Volle Kraft voraus: OX-Summit 2013 in St. Pauli

Auf einem Frachtschiff im Hamburger Hafen versammelte die Open Xchange GmbH Partner, Entwickler und Kunden zum OX Summit 2013. Zur Keynote kam PGP-Legende Phil Zimmermann, abends ging es aufs Reeperbahn Festival.

Visionen in Zeiten von Prism und Co., aber Open Xchange als Einstieg in die eigene, sichere Wolke: unter diesem Motto stand der Open Xchange Summit 2013. Am 26. September trafen sich dazu an Bord des Museumsschiffes “Cap San Diego” gut dreihundert OX-Fans, -Anwender und -Entwickler.

Der Frachter Cap San Diego, Austragungsort des OX Summit 2013.

Der Frachter Cap San Diego, Austragungsort des OX Summit 2013.

Im Frachtraum

Tief unten im Bauch des Sechziger-Jahre-Frachters eröffnete OX-CEO Rafael Laguna die Vorträge mit einer multimedialen Einführung: Dem legendären Apple-Video aus dem Jahre 1984, in dem die amerikanische Firma vor IBMs Dominanz warnt, Orwellsche Züge an die Wand malt – und sich als Retter darstellte. Angesichts der jüngsten Entwicklungen um Prism und der geschlossenen, zensierenden Struktur der Apple-Angebote, so Laguna, würden viele Menschen dieses Video heute sicherlich anders interpretieren.

Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite, und fuhr dann fort, Open Xchange als Ausweg und zentrale Schnittstelle in der selbst kontrollierten Cloud (“Control your data!”) zu präsentieren. Daran wolle Open Xchange weiter arbeiten, zugleich plane man den weiteren Ausbau der OX App Suite mit den Web Documents und anderen Web-Office-Formaten.

Unter Deck auf der Cap San Diego.

Unter Deck auf der Cap San Diego.

Pretty Good Keynote

Die eigentliche Keynote hielt anschließend Crypto-Legende Phil Zimmermann, der Erfinder der Mailverschlüsselungssoftware PGP. Der hat mit seiner eigenen Firma Silent Circle kürzlich für Furore gesorgt, als er die “sicheren Maildienste” angesichts der Prism-Enthüllungen aus dem Angebot strich und alle E-Mails löschen ließ.

Phil Zimmermann bei seiner Keynote.

Phil Zimmermann bei seiner Keynote.

Das Publikum hatte viele Fragen an Zimmermann, der eine eindeutig Meinung vertrat: Eine alleswissende Regierung war mal unvorstellbar, sei aber immer noch eine Horrorvorstellung. Die NSA-Daten nennt er eine Datenbank des menschlichen Fehlverhaltens, Daten auf dem Server, in der Cloud zu speichern sei immer eine schlechte Idee. Man stelle sich mal vor, was jemand wie Putin mit diesen Daten anfangen könne, meint Zimmermann.

Sichtlich Spass hatte Zimmermann beim Beantworten der Fragen des Publikums.

Sichtlich Spass hatte Zimmermann beim Beantworten der Fragen des Publikums.

Auch Backdoors seien niemals zielführend, sie verhinderten jedwede Sicherheit. Die Deutschen wären aus historischen Gründen zwar noch sensibler für das Thema als amerikanische Bürger, aber auch die müssten früher oder später einsehen, dass über etwaige Backdoors irgendwann auch chinesische Hacker in die Systeme eindringen. Bringe man die Regierungen hingegen dazu, selbst die gleiche Software zu nutzen wie ihre Bürger, schütze das Sicherheitsbedürfnis letztendlich auch diese vor etwaigen Hintertüren.

Phil Zimmermann im Gespräch mit Linux-Magazin-Redakteur Markus Feilner.

Phil Zimmermann im Gespräch mit Linux-Magazin-Redakteur Markus Feilner.

Das Internet als Überwachungsinstrument

Besonders betroffen mache ihn die Tatsache, dass hier gerade “das offene und freie Internet benutzt wird, um uns alle auszuspähen”. Ohne sichere End-to-End-Verschlüsselung und sichere Datenspeicher gebe es keine sichere Kommunikation. Deshalb habe er beschlossen, die Mail-Dienste von Silent Circle einzustellen und sich voll auf die VoIP-Technologie zu konzentrieren. Die laufe auch auf Smartphones und erlaube es, für jeden Kommunikationsvorgang One-Time-Keys zu verwenden – so sei sie auch gegen die NSA gefeit.

OX-CEO Rafael Laguna bei seiner Keynote.

OX-CEO Rafael Laguna bei seiner Keynote.

Die vier Gebote der sicheren Wolke

OX-CEO Laguna stellte dann in seiner Keynote die vier Gebote für moderne, vertrauenswürdige Cloud-Dienste vor: Diese müssten Multi-Provider-fähig sein, auch über Landesgrenzen hinweg. Anwender müssten jederzeit in der Lage sein, ihre Daten herauszuholen und woanders abzulegen. Dafür brauche es geeignete Migrationstools, aber auch  (drittens) die Software des Dienstes selbst, damit auch paranoide User die Cloud im Eigenbetrieb managen könnten. Und viertens sei Laguna zufolge nur Software vertrauenswürdig, die im Quelltext vorliege. Closed-Source-Software sei nicht ausreichend überprüfbar.

Technik, Tracks, Diskussionen und Musik

Nach dem Mittagessen teilte sich der OX Summit in drei Tracks auf, in denen Techniker Features und neue Add-Ons oder Planungen für OX-Tools und -Implementierungen vorstellten. Den Abschluss am Abend machten zwei Diskussionsrunden – wiederum mit Phil Zimmermann und der CEO-Couch.

Auf Paletten: Rafael Laguna und Phil Zimmermann bei der Podiumsdiskussion.

Auf Paletten: Rafael Laguna und Phil Zimmermann bei der Podiumsdiskussion.

Wem die aus dem englischen Bath angereiste Band “Kill it Kid” mit sattem Rock und coolen Keyboard-Akkorden zu laut wurde, der konnte auf die nahe Reeperbahn ausweichen, wo auf zahlreichen Bühnen das Reeperbahn Festival tausende Besucher begeisterte. Der nächste OX-Summit wird im September 2014 in München stattfinden, wenige Tage vor dem Oktoberfest.

Kill it Kid rockt die OX-Gemeinde unter Deck.

Kill it Kid rockt die OX-Gemeinde unter Deck.

Text und Fotos: Markus Feilner

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