solchen Distribution nahe.
Preise auf den Tisch
Direkte Vergleiche sind schwer, weil sich die Supportkonzepte unterscheiden, es unterschiedliche Features gibt, Microsoft Windows oftmals vorinstalliert und damit deutlich günstiger ist als beim Einzelkauf und dergleichen mehr. Und dass zu einer Gesamtrechnung (Total Cost of Ownership, TCO) auch noch Kosten für Schulung und Administration gehören, ist ebenfalls klar.
Ein erster Vergleich von Windows und RHEL zeigt mit diesen Einschränkungen dennoch ein interessantes Bild (Tabelle 1). Windows Vista Business unterstützt dabei sogar zwei CPU-Sockets, was bei Red Hat eine deutlich teurere Systemvariante erfordern würde. Die wirklich wichtige Erkenntnis lautet: Preismodelle mit jährlich gleichbleibenden Kosten können – trotz wegfallender Einmalzahlung – auf Dauer betrachtet teurer werden.
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Tabelle 1: Kosten |
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Es lässt sich zwar argumentieren, dass ohnehin nach relativ kurzer Zeit ein Releasewechsel anstünde. Dann gilt aber das oft gehörte Argument nicht, dass derzeit ja noch niemand auf Windows Vista umsteigt. Denn in Unternehmen sind Releasewechsel unbeliebt, weil sie einen hohen administrativen Aufwand verursachen – bei jedem Betriebssystem.
Teure Benutzer
Beim Vergleich der Server von Microsoft und Red Hat zeigt sich ein etwas anderes Bild. Ein Windows Small Business Server 2008 Standard mit fünf Client Access Licenses (CAL, pro Benutzer oder Rechner) und der Unterstützung von maximal vier CPUs kostet einmalig 720 Euro, jede weitere CAL 145 Euro. Die Benutzerzahl ist auf 74 beschränkt. Dafür sind aber unter anderem der Microsoft Exchange Server und der Microsoft Sharepoint Server schon enthalten.
Ein RHEL-Server mit einer Subskription für drei Jahre kostet insgesamt 810 Euro. Allerdings unterstützt die Software nur eine CPU, und die zusätzlichen Server-Dienste fehlen. Und nachdem Cisco inzwischen Postpath [2] übernommen hat, fehlt derzeit auch die direkte Alternative zu Exchange – auch wenn es natürlich andere Optionen gibt. Wer mehr als eine CPU benötigt, muss gleich auf die Version Red Hat Enterprise Linux Advanced wechseln und zahlt für drei Jahre dann schon insgesamt 3500 Euro.
Auf der anderen Seite wird Microsofts Modell bei einer wachsenden Zahl von Benutzern schnell teuer. Allerdings gibt es in der Praxis günstigere Lizenzierungsoptionen für Unternehmen. Zudem ist immer zu berücksichtigen, dass bei Red Hat jedes Jahr neuerlich Supportkosten anfallen und bei Novells Suse ebenfalls. Falls zusätzliche Serverdienste mit Support nötig sind, fallen hier ebenfalls zusätzliche Kosten an.
Vorsicht walten lassen
Deutlich wird: Pauschal lässt sich nicht sagen, dass Linux günstiger ist. Es hängt von den Distributionen und den Anforderungen ab. Wer will, kann sich im Einzelfall sowohl Linux als auch Windows schönrechnen. Am Ende werden bei vergleichbaren Rahmenbedingungen und unternehmenstypischen Anforderungen die Kosten über die Zeit nicht so weit auseinanderliegen (siehe Kasten “Sparen: Ja, aber”), zumindest im Vergleich zwischen Windows und den großen Distributionen, die für Unternehmenskunden in erster Linie relevant sind.
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Sparen: Ja, aber |
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Unternehmen stellen seit September 2008 immer häufiger die Frage, ob sich mit Open Source sparen lasse, sagt Rüdiger Spies zum Linux-Magazin. Dabei beanspruchen Lizenzkosten in der Regel nur etwa 15 bis 20 Prozent eines IT-Projektbudgets und fallen zudem nur einmalig an. “Je länger man die Kosten betrachtet, desto weniger schwer wiegen die Anfangsinvestitionen”, sagt der Analyst. Er stellt fest: “Inzwischen gibt es kein Schwarz-Weiß-Bild mehr für Open Source. Bei den Lizenzkosten lässt sich sparen, aber auf lange Sicht fallen unter anderem Service und Support ins Gewicht.” Sein Fazit: “Der Einfluss von Open Source wird immer größer, weil Akzeptanz und Servicequalität steigen. Und es gibt zumindest die Chance, ein wenig Geld zu sparen.” Zum Beispiel seien die Supportkosten günstiger als bei proprietären Lösungen, wenn auch nicht ganz freiwillig: “Der Markt erwartet das so.” (Anika Kehrer) |
Anders formuliert: Es gibt sicher bessere Argumente für Linux als die Kosten – denn dieses ist allzu leicht angreifbar. An einer individuellen Kostenanalyse kommt kein Unternehmen vorbei. Dies im Hinterkopf, zeigt Tabelle 2 die Preise von Novell, Red Hat und Microsoft für ein Basis-Setup inklusive einer vom Hersteller empfohlenen Groupware. (ake)
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Tabelle 2: Preisvergleich |
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Infos |
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[1] Systemhaus Bechtle:[http://www.bechtle.com] [2] Postpath: [http://www.postpath.com] |





