Zwei Interviews am Vorabend der jährlichen Partnerkonferenz Susecon berichten von aktuellen Zahlen, Entwicklungen und Neuigkeiten rund um die grüne Linux-Distribution und die Firma dahinter. Mit Suse-Chef Nils Brauckmann und Global-Marketing-Präsident Michael Miller plauderte Linux-Magazin-Redakteur Markus Feilner.
22 Prozent mehr Buchungen bei den Enterprise-Produkten, 26 Prozent bei SLES und sogar 140 Prozent mehr beim Suse Manager: Nils Brauckmann, President and General Manager ist stolz auf die positive Entwicklung, die die Nürnberger seit dem letzten Jahr auf den Weg gebracht haben. “So gut hatten wir das gar nicht erwartet”, erzählt er im Gespräch im Disney Coronado Resort in Disney World, Orlando, Florida. Und in der Tat: Noch bei der Susecon 2012 war der Linux-Distributor fremd in den USA, ein Video musste den potenziellen US-Kunden gar erst die richtige Aussprache des Firmennamens beibringen.
Doch die Strategie, auf dem amerikanischen Markt, traditionell Red Hats Domäne, zu wildern, scheint aufgegangen zu sein: Innerhalb von nur zwölf Monaten konnten die grünen Linuxer den US-Anteil des insgesamt deutlich gewachsenen Geschäfts (“Viel schneller als wir dachten”, Brauckmann) auf fast 47 Prozent ausbauen. Damit hat sich die Region North America (NA) in nur einem Jahr auf Platz eins der Suse-Regionen geschoben und die bisher führende EMEA verdrängt. Die liegt jetzt mit 37 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von der ebenfalls stark wachsenden Region APAC, die auch China beinhaltet. Von dem verspricht sich auch Vice President of Global Alliances and Marketing Michael Miller noch einiges: “China wird sicher noch einige andere Regionen überholen”, prophezeit er. “Seit sieben Jahren sind wir bei den Marktanteilen vorne, wir waren bei den ersten dabei, und haben gute Verbindungen mit Firmen wie Huawei, die uns auch als Türöffner gedient haben.
Ist Suse ein deutsches, amerikanisches oder europäisches Unternehmen?
Generell profitiert Suse weltweit von der internationalen Aufstellung der Firma: Als ursprünglich deutsches Unternehmen, das jetzt in amerikanischem Besitz sei, aber deutlich europäisch geprägt sei, könne man überall auf der Welt mit dem richtigen Hintergrund antreten, meint Brauckmann, und auch Miller nickt, wenn man ihn fragt, ob er der Spin Doctor sei, der quasi entscheide, ob man einen Kunden als deutsch, europäisch oder amerikanisches Unternehmen kontaktiere.Dabei lassen sich deutsche Qualitäten (die oft gelobte “Ingenieurskunst”) einsetzen, gleichzeitig kann die Company aber auch vermeintlichen Schwächen (“oft wird Deutschen ein Mangel an Kreativität nachgesagt”) ausweichen. Und auch weil die USA derzeit nicht überall auf der Welt beliebt seien, helfe der deutsch-europäische Hintergrund.
Zufriedene Chefs
Glaubt man den Chefs, dann ist die Firma auf einem guten Weg: Ein Teil der jüngsten IBM-Milliarde geht auch in Suse-Produkte, die auf Power getrimmt werden sollen, aber Suse will sich laut Brauckmann auch “weiter diversifizieren, weil das die Enterprise-Kunden erwarten”. Das Motto sei “Innovate where it matters to our Enterprise customers” – sinngemäß also: “Dort verbessern, wo die zahlende Kundschaft es erwartet.” Wohl auch deshalb ist da der Libre-Office-Support für Windows aus dem Portfolio herausgefallen – zu wenig Nachfrage, zu wenig Umsatz. Den übernimmt seit Kurzem Collabora, ebenso zahlreiche Entwickler, Suse wird aber alle bestehenden Verträge mit Kunden erfüllen und weiterhin Level-1 und -2-Support bieten.
Brauckmann fasst zusammen: “Was wir uns letztes Jahr vorgenommen haben, haben wir erfolgreich umgesetzt: Der Suse-Brand ist auch in den USA erfolgreich etabliert. 19000 aktive Kunden, das sind 27 Prozent mehr als letztes Jahr, das spricht für uns.”





