Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Es gibt keine Pause nach der Etch-Release: Das kommende Debian mit dem Codenamen Lenny füllt bereits die Mailinglisten. Lenny? Das Projekt bleibt dem Prinzip treu, Releases nach Figuren aus dem Film “Toy Story” zu benennen. Der frischgebackene Debian Project Leader (DPL) Sam Hocevar startet seine Öffentlichkeitsarbeit dagegen ungewöhnlich: mit einer Entschuldigung.
Der DPL spricht
Sam Hocevar hat seine erste Mail [1] an die Entwicklergemeinde mit einer schelmischen Bitte um Entschuldigung dafür garniert, dass er erst am elften Tag seiner Amtszeit ein offizielles Statement abgibt. Anschließend bedankt er sich bei allen, die am Rennen um den DPL-Posten beteiligt waren. Besondere Erwähnung findet Steve McIntyre, der zum zweiten Mal knapp unterlag.
Strategischer Natur ist dann die Bitte an die Entwickler, sich über ihre spezifischen Fähigkeiten klar zu werden und so zu sondieren, in welchem Team sie mitarbeiten möchten. Der DPL macht damit Ernst mit seinem Wahlversprechen, die wichtigsten Debian-Teams mit mehr Personal auszustatten. Hocevar verbreitet in der Stellungnahme den Geist, der auch seine Kandidatur umgab: Der eines Entwicklers mit Spaß an der Arbeit, der andere mit guter Laune anstecken will.
Trademark-Probleme
Wer Etch installiert und Firefox sucht, findet Iceweasel (Abbildung 1). Das Mailprogramm Thunderbird taucht als Icedove auf. Die eigenartige Umbenennung der Mozilla-Programme hat einen profanen Grund – Streit zwischen dem Debian-Projekt und Mozilla. Bereits 2005 hatte es gekracht, als Mozilla-Entwickler Mike Connor Debian dazu aufforderte, bestimmte Regeln einzuhalten, damit es die Trademarks der Mozilla Foundation weiterhin benutzen darf.

Abbildung 1: Firefox heißt in Etch „Iceweasel“. Ein Streit mit Mozilla ist der Grund für die Umbenennung.
Eine Bedingungen war, dass der Name Firefox nur in Verbindung mit den originalen Icons und Logos verwendet werden darf. Diese grafischen Ingredienzen hatte Debian aber gegen eigene Motive ausgetauscht. Am unterkühlten Ende der Debatte stand die Umbenennung der Mozilla-Programme.
Nachahmer
Diese Trademark-Masche scheint sich in der FOSS-Szene als Argument bei Streitigkeiten zwischen Distributor und Entwicklern zu etablieren. Kurz nach der Etch-Release nahm der Hauptentwickler des Windowmanagers Ion einen Hinweis in die Lizenzdatei auf, dass Ion nur unter diesem Namen erscheinen darf, wenn die verwendete Ausgabe nicht länger als 28 Tage hinter der jüngsten stabilen Version herhinkt.
Ursache für die Klausel war ebenfalls ein Disput zwischen dem Debian-Paketmaintainer und dem Ion-Upstream, der um die Frage kreiste, ob Etch mit einer veralteten CVS-Version von Ion erscheint oder nicht. Mit der drastischen Maßnahme hat der Ion-Autor alle Schlichtungsversuche zunichte gemacht. Der Pfleger des Debian-Ion-Pakets reagierte postwendend und sucht nun nach einem neuen Namen [2]. (uba)
| Infos |
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| [1] Statement von Sam Hocevar: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2007/04/msg00011.html]
[3] Abstimmung über den neuen Ion-Namen: [http://forums.debian.net/viewtopic.php?p=69522] |
| Der Autor |
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| Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien. |





