Diese Ausgabe hat vier Monate Vorbereitungszeit gebraucht, denn sie ist ein Unikum: Als Hauptautoren treten nur waschechte Professoren auf, gelegentlich begleitet von wissenschaftlichen Mitarbeitern oder mal einem Magazin-Redakteur. Die behandelten Themen sind erstaunlich bodenständig und sehr praxisnah.
Verlage zu besetzen, hat vielleicht bei rebellierenden Studenten des Jahrgangs 1968 eine gewisse Tradition, für den akademischen Lehrkörper ist Derartiges jedoch nicht überliefert. Das ändert sich mit diesem Linux-Magazin: Denn nun ist ein für alle Mal dokumentiert, was passiert, wenn echte Professoren – nur solche waren zugelassen – als Autoren die Geschichten einer Computerzeitschrift bestimmen. Der Putsch verlief weniger bedrohlich, als befürchtet, denn die Linux-Magazin-Redaktion hat bei der Auswahl der Talarträger im Vorfeld die Fäden gezogen (Galerie in Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Summe der IQs geht wohl Richtung 2000 – zwölf der 19 für die Ausgabe schreibenden Professoren. V.l.n.r., ohne Titel: Bernd Brügge, Jörg Keller, T.I. Kesztyüs, Bernd Lutterbeck, Jürgen Quade, Andrew S. Tanenbaum, Walter Roth, Jürgen Schröter, Ralf Treinen, Peter Trommler, Peter Väterlein, Alexander Zipf.
Herausgekommen sind dabei Themen wie Entwickeln für den Cell-Prozessor, SOA (ausnahmsweise für Techniker verständlich erklärt), Sicherheit beim Onlinebanking – das analysiert der Erfinder von Moneypenny -, Entwicklung und Betrieb von Business-Applikationen oder Rechtsfragen rund um die GPL. Admins werden Spaß haben an einem Fuse-Dateisystem, das zum Beispiel Notebookbesitzern Dateien auf dem Server auch dann bereitstellt, wenn sie unterwegs sind. Sysadmin Charly mimt diesen Monat nur den Sidekick für Professor Quade; beide kennen sich gut: Charly lehrt manchmal an Quades Hochschule. Weniger technisch, dafür ganzheitlich fällt der Artikel ab Seite 72 aus, wenn Professor Lutterbeck am Ende in die Zukunft schaut und eine Frage “endgültig” klärt: Was kommt nach Linux?
Linux ist unzuverlässig
Was dagegen vor Linux kam, darf als gesicherte Erkenntnis gelten: Minix. Linus Torvalds war Minix-Benutzer und die erste Linux-Version 1991 setzte auf das Lehrbetriebssystem von Professor Andrew S. Tanenbaum auf. Kurz danach entbrannte zwischen beiden der wahrscheinlich berühmteste Richtungsstreit in der Betriebssystem-Geschichte. Im Gast-Editorial dieser Ausgabe legt Betriebssystem-Papst Tanenbaum nach, wenn er den Beweis dafür anzutreten versucht, dass Linux (und Windows) architekturbedingt zu instabil seien, um für normale Menschen verwendbar zu sein.
Praktisch, nicht muffig
Der (zugegebenermaßen inszenierte) habilitierte Spuk endet mit dieser Ausgabe auch wieder, die Professoren räumen freiwillig das Redaktionsgebäude. Zurück bleibt die Erkenntnis, dass akademischen Eliten informative, praxisnahe Linux-Geschichten zu erzählen haben – keine Spur von elfenbeintürmischem Muff unter den Talaren.






