Aus Linux-Magazin 10/2006

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Linux-Benutzern hilft der Editor Esperantilo beim Schreiben in dieser Weltsprache. Pinot sucht vom Desktop aus im Web, Kleansweep nach nicht mehr benötigten Dateien. Wer sich bei Kompressionsalgorithmen auskennt, kann 50000 Euro gewinnen und sich damit viele Portionen Garnelen leisten.

Eine gemeinsame Sprache für die Welt würde viele Probleme aus dem Weg schaffen. Diese Ansicht vertreten die Anhänger von Esperanto [1]. Dabei handelt es sich um eine 1887 von Ludwik Lejzer Zamenhof veröffentlichte Plansprache, die als Ergänzung zu den natürlichen Sprachen die Kommunikation weltweit vereinfachen soll.

Sprache unter freier Lizenz

Bis heute erfreut sich die Sprache einer treuen Anhängerschaft. Dass die sich häufig mit der Linux-Gemeinde überschneidet, ist kein Zufall: Neben dem kosmopolitischen Anspruch einer weltweiten Interessengemeinschaft eint Linux und Esperanto ein verwandtes Lizenzmodell. Der Erfinder trat nach der Veröffentlichung sämtliche Rechte an der Kunstsprache ab und schuf damit die vielleicht erste freie Lizenz seit Erfindung des Urheberrechts.

Wer die Sprache lernen und verwenden möchte, findet mit Esperantilo [2] den passenden Texteditor (siehe Abbildung 1). Er bringt auch eine Rechtschreib- und Grammatikprüfung mit und übersetzt Esperanto ins Deutsche und Polnische – rückwärts allerdings nicht. Da Esperanto leicht erlernbar und nach wenigen einfachen Regeln konzipiert ist, fällt die maschinelle Analyse der Texte leichter als bei den meisten anderen Sprachen mit ihren vielen Grammatikregeln und Ausnahmefällen.

Abbildung 1: Der Texteditor Esperantilo bietet eine Rechtschreibprüfung für die Weltsprache Esperanto.

Abbildung 1: Der Texteditor Esperantilo bietet eine Rechtschreibprüfung für die Weltsprache Esperanto.

Die Übersetzung erfolgt entweder vollständig maschinell oder halbautomatisch. Im zweiten Fall kann der Benutzer an fraglichen Stellen eingreifen, falls zum Beispiel ein Wort nicht im Wörterbuch steht oder wenn es mehrere Übersetzungsoptionen gibt. In der automatischen Variante markiert der Editor unbekannte Wörter im übersetzten Text zur Nacharbeit durch den Benutzer.

Auf der Esperantilo-Homepage steht eine ausführbare Datei für Linux und Windows zur Verfügung. Der Editor ist, wie bei der Kombination zwischen freier Sprache und freiem Betriebssystem zu erwarten, ebenfalls unter der GPL lizenziert. Wer das Übersetzungsprogramm verwenden möchte, benötigt außer dem Editor das Wörterbuch, das an gleicher Stelle zum Download bereitsteht.

Meta-Suche

Wer keinem der Anbieter von Web-Suchmaschinen blindes Vertrauen schenkt, überprüft die Ergebnisse mit denen der Konkurrenz. Damit sich die Websuche mit Gegencheck nicht zum Browsing-Marathon entwickelt, empfiehlt sich der Einsatz so genannter Meta-Suchmaschinen wie Metager [3].

Das Programm Pinot [4] von Fabrice Colin gestaltet die maschinenübergreifende Suche noch einfacher. Dabei handelt es sich um ein Desktop-Programm mit GTK-Oberfläche, das eine direkte Schnittstelle zu allen großen Suchmaschinen bietet (Abbildung 2). Man markiert die gewünschten Anbieter und gibt die Suchbegriffe ein. Pinot holt die Ergebnisse von den ausgewählten Anbietern ab und zeigt sie im Tab »Live query« an.

Abbildung 2: Pinot besitzt eine Schnittstelle zu allen großen Suchmaschinen.

Abbildung 2: Pinot besitzt eine Schnittstelle zu allen großen Suchmaschinen.

Neben den Web-Suchmaschinen befragt Pinot unter anderem News-Dienste, den Online-Softwarekatalog Freshmeat und die Quelltextdatenbank Koders.com. Die Liste lässt sich außerdem um beliebige Webservices erweitern, falls diese sich per Soap-API befragen lassen.

Zum Anzeigen der Ergebnisse bringt Pinot einen Webbrowser mit. Die Wahl von »View« im Kontextmenü eines Suchtreffers öffnet die gefundene Seite im gleichnamigen Tab zum Durchstöbern. Die Eingabe beliebiger URLs lässt der Minimalbrowser allerdings nicht zu.

Pinot bietet auch eine Suche im lokalen Dateisystem an. Dazu muss der Benutzer jedoch manuell einen Index anlegen. Als Desktop-Suchmaschine wie Beagle sieht der Entwickler sein Pinot nicht, es ist lediglich eine Schnittstelle zu bestehenden Suchmaschinen beliebiger Art.

Sauberes Home

Paketmanagement hin oder her, irgendetwas bleibt immer liegen. Bei der Suche nach unnötig gewordenen Dateien bastelt sich wohl jeder seine eigenen kleinen Helferskripte. Pawel Stolowskis Kleansweep [5] vereint mehrere Mechanismen, um Karteileichen aufzuspüren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Kleansweep fahndet nach nicht mehr benötigten Dateien.

Abbildung 3: Kleansweep fahndet nach nicht mehr benötigten Dateien.

Das Programm durchkämmt ausgewählte Verzeichnisse nach frei wählbaren Kriterien. Es kann nach leeren Files und Verzeichnissen, ungültigen symbolischen Links, Thumbnails und Sicherungsdateien von Texteditoren fahnden. Abschließend zeigt Kleansweep eine Liste der gefundenen Dateien, sortiert in Tabs, aus denen zu erkennen ist, aus welchem Grund sie das Programm als überflüssig eingestuft hat. Nun wählt der Benutzer jene Einträge aus der Liste, die Kleansweep löschen soll.

Im nächsten Schritt bietet das Programm an, die ausgewählten Dateien vor dem Löschen in einem komprimierten Archiv zu speichern, um voreilig entfernte Dateien wiederherstellen zu können. Die Backups löscht man dann nach einer selbst gewählten Zeit, wenn feststeht, dass die enthaltenen Daten wirklich überflüssig sind.

Textkompression

Effiziente Kompression spielt auch in Zeiten großer Datenträger eine wichtige Rolle, denn außer den Festplattenkapazitäten steigen auch die Datenmengen. Der Superstar unter den Kompressionsalgorithmen heißt MP3. Dieses verfahren verkleinert Audiodaten so stark, dass sie sich in kurzer Zeit auch via Internet übertragen lassen. Mit unkomprimierten Rohdaten wäre dies selbst mit Breitbandanbindungen im inzwischen üblichen Maßstab undenkbar – auch wenn das Ausbleiben dieses Fortschritts der Musikindustrie gefallen hätte.

MP3 wirft für den Menschen kaum oder gar nicht hörbare Frequenzen einfach weg, um Platz zu gewinnen. Mit diesem und anderen Mitteln schrumpfen Tondateien durchschnittlich um etwa 90 Prozent. Reiner Text lässt sich auch ohne datentypspezifische Methoden platzsparend speichern, wenn das Kompressionsverfahren vor allem nach Wiederholungen Ausschau hält. Zip erreicht eine Verkleinerung um etwa 70 Prozent.

Da Ascii-Dateien ohnehin gut komprimierbar sind, gibt es nur wenige auf Texte spezialisierte Kompressionsverfahren. Der Verkleinerungsfaktor ließe sich durch Algorithmen verbessern, die den Text inhaltlich analysieren; hier überschneidet sich dieses Forschungsfeld mit dem zur künstlichen Intelligenz. Das Weglassen von Informationen wie bei MP3 (verlustbehaftete Kompression) ist bei der Textkompression aber gewöhnlich nicht hinnehmbar.

Um Programmierer zu motivieren, bessere Kompressionsalgorithmen für Texte zu entwickeln, hat der Künstliche-Intelligenz-Forscher Marcus Hutter ein Preisgeld von 50000 Euro für jenen ausgesetzt, der eine Textdatei am stärksten verkleinert [6]. Als Testfall kommen dabei die ersten 100 MByte der englischen Wikipedia auf dem Stand vom 3. März zum Einsatz; der Wettbewerb läuft deshalb unter dem Motto “Compressing Human Knowledge”. Die Bestmarke lag bei Redaktionsschluss bei einem Kompressionsfaktor von etwa 82 Prozent.

Garnelen in Sesam-Sauce

Zutaten für vier Personen: 16 mittelgroße Garnelen, 100g Sesam, vier Esslöffel Honig, zwei Esslöffel Sherry-Essig, zwei Esslöffel Weißwein, zwei Esslöffel Olivenöl, Salz, Pfeffer, eine Zwiebel, eine Karotte, etwas Sellerie.

Den Sesam ohne Öl in einer Pfanne kurz anbraten. Die Garnelen schälen und die Schalen mit dem Sellerie, der in Scheiben geschnittenen Karotte und der gewürfelten Zwiebel ebenfalls anbraten. Mit Wasser ablöschen und die Sauce eine Viertelstunde köcheln lassen.

Die Garnelen mit Öl leicht anbraten und wieder aus der Pfanne nehmen. Dann den Honig in die Pfanne geben und karamellisieren. Mit dem Essig und dem Weißwein ablöschen und die Sauce zugeben. Dann die Garnelen und den Sesam langsam hinzutun und das Ganze drei Minuten köcheln lassen.

Infos

[1] Esperanto: [http://www.esperanto.net]

[2] Esperantilo: [http://www.xdobry.de/esperantoedit]

[3] Metager: [http://www.metager.de]

[4] Pinot: [http://pinot.berlios.de]

[5] Kleansweep: [http://linux.bydg.org/~yogin]

[6] Compressing Human Knowledge: [http://prize.hutter1.net]

LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben