Absturz: Passagierflugzeuge lassen sich hacken mit SDR, freien Daten und OSS-Tools

Ungeschützter Datenupload über Funk? Der Sicherheitsexperte Hugo Teso zeigt in einem Blogpost, wie einfach Funkamateure auch ohne großes Computer-Know-how Passagierflugzeuge mit fehlerhaften Navigationsdaten versorgen können oder dabei die Software des Flight Management Sytems zum Absturz bringen können.

Software Defined Radio (SDR), frei verfügbare Daten, dazu ein unsicherer Übertragungsstandard zwischen Bodenstationen und den Passagierflugzeugen in der Luft: Das sind die Zutaten einer erstaunlichen Sicherheitslücke, die der Sicherheitsexperte Hugo Teso vom deutschen Security-Consulting-Unternehmen N.Runs Professionals AG in Oberursel nachgewiesen und im Blog der Firma veröffentlicht hat.

Wo die Flugzeuge gerade fliegen, ist bekannt - das ist auch weniger das Problem. (Quelle: nruns.com)

Wo die Flugzeuge gerade fliegen, ist bekannt – das ist auch weniger das Problem. (Quelle: nruns.com)

Daten sammeln, analysieren und kompromittieren

Remote ließen sich damit Teso zufolge die Flug-Management-Systeme (FMS) von Passagierflugzeugen in der Luft angreifen und potenziell auch Exploits hochladen, schreibt er in seinem Blog. Dazu geht der potenzielle Angreifer in drei Schritten vor: Zunächst sammelt er Daten über Flugzeuge, die als Angriffsziele dienen könnten, wobei ihm Dienste wie ADS-B (Automatic Dependent Surveillance-Broadcast) helfen, die die Positionsdaten der Flieger verbreiten und die dabei komplett auf jede Sicherheitsmechanismen verzichten. Deren Daten ließen sich mit Equipment für unter hundert Euro empfangen, Open-Source-Tools wie Virtual Radar Server helfen dabei.

FMS, ADS-B und ACARS

Im zweiten Schritt werden die Daten raffiniert und qualifiziert, wozu ACARS, das Aircraft Communications Addressing and Reporting System zum Einsatz kommt. Das System habe, so Teso, mittlerweile auch einen Datenkanal bekommen, über den auch die Bodenstationen Daten der Maschine abfragen aber auch Daten ans Flugzeug senden könnten — und über die sie die kompletten Flugmanagement-Systeme aktualisieren. Auch dafür steht mit Acarsd ein hilfreiches Open-Source-Tool bereit.

Dumm nur, dass sich (Stufe drei) ACARS auch von Unberechtigten missbrauchen lässt, um über Software-defined-Radio-Geräte Daten an die Flugzeuge in der Luft zu schicken. Kennt der Angreifer die eingesetzte Software in der Maschine und einen passenden Exploit, dann kann er unter Umständen vom Boden aus weite Teile des Flight Management System (FMS) übernehmen oder lahmlegen.

Aus einem Training eines FMS-Herstellers hat der N.Runs-Experte seine Testergebnisse. (Quelle: N.runs.com)

Aus einem Training eines FMS-Herstellers hat der N.Runs-Experte seine Testergebnisse. (Quelle: N.runs.com)

Mit Hilfe von Training-Software eines Herstellers von FMS hat sich Teso auf die Suche nach einem Exploit gemacht – und dabei in wenigen Schritten die Software zum Absturz gebracht – “Auch wenn das nicht heißt, dass man damit einen Exploit laden könnte, ist das doch ein gutes Beispiel für die Vorgehensweise und Schwächen im Code.”, schreibt Teso in seinem Blog.

Ein Absturz der Flight Management Software.(Quelle: N.runs.com)

Ein Absturz der Flight Management Software.(Quelle: N.runs.com)

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Tobias
8 Jahre her

Is nur die Frage wozu dient das flightmenagementsystem? Ist dieses zur Steuerung des Flugzeuges zuständig?

Florian
8 Jahre her

Im Intro werden Funkamateure erwähnt. Die haben mit der Thematik aber nichts zu tun! – Ein Funkamateuer ist eine Person, die sich aus rein privaten Gründen mit der Funkübertragung beschäftigt. Ein Senden auf Frequenzen außerhalb der zugewiesenen Frequenzen ist nicht erlaubt und Flugfunk befindet sich sicher außerhalb dieser Frequenzen!

Markus Feilner
8 Jahre her

@Tobias: Ja, so habe ich das verstanden.

kofferleben
8 Jahre her

Nein, das FMS steuert nicht ausschließlich das Flugzeug. Der Autopilot von Verkehrsflugzeugen kann entweder auf vom Piloten selektierte Werte (z.B. Geschwindigkeit, Flugrichtung in Grad, Höhe, u.a.) eingestellt werden, oder er fliegt ein vom FMS berechnetes Profil ab.Und ja, Daten können per ACARS ins FMS hochgeladen werden, die aber von den Piloten händisch bestätigt werden müssen. Klar, bei nem Exploit sieht das anders aus, aber die Piloten überwachen während des gesamten Fluges ja das Verhalten von FMS/Autopilot.Theoretisch ein schöner Artikel, nur leider etwas praxisfremd. (Zumal der Screenshot von dem Honeywell FMS ein anderes ist, wie bei den meisten Verkehrsflugzeugen eingesetzt wird…was… Mehr »

Redaktion Linux-Magazin Online
8 Jahre her

Zum Nachlesen: Die jüngsten Folien von Hugo Teso zum Thema sind online unter http://conference.hitb.org/… zu finden, der Server ist allerdings recht langsam.

Hallo
8 Jahre her

Es wird aller höchste Zeit den Piloten wieder mehr Rechte zu Ihrer Maschine zu geben. Des weiteren sind Bordrechner so zu Konfigurieren das der FlugzeugführerSie im Notfall abschalten kann um so die Maschine sicher händisch zu landen.Es kann nicht sein das Hacker (Terroristen) mit solchen Mittel hunderte von Menschenleben in der Hand haben.Daraus lernen wir das Piloten wieder mit der alten Fliegerkunst vertraut zu machen sind.

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