Aus der Sicht der Investoren beantwortet Peter Blumenwitz von Apax Partners Fragen zum Linux-Markt und zum Umbau der SuSE AG. Apax Partners berät die Apax Fonds, die seit 1999 an SuSE beteiligt sind.
Linux-Magazin: Linux ist in den vergangenen Jahren zum Mainstream geworden, gleichzeitig sind aber die Distributoren wie SuSE in Schwierigkeiten geraten. Woran liegt das?
Blumenwitz: Linux hat sich im Serverbereich durchgesetzt; aber in der Masse, also auf dem Desktop sicherlich nicht. Die Schwierigkeiten der Distributoren, aber auch der Service-orientierten Firmen, dürften darin begründet liegen, dass man nach wie vor auf der Suche nach einem funktionierenden Business-Modell ist. Die Frage ist immer noch, wo das Geld herkommt. Distribution ist zudem ein anderes Geschäft als Services; allerdings kann man sich nicht nur auf einen dieser beiden Bereiche beschränken. Das Distributionsgeschäft ist de facto Boxenschieben, andererseits braucht man für den Servicebereich technisches Verständnis. Sicherlich hat in den vergangenen Jahren auch ein großer Optimismus hier eine Rolle gespielt.
Linux-Magazin: Gilt das auch auf Seiten der Investoren?
Blumenwitz: Wenn man sich vor Augen hält, wie Firmen im Jahr 1999 oder 2000 bewertet wurden, sehen Sie, dass die Marktrealität mit dieser Euphorie nicht Schritt halten konnte. Da sind sicherlich auch Investoren zu euphorisch reingegangen. Ich glaube aber nicht, dass Venture-Capital-Geber eine direkte Schuld an übertriebenen Börsenkursen oder Unternehmenspleiten haben. Bei Pleiten durch inadäquates Wachstum oder schwaches Management allerdings tragen Investoren sicherlich eine Mitverantwortung, wenn sie nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen haben.
Linux-Magazin: Wo lagen denn die Schwächen im alten Management von SuSE?
Blumenwitz: Es ist etwas sehr Normales für ein Management von Gründern wie etwa dem von Roland Dyroff, dass es extreme Qualitäten beweist, wenn es darum geht, eine Firma aus der Garage in den zweistelligen Millionen-Euro-Bereich zu bringen. Wenn Sie aber anfangen, mit den “großen Jungs zu spielen”, die völlig unterschiedliche Spielregeln haben, bedarf es anderer Qualitäten, etwa im Markt der Professional Services.
Bei SuSE war zudem niemand da, der vom Boxenschieber-Management wirklich etwas verstand. Am Anfang spielte das eine geringere Rolle, weil die Basis einfach kleiner war. Im größeren Maßstab braucht es dafür aber jetzt professionelle Erfahrungen.
Linux-Magazin: Was hat sich seitdem geändert?
Blumenwitz: An dieser Stelle muss auf jeden Fall Johannes Nussbickel erwähnt werden, ohne den es das Unternehmen SuSE heute wohl nicht mehr gäbe. Er hat an vielen Fronten für diese Firma gekämpft. Als SuSE im Frühsommer letzten Jahres ohne Ruderanlage in schwere See geriet, war er derjenige, der mit großem Engagement versucht hat, die Investoren auf Linie zu bekommen.
Linux-Magazin: Wie sehen Sie die Zukunft der derzeit bestehenden Distributionen?
Blumenwitz: Insgesamt wird es auf jeden Fall weniger Distributionen geben als bisher. Entscheidend ist hier eine ordentliche Standardisierung. Diese schafft einen technologisch “Geek-entzerrten” Markt, wie wir ihn beispielsweise auch bei Servern vorfinden. Die technologische Coolness spielt dort heute keine Rolle mehr. Es zählen die besseren Verkaufsargumente, die bessere Verkaufskraft, die Marke oder auch Service und Support. Allerdings werden einige Firmen durch eine Standardisierung natürlich auch verlieren.
Linux-Magazin: Könnte der Verlierer langfristig Red Hat heißen?
Blumenwitz: Das glaube ich nicht. Red Hat ist eine andere Klasse von Unternehmen. Red Hat hat den amerikanischen Markt fest in der Hand und durch den Börsengang beträchtliche Reserven. Die Frage ist, inwieweit es ihnen gelingt, gegenüber dem europäischen Lager einen Gegendruck aufzubauen.
Linux-Magazin: Nun hat SuSE zwei Arten von Investoren: Geldgeber mit strategischem Interesse wie Compaq, IBM und Intel sowie Finanzinvestoren wie die Apax Fonds. Sehen Sie da Zielkonflikte?
Blumenwitz: Grundsätzlich nicht. Die stra-tegischen Investoren sind dann zufrieden, wenn ihre Konzepte aufgehen. Tritt dies ein, dürfte auch der Finanzinvestor zufrieden sein, denn dann geht der Markt insgesamt auf. Das heißt zusammengefasst: mehr Umsatz, mehr Ergebnis, mehr Wert.
Linux-Magazin: Was war der Grund für die massive Bereinigung des Firmenwerts, die bei SuSE ja vor der zweiten Investment-Runde Ende letzten Jahres recht heftig ausfiel?
Blumenwitz: Eine Firma ist das wert, was jemand bereit ist, dafür zu bezahlen. So kommen Bewertungen zustande. Zudem wurde damals kein potenzieller Investor ausgeschlossen mit zu investieren. Denn schließlich wäre es ja für die zahlreichen Belegschaftsaktionäre besonders enttäuschend gewesen. Deshalb wurde für alle Aktionäre das Recht eingeräumt, zu denselben Bedingungen Aktien zu zeichnen wie die großen Investoren.






