Seit 2002 gibt es den von der Unesco geprägten Begriff Open Educational Resources (OER). In Deutschland tauschten sich verschiedene OER-Akteure nun erstmals auf einer großen Konferenz aus.
Zu den Open Educational Resources zählen nicht nur freie Bildungsmaterialien unter offenen Lizenzen, etwa Arbeitsblätter oder Lehrbücher, die an Schulen und Universitäten zum Einsatz kommen. Auch zeitgenössische Lernkonzepte, die das Web und die neue Form von Wissensgesellschaft mitdenken, etwa Onlineseminare und Lernplattformen, gehören dazu.
Die erste große OER-Konferenz [1] in Deutschland, die am 14. und 15. September 2013 in Berlin stattfand, vernetzte nun jene Akteure, die sich mit freien Inhalten beschäftigen: politische Akteure, Lernforscher, Lehrer, aber auch Schulbuchverleger und Softwareentwickler.
Das Interesse war groß: Über 300 Teilnehmer diskutierten in Workshops und selbst organisierten Barcamps das Thema OER. Oft arbeiten sie, das kristallisierte sich schnell heraus, eher neben- als miteinander. Die Resonanz sei “umwerfend”, schwärmt Catrin Schoneville, Pressesprecherin bei Wikimedia Deutschland. Die Organisation hat die Veranstaltung, die unter Schirmherrschaft der Unesco steht, finanziert und wurde von einigen Partnern unterstützt.
Erste OERientierung
Während das Thema OER in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, schießen in den USA die MOOCs (Massive Open Online Course) wie Pilze aus dem Boden: Class2Go, Coursera, Ed X und einige mehr bieten kostenlose Onlinekurse zu diversen Themen an. Die dortige Open Education Conference geht zudem in die zehnte Runde.
In Deutschland gibt es erst seit 2013 eine nennenswerte Anzahl von MOOCs. Einer davon war das COER 13, die Erfahrungen mit dem MOOC stellte der Tübinger Wissenschaftler Markus Schmidt vor. Er zeigte ganz praktisch, wie sich solche Onlinekurse umsetzen lassen, wo es Material gibt, wie kommuniziert wird, was gut funktioniert und wo es noch Defizite gibt.
Etwas theoretischer wurde es bei den Forscherinnen Kerstin Mayrberger und Sandra Hofhues. Sie stellten Thesen zu OER in den Raum. Eine davon lautete etwa, die Lehrenden und Lernenden möchten offen sein, können aber nicht mit der Offenheit umgehen. Anwesende Lehrer sahen die Probleme eher bei der schlechten Ausstattung mit Hardware, fehlenden didaktischen Konzepten und einem generellen Defizit im Umgang mit Technik an den Schulen.
Unter einem Dach
Es war eines der Verdienste der Konferenz, Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven auf OER an einem Ort zu versammeln. Bislang verfolgen die Webseiten, Projekte und Organisationen verschiedene Strategien und Ansätze, klaffen Ideal und Praxis häufig weit auseinander.
Es sei eine typische Graswurzelbewegung, sagt Elly Köpf, Projektmanagerin bei Wikimedia. Sie hat die Veranstaltung zusammen mit einem Kollegen initiiert. Auch Catrin Schoneville erwartete noch keine konkreten Ergebnisse von der Konferenz. Es wäre ein Erfolg, wenn die so Vernetzten weiterhin zusammenarbeiten würden.
Lösungsorientiert
Trotz der offenen Probleme gab es auch Lichtblicke. Zu diesen gehörte beispielsweise ein recht junges Team aus München, das die Webseite Serlo.org [2] betreibt. Es entwickelt seine Wikipedia-artige Matheplattform, die bisher vor allem Schüler nutzen, in der Freizeit. Die Site lässt ahnen, wie die Zukunft von OER aussehen könnte: Die Inhalte sind übersichtlich aufbereitet, das Projekt lässt der Community freie Hand, einzelne Module finanziert man mitunter auch über Crowdfunding [3].
Infos
- Konferenzwebseite: http://www.wikimedia.de/wiki/OERde13
- OER-Seite Serlo.org: http://www.serlo.org
- Crowdfunding für Serlo.org: http://www.betterplace.org/en/projects/4011-finally-understand-math-with-serlo-org






