Die Geschichte von Maemo oder später Meego ist noch nicht zu Ende erzählt: Nachdem sich der wankende Handyhersteller Nokia mit dem ebenfalls auf dem Smartphone-Markt nicht allzu erfolgreichem Softwareriesen Microsoft verbündete, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Finnen auch ihre mobile Linux-Strategie fallen lassen würden. Nach den Entlassungen rund um die Meltemi-Plattform vor wenigen Tagen sorgen jetzt einige Ex-Nokia-Mitarbeiter für Furore: Meego soll weiterleben, die Firma Jolla Ltd soll schon Ende des Jahres ein Smartphone mit einem echten Linux auf den Markt bringen.
Nur ein akutelles Smartphone läuft derzeit mit Meego: Das N9 von Nokia, eine Art Nachfolger des legendären N 900. Gleichwohl hat die Linux-Plattform für mobile Geräte eine hartnäckige und begeisterungsfähige Anhängerschaft, die immer wieder beteuerte, man stünde “kurz vor der Fertigstellung” des mobilen OS. Warum der finnische Konzern trotzdem kürzlich die Bremse einlegte, ist immer wieder Anlass für wilde Spekulationen in der Community. Unbestätigten Gerüchten zufolge habe Nokia unterzeichnet, kein Linux-Smartphone mehr zu veröffentlicht, heißt es da beispielsweise.
Meltemi, Meego, Linux: Nicht mehr mit Nokia!
Doch eine strategische Entscheidung gegen Linux (wie auch Android) erscheint plausibel: Immerhin haben die Finnen einen lukrativen Vertrag mit Microsoft unterzeichnet und die Redmonder bringen ihr Windows Phone 8 noch in diesem Jahr auf den Markt – und brauchen einen Hardware-Hersteller. Vor wenigen Tagen hatte das Nokia-Management um Ex-Microsoftler Stephen Elop das Mobile-QT-Projekt Meltemi gestoppt, just als dessen Entwickler bekannt gaben, die größten Hürden seien überwunden, und dann mehrere tausend Arbeitsplätze gestrichen.
Jolla: Bitte mit Linux!
Jetzt treten einige der markantesten Persönlichkeiten der Maemo/Meego-Entwickler (Antti Saarnio, Jussi Hurmola, Sami Pienimäki, Stefano Mosconi und Mr. Marc Dillon) mit einer eigenen Firma an, um das zu vollenden, was nach Meinung vieler in der Community Nokia stets nur halbherzig betrieben habe: Ein echtes Linux-Smartphone mit Paketmanagement, Kommandozeile, Qt- und X11- Kompatibilität sowie umfangreichen und sicheren Features zu entwickeln. Ende des Jahres soll es bereits eine erste Version geben, die sich dann mit Konkurrenten wie dem von unter anderem Intel vorangetriebenen Tizen (ebenfalls ein Nachfolger von Meego), Firefox OS (das Smartphone-Betriebssystem der Mozilla Foundation, vorher Boot2Gecko genannt) und dem neuen Windows Phone auseinander setzen muss.
“Zusammen mit internationalen privaten Investoren und Partnern werden wir noch in diesem Jahr ein neues Smartphone präsentieren, das dieses OS verwendet.” lautet das Versprechen in der offiziellen Pressemitteilung. Ansonsten ist über Jolla noch recht wenig bekannt, die Webseite ist noch leer, eine LinkedIn-Gruppe ebenfalls noch wenig aussagekräftig.


