Aus Linux-Magazin 09/2007

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Nttcp

Manche Wettervorhersage gibt neben der gemessenen auch die gefühlte Temperatur an. Ähnlich bei der Bandbreite: Ist die gefühlte zu gering – und das ist sie immer – muss ein Messinstrument Klarheit schaffen.

Inhalt

84 | Linux-HA-Cluster mit Loadsharing Eine clevere IPtables-Funktion und Linux-HA machen gewöhnliche Server zum ausbalancierten Cluster.

88 | Gefährlicher Installer Dummheit siegt: Wie ein Hardwarehersteller Sicherheitslücken in jedes Linux reißt.

92 | LPI-Kompendium – Teil 14 Netzwerke richtig konfigurieren: IP-Adressen, Netzmasken, Broadcasts, Gateways, Routing.

Die Bandbreite zwischen zwei Rechnern messen, das verschafft zweifelnden DSL-Kunden Gewissheit. Wenn ich einen VPN-Tunnel baue, kenne ich gern den Einfluss der Verschlüsselung auf die Geschwindigkeit. Bremst ein Antivirus-Proxy beim Surfen? Arbeitet die Firewall-Appliance mit Wirespeed, wie der Hersteller behauptet? Was packt mein WLAN, wenn dazwischen eine fette Betonwand schirmt? Reicht mein PowerLAN zwischen dem Notebook und dem Linux-Videorekorder fürs Streaming? All diese Fragen beantwortet Nttcp [1].

Auf beiden Rechnern, zwischen denen ich die Bandbreite ermitteln will, muss das Programm installiert sein, die meisten Distributionen bringen zum Glück ein Paket mit. Ein Partner sendet, der andere empfängt. Die beiden Nttcps übertragen 2048 TCP-Pakete von je 4 KByte Größe, insgesamt also 8 MByte. Aus der Laufzeit der Pakete berechnet sich die Übertragungsgeschwindigkeit.

Vorhersagepraxis

Zuerst tippe ich auf dem Empfangsrechner »nttcp -i«. Der Betrieb via Inetd oder Xinetd wäre ebenfalls möglich, der Programmautor Elmar Bartel rät jedoch aus Sicherheitsgründen davon ab. Die Gefahr von Denial-of-Service-Angriffen sei zu groß. Auf dem lokalen, also dem sendenden Rechner, starte ich Nttcp mit:

nttcp -T 
 
  Zielrechner
 

Der Parameter »-T« bewirkt, dass bei der Ausgabe die Ergebnisse wie in Abbildung 1 Spaltenüberschriften verpasst bekommen. Im Beispiel sind die beiden Rechner über eine 34-MBit/s-Strecke verbunden und vor jedem Endpunkt steht eine Firewall. Angesichts der Tatsache, dass ich diese Verbindung (leider) nicht alleine nutze, stimmen mich die gemessenen 28 MBit/s zufrieden.

Abbildung 1: Die per Nttcp gemessenen 28 MBit/s auf einer von mehreren Hosts genutzten 34-MBit-Leitung sind in Ordnung, da auch noch zwei Firewalls dazwischen liegen.

Abbildung 1: Die per Nttcp gemessenen 28 MBit/s auf einer von mehreren Hosts genutzten 34-MBit-Leitung sind in Ordnung, da auch noch zwei Firewalls dazwischen liegen.

Nttcp akzeptiert weitere Parameter, der wichtigste, »-r«, sorgt dafür, die Daten nicht vom lokalen zum entfernten Rechner zu übertragen, sondern umgekehrt. ADSL-Leitungen machen eine solche Zusatzmessung im Krebsgang notwendig, da Up- und Downstream unterschiedliche Bandbreiten haben.

Soll die Übertragung per UDP statt TCP erfolgen, benutze ich den »-u«-Parameter. Auch die Menge der übertragenen Daten kann ich manipulieren: Will ich anstelle von 2048 Blöcken zu je 4 KByte lieber 1024 Blöcke von 8 KByte auf die Reise schicken, lautet der Aufruf:

nttcp -n 1024 -l 8192 
 
  Zielrechner
 

Aber Vorsicht: Mit der Bandbreite ist es wie mit dem Wetter. Dass man den genauen Thermometerstand kennt, macht die gefühlte Temperatur nicht automatisch erträglicher. (jk)

Infos

[1] Nttcp (bei Redaktionsschluss nicht erreichbar): [http://www.leo.org/~elmar/nttcp/]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.

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