Aus Linux-Magazin 05/2002

LUG Salem-Beuren

Regelmäßig berichtet das Linux-Magazin über LUGs in Deutschland. In diesem Monat erfahren Sie etwas aus der Geschichte der LUG Salem-Beuren.

Die Linux-Usergroup Salem besteht seit dem 27.09.2001. Ulf Jokosch war damals einer der Mitinitiatoren. Der gelernte Wirtschaftsinformatiker studierte an der Fachhochschule in Konstanz und arbeitet heute freiberuflich. Als er 2001 nach Salem zog, standen ihm die Räumlichkeiten zur Verfügung, die Voraussetzung für die LUG-Treffen sind. “Da ich in der Nähe keine aktive LUG finden konnte, habe ich damals die Gründung der LUG-Salem aktiv betrieben”, erinnert sich Jokosch.

Linux als Lösung

In seiner Zeit als Netzwerk-Administrator hatte Jokosch 1997 Linux erstmals auf einem Router und einem Mailserver eingesetzt. Bei der Suche nach einer geeigneten Software legten ihm Kollegen damals Linux nahe.

Seit September 2001 treffen sich die Mitglieder regelmäßig mittwochabends in Salem-Beuren im Schwalbenweg. Die meisten Abende stehen unter einem festen Thema, das von ein oder zwei Leuten vorbereitet, an diesem Abend vorgestellt und anschließend in der gesamten Gruppe vertieft wird. Trotz des thematischen Rahmens ist die LUG Salem ein loser Zusammenschluss von an Linux interessierten Menschen. “Ich wollte mich einfach mehr mit Linux beschäftigen und am meisten Spaß macht so was mit anderen zusammen. Jeder kann von jedem etwas lernen. Ich war auch erstaunt, wie groß die Resonanz war”, so Jokosch.

Und gerade bei einem Betriebssystem wie Linux, das auf den Desktops nicht so sehr verbreitet ist, ist es umso hilfreicher, Leute zu haben, mit denen man sich austauschen kann. Zu der Entscheidung, eine Usergroup zu gründen, hat die Teilnahme an einem Kurs im Linux-Hotel [http://www.linux-hotel.de], das die Essener LUG beherbergt.

Das erste Mal war – wie immer bei ersten Treffen: Man kannte sich nicht und keiner wusste, was auf ihn zukommen könnte. Aber die Mitglieder haben sich ziemlich schnell zusammengerauft. Von Anfang an galt das Du-Prinzip, das heißt: In der LUG wird nur geduzt, völlig unabhängig von Alter und Berufsstand. Die Bandbreite der Mitglieder reicht von Schülern, Studenten und Auszubildenden über Angestellte bis zu Selbstständigen so- wie Freiberuflern. Es gibt Informatiker und Leute, die beruflich nicht primär mit EDV beschäftigt sind, wie zum Beispiel Ärzte und Verwaltungsangestellte.

Mit dem Du-Prinzip verhindert die LUG, dass bei den Treffen Barrieren zwischen den Mitgliedern errichtet werden, die einer fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema des Abends vielleicht im Wege stehen könnten. “Wichtig ist, dass die Leute interessiert sind und auch aktiv zu den Aktivitäten der LUG beitragen. Eine Usergroup lebt von den Beiträgen möglichst vieler Mitglieder, wenn da immer nur eine Handvoll Leute etwas tut und der Rest sich nur füttern lässt, dann ginge das wohl nicht lange gut”, sagt Ulf Jokosch.

Installpartys helfen Anwendern bei der richtigen Konfiguration von Linux.

Installpartys helfen Anwendern bei der richtigen Konfiguration von Linux.

Bootloader und Kernel

Je nach Thema setzt sich das Publikum entsprechend zusammen. Ein Kern von rund acht Leuten kommt regelmäßig. Auf der Agenda stehen immer anspruchsvolle Themen wie Firewalling, Bootloader oder das Neukompilieren des Kernels. Das Ganze wird von Anwendern für Anwender aufbereitet und bleibt deswegen verständlich.

Dass es trotzdem noch Hürden gibt, wissen auch die Mitglieder der Linux-Usergroup: “Ich selbst habe meinen Arbeitsplatz komplett auf Linux umgestellt und muss sagen, es geht. Aber der Weg dorthin war doch steinig und kann wohl so dem Durchschnitts-PC-Benutzer, der wirklich nur mit dem PC arbeiten und nicht die Tiefen des Betriebssystems erkunden will, nicht zugemutet werden”, so Ulf Jokosch.

Wie bei einem Konkurrenzprodukt die CD für einen Scanner einfach ins Laufwerk legen und die Installation startet automatisch und das Gerät läuft – das bleibt vorerst Ansporn, Linux weiter zu verbessern.

Gute Stimmung

Insgesamt ist die Stimmung bei der LUG Salem gemischt – und das ist auch gut so. Wenn nur die Informatik-Freaks anwesend sind, hebt man zu leicht ab und vergrault Leute, die zwar an Linux interessiert sind, aber nicht jedes Bit zweimal umdrehen wollen.

Außer Themenabenden stehen bei der LUG Salem aber auch noch andere Veranstaltungen auf dem Programm. So treffen sich die Mitglieder regelmäßig zu Installpartys, Workshops und Einführungsabenden ins Thema Linux. Daneben starteten sie ein Terminalserver-Projekt, bei dem PCs so umgebaut werden sollen, dass sie ihre Arbeitskraft von einem Server beziehen und selber als leise, plattenlose Rechner zur Verfügung stehen.

Interview mit Paul Kirner

Paul Kirner von der LUG Salem hat Physik an der Uni Konstanz studiert. Jetzt arbeitet er als Laboringenieur an der Fachhochschule Weingarten, Fachbereich Technische Informatik.

Linux-Magazin: Wie bist du das erste Mal mit Linux in Berührung gekommen beziehungsweise woher hast du von dem freien Betriebssystem erfahren?

Kirner: In den Jahren 1993 oder 1994 war ich mit damaligen Betriebssystemen (DOS und Windows 3.1) unzufrieden und habe gezielt nach etwas anderem gesucht.

Linux-Magazin: Was hat dich an Linux als Betriebssystem fasziniert?

Kirner: An Linux fasziniert, dass es offen ist. Es war möglich, überall reinzuschauen, wenn ich von dem Ganzen zunächst nicht viel verstanden habe, und es war kostenlos. Für mich war das damals absolut neu.

Linux-Magazin: Warum hast du dich entschlossen eine LUG zu gründen, beziehungsweise ihr beizutreten?

Kirner: Meine ersten Erfahrungen mit Linux waren sehr mühsam, da ich zuvor auch keine Unix-Kenntnisse hatte. Ich hätte mir damals so was wie die LUG gewünscht, also jemanden, der die gleichen Probleme oder Schwierigkeiten hat. Heute sieht es etwas anders aus, aber Anfänger haben ähnliche Probleme und ich kann Ihnen den Weg erleichtern und lerne noch sehr viel dabei.

Linux-Magazin: Informationen über Linux gibt es im Internet. Was findest du in einer LUG, das es nicht im Netz gibt?

Kirner: Im Netz gibt es den persönlichen Kontakt nicht. Bei uns sind die Abende immer mit einem Thema verknüpft, das einer von uns ausarbeitet, und anschließend gibt’s eine lebhafte Diskussion. Wo gibt’s das im Netz?

Linux-Magazin: Kannst du die Atmosphäre bei deinem ersten LUG-Treffen beschreiben?

Kirner: Bei meinem ersten LUG-Abend hatte ich mich etwas verspätet und Ulf hatte schon seinen Vortrag über das Filesystem begonnen, deshalb hatte ich erst anschließend Gelegenheit die anderen kennen zu lernen. Die Diskussion an dem Abend war ungezwungen und lebhaft, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Linux-Magazin: Welches Ereignis oder welche Veranstaltung war dir im Rahmen der LUG-Mitgliedschaft besonders wichtig und warum?

Kirner: Mein erster Vortrag “Firewall mit Linux”, den ich für die LUG vorbereiten durfte, war anspruchsvoll. Außerdem war eine Journalistin von einer Lokalzeitung dabei, die über unsere LUG schreiben wollte. Ich wollte vermeiden, dass sie uns als Freaks oder abgehobene Spinner darstellt, das hätte sicherlich dazu geführt, dass Anfänger sich nicht mehr getraut hätten, bei uns vorbeizuschauen.

Linux-Magazin: Verdienst du dein Geld mit Linux und freier Software?

Kirner: Direkt oder indirekt habe ich mit Linux-Software schon immer Geld verdient. Anfänglich schrieb ich nur meine Texte, führte Berechnungen durch und erstellte Grafiken. Schließlich nahm ich eine Stelle bei einem führenden Linux- und Datenbank-Dienstleister an, wo ich für Unternehmen Support und Schulungen hielt. Heute an der Fachhochschule setze ich Linux überall ein, wo ich es nur kann.

Linux-Magazin: Konntest du aus der LUG-Mitgliedschaft Vorteile für einen anderen Bereich ziehen, eventuell im Beruf?

Kirner: Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich komme mit Themen in Berührung, zu denen ich nicht unbedingt Lust habe. Wenn ich ein Thema ausarbeite, bringt es mir etwas – und das kann ich im Alltag einsetzen.

Linux-Magazin: Wie sieht die ideale Linux-Usergroup aus?

Kirner: Ich weiß nicht, ob es überhaupt eine ideale LUG gibt. Die Leute sind zu verschieden und jeder hat andere Bedürfnisse.

Linux-Magazin: Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft von Linux aus?

Kirner: Die Zukunft von Linux sieht so lange gut aus, wie die Distributoren und die großen Firmen nicht noch mehr ihr eigenes Süppchen kochen als jetzt schon und sich endlich für die Durchsetzung der Linux Standard Base entscheiden. Sonst passiert mit Linux genau das, was mit einigen Unixen schon passiert ist.

Linux-Magazin: Wir danken für das Gespräch.

Infos

Webseite: [http://www.lug-salem.de]

Kontakt-E-Mail: [tux@lug-salem.de]

Telefon: 07554/989 99 20

Mitgliederzahl: zirka 25

Ort und Zeit: mittwochs, 19 Uhr, Schwalbenweg 3, 88682 Salem, bitte vorher Webseite abfragen

Aktivitäten: Fachvorträge, Installations- Partys, Workshops, Einführungsabende

Gründung: 27.09.2001

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