QCad ist ein freies CAD-Programm unter der GPL. Der Funktionsumfang ist zwar begrenzt, vor allem fehlen die 3D-Fähigkeiten, für ambitionierte Hobby-Konstrukteure und für die Ausbildung ist es trotzdem ein guter Einstieg in die CAD-Welt.
Professionelle CAD-Systeme sind oft nicht nur extrem teuer, sondern auch so kompliziert, dass sie ohne wiederum kostspielige Ausbildung kaum zu bedienen sind. Zudem bieten sie eine Funktionsvielfalt, die oft nur hoch spezialisierte Profis wirklich benötigen. QCad ist das genaue Gegenteil: ein 2D-CAD-Programm mit relativ wenigen, sinnvollen Funktionen und einem Blick fürs Wesentliche – und freie Software.
QCad liegt fast jeder Linux-Distribution bei, ist aber auch von[1] herunterzuladen. Da das Programm die portable Qt-Bibliothek benutzt, ist es auch auf Windows verfügbar, kostet dort aber Lizenzgebühren. RPM-Pakete für dynamisch gelinkte Bibliotheken sind verfügbar, natürlich auch der Quellcode. Aktuell ist Version ist 1.4.7, wer noch Qt 2.1 hat und die Neukompilierung scheut, sollte die Binaries von Version 1.4.4 installieren. Der Funktionsumfang ist nahezu gleich. Eine intensive Überarbeitung und der Sprung auf QCad II sind geplant.
Vom QCad-Autor Andreas Mustun ist zudem das – unter kommerzieller Lizenz stehende – Programm CAMExpert für derzeit 160 US-Dollar erhältlich. Es erweitert QCad im Wesentlichen um die Möglichkeit, NC-Programme für Computer Aided Manufacturing (CAM) zu erstellen. Es beherrscht Formate wie Gerber, G-Code oder HP/GL. QCad selbst hingegen liest und schreibt DXF-Files und exportiert zusätzlich EPS. Ein eigenes Format für QCad oder CAMExpert gibt es nicht.
CAD-Einsteiger haben mit QCad relativ leichtes Spiel. die Bedienung erschließt sich leicht, die Oberfläche orientiert sich an gewohnten Standards. Einzig die Maus verhält sich etwas anders, ein Klick auf die rechte Maustaste fördert kein Kontextmenü zu Tage, sondern schließt eine begonnene Zeichenoperation ab. Gewöhnungsbedürftig ist auch das Fehlen von Rollbalken. Als Ersatz dient das Pan-Zoom-Werkzeug.
Positiv hervorzuheben ist die Existenz eines brauchbaren User Manuals, leider bei freier Software nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Jedoch sind die einzelnen Punkte nicht so ausführlich beschrieben, wie es wünschenswert wäre; auch eine Suchfunktion innerhalb der Hilfe fehlt. Während der Arbeit erleichtern jedoch Tooltipps, auch als Sprechblasenhilfe bekannt, das Finden der Funktion, die sich hinter einem Icon verbirgt. QCad ist für zahlreiche Sprachen lokalisiert, darunter auch Japanisch. Das Handbuch liegt in Deutsch, Französisch und Englisch vor.
Das Programm enthält eine kleine Bibliothek mit einigen vorgefertigten Teilen wie Schrauben, Rahmen und einem kleinen Tux. Diese Library hat aber nur Alibifunktion, wer ernsthaft damit arbeiten will, muss sie durch selbst erstellte Zeichnungen – ganz normale DXF-Dateien – erweitern oder sich DXF-Dateien von Normteile-Herstellern besorgen und in den Bibliothekspfad einbinden.
Schichtwechsel
Wie bei allen modernen Zeichen- und Malprogrammen lassen sich mehrere Ebenen anlegen, oft Folien genannt. Grafiker legen gewöhnlich für jedes neue Objekt eine eigene Ebene an. Für Architekten und Ingenieure ist es hingegen sinnvoll, Ebenen funktional einzuteilen, etwa eine Ebene für die Umrisse, eine für Bemaßungen, für Rahmen, Texte, Hilfslinien und Ähnliches. Das empfiehlt sich auch deshalb, weil in QCad keine separaten Hilfslinien definiert sind.
Praktisch ist, dass für jeden Layer eine Linienfarbe vordefiniert werden kann. Ebenen lassen sich einzeln verbergen und wieder einblenden sowie komplett markieren und bearbeiten. Einzelne Elemente können von einer Ebene auf die andere verschoben werden.
Maßarbeit
Die Bemaßungsfunktionen lassen kaum Wünsche offen. Die Einheiten reichen von Nanometer bis Lichtjahr, erlauben also sogar die Konstruktion kleinerer Galaxien. ;-) Durchmesser, Radius- und Winkel können genauso mit Maßen versehen werden wie imaginäre Abstände, beispielsweise zwischen den Mittelpunkten zweier Bohrungen. Auch in größeren CAD-Paketen ist es nicht immer eine Selbstverständlichkeit: Die Bemaßungen passen sich automatisch an, wenn an der Zeichnung Veränderungen vorgenommen werden.
Obwohl QCad kein parametrisiertes CAD-Programm ist, erlaubt es dennoch geschlossene Formen zu strecken, zu stauchen oder zu verzerren. Um bei diesen Aktionen tatsächlich das gewünschter Ergebnis zu erhalten, ist es allerdings zunächst erforderlich, den so genannten Referenzpunkt der Operation sehr sorgfältig auszuwählen.
Bei allen Operationen, ob beim Zeichnen oder Editieren von Formen, ist die Vielzahl der unterstützten Fangpunkte sehr hilfreich. Der Cursor rastet dann automatisch an Schnittpunkten von Objekten, Mittelpunkten oder ähnlich prominenten Stellen ein. Sehr praktisch ist: Der Fang-Modus kann auch während des Markierens der auszuwählenden Objekte geändert werden.
Import-Export-Geschäft
Da der QCad-Autor auf das Erfinden eines eigenen Formats keine Aufmerksamkeit verschwendete, kann man offenbar davon ausgehen, dass das portable DXF-Format hinreichend gut unterstützt wird. Das ist in der Tat der Fall. Eine 1,2 MByte große Real-Life-Beispieldatei aus einem Architekturbüro verursachte nur geringfügige Probleme: Die Umlaute in manchen Fonts fehlten und das ganze Projekt, der Grundriss eines sehr weitläufiges Gebäudekomplexes, wurde anfangs nur in Briefmarkengröße skaliert. Jedoch blieben alle wichtigen Informationen erhalten, einschließlich der etwa zehn vorhandenen Ebenen und ihrer Bezeichnungen.
Wirklich schade war nur, dass sich die Bemaßungen nicht – wie es bei der Arbeit in QCad selbst ja geschieht – dynamisch an Änderungen anpassten. Das scheint jedoch mehr ein Problem des Programms zu sein, aus dem die Daten exportiert wurde. Bei Importen direkt aus Autocad oder anderen Programmen werden die Bemaßungen nämlich nachgeführt, selbst dann, wenn sie auf anderen Ebenen liegen.
Was fehlt
95 Prozent des QCad-Codes stammen vom Hauptautor Andreas Mustun, der damit zweifellos Beachtliches geleistet hat. So ist es auch verzeihlich, dass einige Funktionen noch fehlen. Die Konstruktion von Ellipsen wird beispielsweise noch nicht unterstützt. Hier muss man sich vorerst mit durch Stütz-Punkte definierten Bögen helfen oder Kreise stauchen und strecken. Schmerzlich vermisst wird auch die Option, nicht zusammenhängende Elemente beliebig zu gruppieren. Auch die Export-Möglichkeiten sind sehr knapp. Außer DXF und EPS kann QCad kein Dateiformat ausgeben, vor allem eine HPGL-Ausgabe wäre wünschenswert. Alle diese Punkte stehen jedoch auf der To-do-Liste von Andreas Mustun ganz oben.
Fazit
3D-Entwürfe sind Gewöhnungssache und erfordern ein ganz anderes Herangehen an die Planung. Wer hingegen direkt von Zeichenbrett oder von vektorbasierten Zeichenprogrammen auf CAD umsteigt, erhält mit QCad eine kostenlose Entwurfsumgebung, die bereits die meisten Wünsche befriedigt. Das Programm läuft außerdem extrem stabil, hinreichend schnell und kommt auch mit größeren Dateien aus Fremdprogrammen gut zurecht.
Auf den ersten Blick ist der offensichtliche Mangel an Teile-Bibliotheken der größte Nachteil. Da aber viele Hersteller von Normteilen wie Schrauben, Profilen und Ähnlichem DXF-Dateien ihrer Produkte zur Verfügung stellen, relativiert sich das Problem schon etwas. Weil das Programm konsequent auf zwei Dimensionen beschränkt ist, bietet es wenig Hilfe bei der Erstellung verschiedener Ansichten eines Objekts.
Mit dem Methoden eines Konstrukteurs oder technischen Zeichners muss der Anwender also schon vertraut sein, wenn er komplexe Projekte mit QCad realisieren möchte. Die intuitive und schnell erlernbare Bedienung erlaubt es ihm dann aber auch, sich voll auf die Konstruktionsaufgabe zu konzentrieren. Verschüttet geglaubte technische Zeichenkenntnisse aus Lehre oder Schulunterricht werden dabei ganz von selbst wieder aktiviert.
Infos |
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[1] Homepage von QCad und CAMExpert: [http://www.ribbonsoft.com] |







