Tooltipps Extended: Feh 1.8

Die “Tooltipps Extended” von Linux-Magazin Online erweitern eines der im Linux-Magazin unter “Tooltipps” vorgestellten Softwaretools um Hintergrundinformationen zum Projektstatus und zum Hauptentwickler. Heute: Der Kommandozeilen-Bildbetrachter Feh aus den Tooltipps des Linux-Magazins 09/2010.

Steckbrief:

Zweck:

Bildbetrachter für die Kommandozeile

Lizenz:

MIT

Alternativen:

Image Viewer, Image Magick

Derzeit aktuelle Version:

1.9 vom 24. August 2010 (Download)

Webseite:

http://derf.homelinux.org/projects/feh

Bewertung: * * * * –

Feh eignet sich hervorragend zur Bildbearbeitung in eigenen Skripten. Insbesondere der integrierte HTTP-Client eröffnet dabei interessante Möglichkeiten. (Uwe Vollbracht)

Beschreibung:

Der performante und kompakte Bildbetrachter Feh kommt ohne komplexe Gui aus und überzeugt vor allem bei der automatisierten Verarbeitung vieler Bilder. Ganz gleich, ob das Tool die Schnappschüsse als Collage anordnen, eine Indexansicht oder Diaschau erstellen oder die Bilder einfach nur tabellarisch auflisten soll – Feh ist mit zahlreichen Aufrufoptionen für jeden Zweck gerüstet. Weitere Funktionen bietet das Kontextmenü der rechten Maustaste, über das der Nutzer den aktuellen Schnappschuss interaktiv in 90-Grad-Schritten dreht, auf Bildschirmgröße bringt oder als Hintergrundbild für den Desktop einrichtet.

Mit der Option “-r” durchforstet Feh Verzeichnisse rekursiv nach Bildern. Auf Wunsch sortiert der Betrachter nach Bild- und Dateinamen oder erzeugt eine zufällige Reihenfolge der Grafiken. Über den Parameter “-A” definiert der Anwender einen so genannten Action String. Dieser ermöglicht beispielsweise die Bearbeitung des aktuellen Fotos mit einem externen Tool. Feh nimmt bis zu neun solcher Aktionen entgegen, die der Anwender dann bei Bedarf interaktiv über den Ziffernblock auslöst. Ein integrierter HTTP-Client ermöglicht außerdem den Zugriff auf Bilder im Netz – eine lokale Kopie des Fotos erstellt Feh optional. Die umfangreiche Manpage stellt zahlreiche Beispiele für den kreativen Einsatz des Bildbetrachters vor. (Uwe Vollbracht)

Hintergrund:

Das Changelog listet als erste Feh-Version die Nummer 0.5 von 1999 – das ist kurz nachdem ihr Gründer im Jahr 1998 Linux für sich entdeckte. Der Feh-Vater Tom Gilbert bezeichnet sich auf seiner Webseite als Londoner und IT-Leiter bei der Deutschen Bank. Er hat auch an einer Reihe anderer Projekte getüftelt, wovon als größtes der Fenstermanager Enlightenment herausragt. Sein Blog zeigt, dass er ein Sportfan ist. Der Engländer arbeitete hingebungsvoll bis 2005 an Feh, doch bis 2010 gibt es eine große Pause. Dann adoptiert im Februar 2010 der Essener Daniel Friesel das Projekt. Der vor 18 Jahren in Bochum geborene Zivildienstleistende ist Mitglied des Chaos Computer Clubs Düsseldorf und hat mit der kleinen C-Software noch Einiges vor.

Fünf Fragen an Daniel Friesel, Maintainer von Feh:

Linux-Magazin Online:Wie kam es, dass Du das Feh-Projekt übernommen hast, nachdem es 5 Jahre keine neue Version mehr gab?

Daniel Friesel: Hmm, gute Frage. Ich hatte Feh schon zirka zwei Jahre lang benutzt und sehr zu schätzen gelernt, und wollte zu dem Zeitpunkt mal etwas mehr in C schreiben als nur kleinere Programme. Mir fiel dann auf, dass feh unmaintained war. Also hab ich mal in den Debian-Bugtracker geschaut, was es denn da so Leichteres zu fixen gibt. Über den ersten Patch kam ich dann mit dem Debian-Maintainer von feh ins Gespräch. Letztlich kam ich zum Schluss, dass ich feh auch direkt “adoptieren” kann. Ich hab dann den ursprünglichen Autor angeschrieben. Und da er auch nichts dagegen hatte hab ich feh dann übernommen, mich weiter in den Code eingelesen und seitdem diverse neue Versionen rausgebracht.

Linux-Magazin Online: Arbeiten noch andere außer Dir daran mit?

Daniel Friesel: Nein, ich bin zurzeit der einzige Entwickler. Ich bekomme allerdings öfters Patches von anderen Leuten.

Linux-Magazin Online: Wie soll es weitergehen – hast Du Pläne oder Ambitionen?

Daniel Friesel: Was auf jeden Fall noch in feh reinkommt, ist eine richtige Konfigurationsdatei mit der Möglichkeit, Tastenkürzel für Aktionen selbst zu definieren. Auf die Weise kann man sich dann zum Beispiel eine VI-ähnliche Bedienung basteln. Abgesehen davon habe ich keine größeren Änderungen vor. Irgendwann möchte ich nochmal ein kleines Code Review machen, Bugs fixen und dann ein stabiles feh 2.0 rausbringen. An dem wird sich nicht mehr viel ändern wird – sofern ich nicht noch weitere Sachen finde. ;-)

Linux-Magazin Online: Wenn jemand Feh mag, mag er auch …

Daniel Friesel: … mplayer, fluxbox und/oder andere eher minimalistische Software.

Linux-Magazin Online: Gibt es etwas Lustiges, das Feh kann, das aber nicht dem eigentlichen Zweck dient?

Daniel Friesel: Es gab bis vor kurzem die Option “–bg-seamless”. Dabei wird ein Bild genommen und so aneinandergereiht, dass die Ränder nicht klar abgegrenzt sind, sondern ineinander verfließen. Da das aber meist eher komisch aussieht und vermutlich kaum benutzt wurde, hab ich die Option kurz nach Version 1.9 entfernt. An sich fallen aber auch alle “–bg-Optionen” darunter: Feh ist ein Bildbetrachter, mit dem Desktop-Hintergrund hat er nichts zu tun. Da aber ziemlich viele Leute (unter anderem ich selbst) Feh zum Hintergrundsetzen benutzen, und es dabei auch eine große Auswahl an Optionen gibt, werde ich die Funktion definitiv beibehalten.

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