
Abbildung 1: Zum Document Freedom Day 2010 gab es weltweit Torten, oben die Wiener Variante. Unter ihrer Fahne vereint die Free Software Foundation Anhänger freier Software weltweit. 2008 zeichnete die FSFE das Auswärtige Amt in Berlin für seinen vorbildlichen Linux-Kurs aus.
Seit genau zehn Jahren kämpft der europäische Ableger der wichtigsten Institution für freie Software gegen Patente, Monopole und den Lobbyismus der Hersteller proprietärer Software wie Microsoft, aber auch gegen uneinsichtige Behörden, beispielsweise die EU-Kommission. Ein Lagebericht.

Abbildung 1: Zum Document Freedom Day 2010 gab es weltweit Torten, oben die Wiener Variante. Unter ihrer Fahne vereint die Free Software Foundation Anhänger freier Software weltweit. 2008 zeichnete die FSFE das Auswärtige Amt in Berlin für seinen vorbildlichen Linux-Kurs aus.
Bereits 1985 gründete Richard Stallman die Free Software Foundation. Sein Ziel war es, Ressourcen zu bündeln und freie Software zu fördern. Flossen die gesammelten Spenden anfangs noch überwiegend an freie Entwickler, stehen heute die Lobbyarbeit und der Kampf mit Institutionen und Konzernen im Vordergrund.
Im März 2001 gründeten Aktivisten einen europäischen Ableger (Abbildungen 1 und 2, [1]). Angeführt von prominenten Open-Source-Evangelisten wie Georg Greve [2] sowie Karsten Gerloff und ausgezeichnet durch die Theodor-Heuss-Medaille [3] für vorbildliches demokratisches Verhalten, kann die europäische Dependance auf einige Erfolge zurückblicken.
EU vs. Microsoft
In dem Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Microsoft zum Beispiel trat die FSFE für die Interessen freier Software ein und holte sich das Samba-Projekt als Sachverständigen hinzu. Microsoft verlor nach langen Prozessen 2007 in allen Instanzen und musste schließlich eine nie dagewesene Rekordstrafe von knapp 900 Millionen Euro zahlen [4].
Werbung für unfreie Software ist überall, auch auf vielen Webseiten des öffentlichen Sektors zu finden. Die fordert Nutzer meist auf, sich mit Adobes Reader ein proprietäres Programm herunterzuladen, um PDF-Dateien zu öffnen – dabei ist das Portable Document Format ein offener Standard [5] und die Dateien lassen sich auch mit vielen freien Programmen öffnen. Solche kostenlose Werbung, die in anderen Fällen inakzeptabel wäre, ist bei Software verbreitete Praxis.
Freiwillige der FSFE bauten in der Folge die Seite Pdfreaders.org [6] auf und katalogisierten dort freie PDF-Programme. Während des 2. Halbjahrs 2010 meldeten Anwender über 2000 Seiten weltweit, die ungewollt für proprietäre Software werben. Zusammen mit vielen Unterstützern schrieb die FSFE die entsprechenden Organisationen an und erreichte, dass Hunderte von ihnen die Werbung durch neutrale Verweise ersetzten.
Offene Standards
“Offene Standards sind eine wichtige Basis für freie Software. Sie erlauben es den Nutzern, sich jederzeit frei für die Software ihrer Wahl zu entscheiden. Sie durchbrechen das Vendor-Lock-in proprietärer Formate und ermöglichen erst einen wirklich freien Wettbewerb”, erklärt FSFE-Präsident Gerloff dem Linux-Magazin. “So profitieren mehr Nutzer von freier Software.” Offene Standards sind eine Konstante in den Themen der politischen Arbeit der FSFE. Die Organisation setzt sich für ODF und gegen den Microsoft-Standard OOXML ein, der bis heute nicht umgesetzt ist [7].
Kaufentscheidungen des öffentlichen Sektors spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des Softwaremarkts. Bei der Überarbeitung des European Interoperability Framework (2007-2010) waren offene Standards deshalb ein Schlüsselthema [8].
In einer Lobbyschlacht “von epischem Ausmaß” (Gerloff) konnte die FSFE verhindern, dass sich die proprietären Interessen durchsetzten. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der den europäischen Staaten alle Möglichkeiten offen lässt, sich auf nationaler Ebene für offene Standards und freie Software zu entscheiden. Öffentliche Ausschreibungen verwenden allzu oft Produktnamen statt Standards.
Die FSFE setzt sich dafür ein, die Ausschreibungspraxis im öffentlichen Sektor zu verbessern und damit die Möglichkeiten für freie Software zu erweitern. Erwartungsgemäß führte das Anfang Dezember 2010 zu einer Konfrontation mit der EU-Kommission, wohl nicht zum letzten Mal [9].
Document Freedom Day
Mit der jährlichen Document-Freedom-Day-Kampagne (Abbildung 3) hilft die FSFE seit 2008 Aktivisten in aller Welt dabei, Aufmerksamkeit für offene Standards und freie Software zu schaffen [10]. Im Jahr 2008 erhielt das Auswärtige Amt den DFD-Preis für seinen beispielhaften Einsatz offener Standards und freier Software. Auch die weiteren Entwicklungen im AA, insbesondere den Rückfall in die proprietäre Welt, beobachtet die FSFE kritisch [11].

Abbildung 3: Ausgezeichnet für die Verwendung offener Standards: 2010 bekam das Deutschlandradio für seine Ogg-Strategie den DFD-Preis.
Infos
- FSFE: http://www.fsfe.org
- Theodor-Heuss-Stiftung:http://www.theodor-heuss-stiftung.de
- Hohe Auszeichnung für Georg Greve: https://www.linux-magazin.de/NEWS/FSFE-Gruender-Georg-Greve-erhaelt-Bundesverdienstkreuz
- Microsoft gegen die EU: http://fsfe.org/projects/ms-vs-eu/ms-vs-eu.en.html
- PDF-Reader-Kampagne: http://www.fsfe.org/campaigns/pdfreaders/
- PDF-Readers.org: http://pdfreaders.org
- Open Standards: http://fsfe.org/projects/os/os.en.html
- European Interoperability Framework: http://fsfe.org/projects/os/eifv2.en.html
- FSFE gegen EU-Kommission:http://www.fsfe.org/projects/eu/freedomtocompete.en.html
- Document Freedom Day 2011: http://documentfreedom.org/2011/
- Linux verschwindet aus dem Auswärtigen Amt: http://fsfe.org/news/2011/news-20110202-02.de.html






