Linus Torvalds: "CLAs sind immer falsch"

Linus Torvalds

Wenn sich Kernelentwickler wie Matthew Garrett, Linus Torvalds, Greg Kroah-Hartman, Kay Sievers und Lennart Poettering kurz nacheinander zu einer Thematik äußern, lässt das aufhorchen. Wieder einmal spalten die Contributor License Agreements (CLA) die Community.

Den Anfang machte am Montag Matthew Garrett: “Nicht alle CLAs sind gleich”, zitiert er aus Orwells Animal Farm. Manche, so heißt es dort, seien “gleicher”. Die Vereinbarungen, die es dem Upstream erlaube, mehr mit dem Code zu machen als die eigentliche Software-Lizenz hergibt, seien nicht alle schlecht, schreibt Garrett – und es gebe sie schon sehr, sehr lange. Wahrscheinlich seit 1985, spätestens aber seit sich die Apache Foundation bestätigen lässt, dass nur sie das Recht habe, Software neu zu lizenzieren. Anders, so Garrett, verhalte es sich bei Canonical: Der Ubuntu-Hersteller möchte es sich offenhalten, den heute GPL-lizenzierten Code später auch mal als proprietäre Software zu veröffentlichen, und das gehe gar nicht, meint der Entwickler, der sich laut seinem Blog ansonsten hauptsächlich mit Power Management, mobiler und Firmware-Programmierung beschäftigt.

"Wir müssen an benutzbarer Sicherheit arbeiten" Matthew Garrett auf der Linuxconf.au 2014

“Wir müssen an benutzbarer Sicherheit arbeiten” Matthew Garrett auf der Linuxconf.au 2014

Auch verweist er auf das Projekt Harmony, das Ubuntu einst ins Leben rief, um die von ihm entwickelten CLAs fortan zu ignorieren. Die wären jedoch deutlich besser geeignet, meint er. So aber brauche sich Canonical nicht wundern, dass es so wenig Beiträge zu ihren Projekten bekäme – das Verhalten sei schließlich als “feindselig” zu bezeichnen. Beifall bekommt er dafür auch vom Systemd-Entwickler Lennart Poettering bei Google+.

Linus ist anderer Meinung

Doch Garrett erntet auch Widerspruch: Linus Torvalds beispielsweise ist in einem Interview mit Muktware anderer Meinung: “Jede CLA ist fundamental falsch”, zitiert Swapnil Bhartiya den Linux-Erfinder. “Die Leute schlagen jetzt gerade mal auf Canonical ein, aber die CLAs der FSF und von Apache sind genauso kaputt.” Torvalds meint weiter, es liege nicht an der Relizenzierung, sondern an dem Papierkram, der einfach jede Community ersticken könne. Und das verhindere eben viele “schnell mal eben im Vorübergehen gemachte Patches”, die eine Triebfeder der freien Software-Entwicklung seien.

Ledidenschaftlich und mit lauter Stimme diskutierend - so kennt die Linux-Gemeinde den Amerikaner Greg Kroah-Hartman.

Ledidenschaftlich und mit lauter Stimme diskutierend – so kennt die Linux-Gemeinde den Amerikaner Greg Kroah-Hartman.

Ebenfalls bei Google+ schreibt Greg Kroah-Hartman, er stimme Matthew Garrett zwar zu, doch generell halte er die Definition (die er irgendwo aufgeschnappt habe), CLA stehe eher für Community Limiting Agreement für zutreffend. Kay Sievers gibt zu Bedenken, dass die CLAs auch ungewollte, positive Folgen haben können: “Ohne CLA würden wir immer noch an Upstart arbeiten, statt sinnvolle Sachen an Systemd zu erledigen, erklärt er sarkastisch.

Einen guten Überblick über CLAs gibt dieser Artikel von Simon Phipps.

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MrX
4 Jahre her
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