
Abbildung 1: Die tanzenden Nao-Roboter von Aldebaran Robotics zeigten zum Auftakt der Veranstaltung, dass Linux Spaß macht.
Der Linuxtag ist für die Freunde freier Software im deutschsprachigen Raum ein Pflichttermin. Dies bestätigte sich im Mai 2012 mit einem bunten Programm. Mit dem Etablieren neuer Attraktionen tat sich der traditionelle Open-Source-Treff aber schwer.
Mit gelenkig tanzenden Robotern begann der 18. Linuxtag am 23. Mai in Berlin. Auch auf den Maschinen der französischen Firma Aldebaran Robotics läuft – wen wundert’s – Linux (Abbildung 1). Anlass zur Freude gab es für Martin Schobert, der anschließend den Absolventenpreis des deutschen Softwareherstellers Univention für seine Abschlussarbeit bekam. Für seine Diplomarbeit “Softwaregestütztes Reverse-Engineering von Logik-Gattern in integrierten Schaltkreisen” erhielt er den mit 2500 Euro dotierten ersten Preis.

Abbildung 1: Die tanzenden Nao-Roboter von Aldebaran Robotics zeigten zum Auftakt der Veranstaltung, dass Linux Spaß macht.
Rund 200 Vorträge sowie 120 Firmen und Projekte in der Ausstellung gestalteten die vier Veranstaltungstage. In den Messehallen mischten sich Neuheiten wie die Stofftiere von Stricktux.de oder das Präsentationssystem Open Slides mit Stammgästen wie Open Suse und Fedora. Als Urgestein darf man getrost die Typografie-Liebhaber vom Tex-Anwenderverein Dante sowie die Forth Gesellschaft bezeichnen, die auch dieses Jahr zeigte, wie man in wenigen KByte Mikrocontroller programmiert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Klassiker: Die Forth Gesellschaft zeigt seit Jahren an kleinen Maschinen, wie man effizient Controller programmiert.
Cloud und SSD
Das Vortragsprogramm behandelte aktuelle Themen wie Cloud Computing mit Open Stack Essex oder das Caching mittels SSDs. Manche der Vorträge, etwa zu den No-SQL-Datenbanken Mongo DB und Couch DB, blieben leider im Grundwissen stecken. Andere, etwa der Beitrag von Markus Zapke-Gründemann über das Python-Framework Django, packten erstaunlich viel Know-how in die beschränkte Sprechzeit.
Über das Verhältnis von freier Software und Politik diskutierten Parteienvertreter, der Netzaktivist Markus Beckedahl und der Linux-Magazin-Redakteur Markus Feilner. So gut wie alle möchten Open Source fördern, haben damit aber keinen leichten Stand in ihren Fraktionen.
Der Glibc-Maintainer Ulrich Drepper sagte in seiner Keynote dem Locking den Kampf an: Hardware Lock Elison (HLE) und Transactional Memory sollen dafür sorgen, dass die vielen Kerne moderner Computer nicht aufeinander warten, sondern arbeiten. Thematisch nicht neu, dafür aber humorvoll und praxisnah fiel die Sitzung mit Harald König zum Tracing mit dem Tool Strace aus. Er demonstrierte auf seinem Xterm Linux-Interna zum Anfassen.
Daneben gab es etliche Programmpunkte, die längst zur Linuxtag-Tradition gehören: den Hacking-Contest in der Open-Source-Arena und das Kernel-Kwestioning mit bekannten deutschen Kernelhackern wie Wolfram Sang und Alexander Graf.
Neue Impulse versuchte das Rootcamp zu setzen, das im Rahmen des Linuxtags stattfand. Als zeitgemäße Unconference oder Barcamp lud es Linux-Admins dazu ein, selbst ein Workshop-Programm auf die Beine zu stellen. Die rund 30 Besucher verteilten sich am Linuxtag-Samstag auf mehrere Programmpunkte und ließen die Sitzungsräume damit recht leer aussehen.
Gefühlssache
Obwohl die Veranstalter mit über 12000 Personen eine um 10 Prozent gestiegene Besucherzahl meldeten, zeigten sich viele Aussteller und Besucher nicht so begeistert: Bescheiden besuchte Vorträge und viel Platz in den Gängen der Ausstellungshallen hinterließen eher den Eindruck einer kleinen Flaute. Unverdrossen tagt der Linuxtag auch 2013 wieder in Berlin, und auch das Rootcamp soll eine neue Chance bekommen.





