Aus Linux-Magazin 10/2007

Klischees in und außerhalb der Open-Source-Welt

Sprüche klopfen tut manchmal gut. Aber eben nicht immer: Spätestens wenn sich verbreitete Ansichten und Urteile zu von der Realität abgekoppelten Klischees verselbstständigen, verwandeln sie sich in Bremsen für den Fortschritt. Dies gilt auch für die Welt der freien Software.

Inhalt

62 | Bitparade: Spellchecker im Test Kompetenter Rat bei allen Rechtschreibfragen?

66 | Gnucash im Unternehmenseinsatz Digitale Finanzbuchhaltung ohne Aktenschrank.

70 | Projekteküche Mozilla und die Community: Freie Software und Gewinnstreben Hand in Hand?

74 | Tooltipps Nützliche Tools, um Verzeichnisse zu synchronisieren, PPP-Datenvolumina zu überwachen und für viele andere Jobs.

Bei Klischees handelt es sich um Ansichten, die entweder gar nicht stimmen oder wenigsten stark übertrieben sind. Auch das freie Betriebssystem Linux schleppt eine Menge solcher vorgefertigen Urteile mit sich herum: Der Linux-User (grundsätzlich männlich) gilt als langhaarig, unangepasst und beim weiblichen Geschlecht nicht sonderlich erfolgreich. Linux, heißt es, sei unverhältnismäßig schwer zu bedienen. Zwar ist es kostenlos, wer es einsetzt, solle aber von geregelter Arbeit und sozialen Beziehungen absehen.

Solche Ansichten als bloße Klischees von Menschen zu bezeichnen, die Linux nie auf dem Bildschirm gesehen haben, dürfte unter Linux-Magazin-Lesern wohl Zustimmung finden. Als Umgang damit bietet sich für alle, die ihre Berufung nicht in missionarischem Wirken sehen, die Weiterleitung nach »/dev/null« an.

Fundierte Urteile?

Doch auch im Kreise der gut informierten Linux-Insider selbst tauchen bestimmte Ansichten, Urteile und Festlegungen immer wieder auf: Linux kranke an schlechter Hardware-Unterstützung. Linux ist stabil. Linux ist schlecht dokumentiert. Linux ist gut, proprietäre Software ist böse. Sind dies nun bloße Klischees oder treffen die angeführten Sätze irgendwie doch zu? Abgesehen davon, dass zugespitzte Aussagen die Wirklichkeit nie voll erfassen: Zu realitätsnahen Einschätzungen führt nur eine Beobachtung ohne vorherige Festlegungen.

Medias in Res

Ein guter Einstieg hierfür kann die folgende Rubrik “Software” sein, die viele Linux-typische Knackpunkte thematisiert Mozilla gilt als Bollwerk gegen Microsofts Marktmacht, der Internet Explorer als der Böse, der die freien Standards des W3C nicht übernehmen mag. Microsoft möchte, so denken viele, die Hoheit über die Standards im Internet an sich reißen. Klischee oder faire Einschätzung? Aber auch bei Mozilla gibt es Spannungen zwischen der Foundation und der Community. Das Verhalten der Foundation ist nach Meinung mancher Beobachter nicht ganz frei vom Ruch diktatorischer Entscheidungen. Die Projekteküche ab Seite 70 verrät mehr.

Im Artikel über die freie Finanzsoftware Gnucash ab Seite 66 geht es ebenso um offenliegende Standards. Hier sind es die Kartenleser und Schlüsselkarten, die das Vergnügen am Buchen vom PC aus trüben. Grund dafür ist mangelnde freie Standardisierung. Zwar liegt das Sicherheitsprotokoll HBCI selbst offen, schließt aber die Authentifizierung über Sicherheitskarten nicht ein.

Die Folge ist, dass sich proprietäre Lösungen verbreitet haben, die Open-Source-Entwickler nicht oder nur schwer einbinden können. Wie und unter welchen Bedingungen es unter Linux dennoch mit der digitalen Finanzbuchhaltung klappt, zeigt der Artikel.

Brot und Wasser

Ein anderes Defizit bei freier Software fördert die Bitparade ab Seite 62 zu Tage. Die dort vorgestellte Rechtschreibsoftware krankt nicht in erster Linie an unzureichender Programmierung. Vielmehr ist es der Umfang der Wortlisten, der zu einem Wettbewerbsnachteil des auf Hunspell setztenden freien Open Office gegenüber kommerzieller Konkurrenz führt. Erst der kostenpflichtige Duden-Korrektor sorgt dafür, dass die Textverarbeitung den Anwender ähnlich selten mit richtigen, der Rechtschreibprüfung aber unbekannten Wörtern behelligt wie bei Microsoft Word.

Im Falle der Rechtschreibprüfungen gebührt der schwarze Peter am ehesten den Forschungseinrichtungen im Lande. Wären Aufbereitung und Integration eines umfangreichen Wortkorpus in eine freie Rechtschreibsoftware nicht ein Thema für eine Computer-linguistische Diplomarbeit oder ein Forschungsprojekt?

Bestens versorgt

One Job, one Tool – darum geht es in den Tooltipps ab Seite 74: Wer zum Beispiel Verzeichnisse synchronisieren, das Volumen seines Netzwerkverkehrs über PPP oder die Last seiner Server im Auge behalten oder Dateiduplikate finden möchte, der findet dort das geeignete Handwerkszeug. An handlichen Tools herrscht unter Linux anders als unter Windows kein Mangel – dank des GNU-Projekts und vieler Freizeit-Programmierer definitiv eine Stärke von Linux.

LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben