Aus Linux-Magazin 01/2011

Open Suse Conference 2010 in Nürnberg

Vor den Toren der alten Reichsstadt Nürnberg trafen sich internationale Linux-Entwickler verschiedener Distributionen und diskutierten über Kollaboration, Interoperabilität, Motivation, eine mögliche Abspaltung Suses von Novell, den Problemfall Oracle und neue Features der kommenden Versionen.

Fränkischer Knoblauch, Tabak und Meerrettich waren einst weltberühmt und trugen einen erheblichen Teil zur Versorgung der mittelalterlichen Metropole Nürnberg bei. Auch heute noch finden sich zahlreiche Felder und Plantagen zwischen Fürth und Erlangen, sogar ein wohl einzigartiges Meerrettich-Museum zeugt noch von der Geschichte des Knoblauchslands [1].

Auch das Berufsförderungswerk Nürnberg hat hier seinen Sitz, und so trafen sich dort Ende Oktober die wichtigsten Suse-Entwickler zur Open Suse Conference 2010.

Kollaborateure

Eingeladen hatte das Nürnberger Softwarehaus, dieses Mal unter dem Motto Interoperabilität und Kollaboration. Dem Ruf folgten auch prominente Entwickler der vermeintlichen Konkurrenz von Debian, Ubuntu, Fedora, Red Hat und Mageia – sowohl als Besucher als auch mit vielbeachteten Vorträgen [2]. Suses Plan ging auf und gipfelte in einer gemeinsamen Keynote von Cornelius Schumacher (KDE) und Vincent Utz (Gnome) über die Zukunft des Linux-Desktops (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gemeinsame Keynote zum Status und zur Zukunft des Linux-Desktops: Cornelius Schumacher (links, KDE) und Vincent Utz (Gnome).

Abbildung 1: Gemeinsame Keynote zum Status und zur Zukunft des Linux-Desktops: Cornelius Schumacher (links, KDE) und Vincent Utz (Gnome).

Open-Suse-Bier

In weiteren Vorträgen gab es viel Neues über die kommenden Suse-Versionen, Projekte wie Smeegol ([3], Abbildung 2) oder Bretzn (siehe Kasten auf Seite 54).

Abbildung 2: Smeegol ist ein Open Suse mit Meego-Desktop. Im Bild Yast unter dem Meego-Panel auf einem Eee-PC.

Abbildung 2: Smeegol ist ein Open Suse mit Meego-Desktop. Im Bild Yast unter dem Meego-Panel auf einem Eee-PC.

Mit 290 Besuchern waren zur Konferenz dann auch gut ein Drittel mehr Teilnehmer gekommen als noch vor einem Jahr. Einen guten Eindruck von der lockeren Atmosphäre geben diverse Blogs und Foren ([4], [5]). Abends traf man sich im Suse-Hauptquartier in der Maxfeldstraße in der Lizard Lounge beim fränkischen Open Suse Bräu (Abbildung 3, siehe auch die Rückseite des diesem Magazin beiliegenden Kalenders).

Abbildung 3: Ein Open Suse Bräu nach dem Bretzn-Vortrag gefällig? Die Abendveranstaltungen erwiesen sich als durchaus fränkisch geprägt.

Abbildung 3: Ein Open Suse Bräu nach dem Bretzn-Vortrag gefällig? Die Abendveranstaltungen erwiesen sich als durchaus fränkisch geprägt.

Dazu gab es Spekulationen über den vermutlich anstehenden Suse-Verkauf oder Details über Oracles Probleme mit Open-Source-Gemeinden. In der Suse-Community scheint eine sehr optimistische Aufbruchstimmung zu herrschen, vor allem angesichts des bevorstehenden Abschieds von Novell. Zwar lautet derzeit sowohl bei Suse-Verantwortlichen als auch in Utah die Standardantwort auf Fragen rund um den Deal immer ähnlich: “Tut mir leid, da weiß ich überhaupt nichts, und wenn, dann dürfte ich es sicherlich nicht sagen”, doch eins scheint klar: Streit wird es wohl nicht geben.

Novell-Community

Wohl auch um das zu zeigen, entsandte Novell hohe Verantwortliche nach Nürnberg, etwa den Direktor für Product Management, Gerald Pfeifer (Abbildung 4). Der stellte in seiner Keynote auch noch einmal klar, dass Novell und Open Suse kein ungleiches Paar seien. “Die ,Community’ und ,die Novell-Leute’, diesen Gegensatz gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Die meisten, die sich bei Novell mit Linux beschäftigen, sind schon lange integrierter Bestandteil der Community”, erklärte er. Gleichzeitig unterstütze Novell auch die Idee einer Open Suse Foundation.

Get your Ass up!

Nicht nur bei Henne Vogelsangs energischer Keynote (“Get your Ass up!”) stand bei Suse die Motivation der Suse-Mitwirkenden im Vordergrund. Zu viele fruchtlose Diskussionen habe es zuletzt gegeben.

Auch der neue Community-Manager Jos Poortvliet (Abbildung 4) betitelte seine Keynote mit “Strategy Sucks!” nach einem schier endlosen Thread über die richtige strategische Ausrichtung der Open-Suse-Community. Mehrere Monate hatte die Debatte gedauert und das, was er zu präsentieren habe, sei der “aktuelle, kleinste gemeinsame Nenner, ein Destillat”, so Poortvliet. Die immer noch knapp zehn Zeilen lange Strategiedefinition reicht vom Anwender bis zum fortgeschrittenen Entwickler, umfasst eine stabile und komfortable Umgebung und räumt Werten wie der Wahlfreiheit und einfacher Konfiguration hohen Stellenwert ein.

Über die richtige Motivation konnte sich dagegen Florian Effenberger (Abbildung 4) nicht beklagen. Sein aus Oracles Verbund ausgeschertes Libre-Office-Projekt kann mit stetig wachsenden Mitgliederzahlen und großer Unterstützung seitens der Distributoren aufwarten. Kein Wunder, dass sein Vortrag gut besucht war, immerhin war es der erste öffentliche Auftritt eines Projektverantwortlichen unter der Libre-Office-Flagge.

Abbildung 4: Linux-Prominenz auf der Open-Suse-Konferenz (von links nach rechts): Gerald Pfeifer, Director Product Management bei Novell, Open Suses Community-Manager Jos Poortvliet, Florian Effenberger von Libre Office, Oxygen-Designer Nuno Piñeiro und Debian-Entwickler Gerfried Fuchs alias Rhonda.

Abbildung 4: Linux-Prominenz auf der Open-Suse-Konferenz (von links nach rechts): Gerald Pfeifer, Director Product Management bei Novell, Open Suses Community-Manager Jos Poortvliet, Florian Effenberger von Libre Office, Oxygen-Designer Nuno Piñeiro und Debian-Entwickler Gerfried Fuchs alias Rhonda.

Zudem gab es für die OSC-Teilnehmer auch Neues über Clouds (Alice), Hardwaretreiber (Abbildung 5) und Suses Planungen bezüglich der für März nächsten Jahres angekündigten Version 11.4. Die soll zum Beispiel KDE 4.6, Systemd [6] (das sei schneller als Upstart) und vielleicht auch das von Red Hats Harald Hoyer vorgestellte Dracut [7] (statt Mkinitrd) enthalten.

Abbildung 5: Im Zeichen der Interoperabilität standen mehrere Vorträge. Hier referiert Egbert Eich über neue Paradigmen im Grafiktreiber-Stack

Abbildung 5: Im Zeichen der Interoperabilität standen mehrere Vorträge. Hier referiert Egbert Eich über neue Paradigmen im Grafiktreiber-Stack

Buildservice

Auch ein Thema: Suses Open Build Service. Mit dem Einzug von Meego in den OBS hat sich jüngst eine bedeutende Plattformerweiterung vollzogen, die auch der Medien- und Automobilindustrie nicht verborgen blieb. Dass sich der OBS auch für externe Softwarequellen geöffnet hat, macht ihn nicht nur für große Projekte wie KDE oder Gnome interessant. Auch der Mandriva-Nachfolger Mageia nutzt den Dienst und es gibt bereits experimentelle Builds für Windows-Software.

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