Prometheus-Verein: Open Source für die Versicherungsbranche

Im diese Woche in München gegründeten Prometheus Foundation e.V. sitzen Versicherungen, ihre angeschlossenen Maklerverbände und IT-Unternehmen an einem Tisch, um eine gemeinsame modulare, offene Plattform für die Versicherungsbranche zu entwickeln .

Ziel der gemeinschaftlich entwickelten Software soll sein, für den Datenaustausch und die Kommunikation in der Versicherungswirtschaft eine einheitliche Infrastruktur-Software zur Verfügung zu stellen – mit möglichst viel freier Software und unter einer Open-Source-Lizenz, damit jeder Branchenteilnehmer ihn anpassen kann. Motiv für die Gründung der Prometheus Foundation e.V. ist, dass der Datenaustausch etwa zwischen Versicherern und Maklern derzeit von verschiedenen Schnittstellen und Abläufen geprägt ist, was auf beiden Seiten zu hohem Aufwand bei der Implementierung und Wartung führt.

Die Plattform soll aus einem zentralen “Produktbus” bestehen, über den in XML-Schemata definierte Angebote und Service-Leistungen in einem Verzeichnis liegen. Lesend zugreifen sollen Makler-Clients sowie Browser via eine webbasierte Service-Schnittstelle. Dem Produktbus liegen eine Reihe Standards für den Branchen-internen Datenaustausch zu Grunde, die der Versicherungs-Branchenverband Bipro (Brancheninitiative Prozessoptimierung/Organisation) herausgibt. Realisiert werden soll die Plattform mit Hilfe des OSGi-Standards, Eclipse und Webservices.

Beteiligt an der Gründung der “Zweckgemeinschaft”, wie die Prometheus Foundation sich in einer Selbstpräsentation unsentimental bezeichnet, sind die Open Source Business Foundation (OSBF) mit ihrer Projektgruppe Collaborative Open Source Application Development, das privatwirtschaftlich-akademische Bayerische Finanzzentrum und einige Software-Unternehmen wie Eclipsesource oder MSG Systems. Nach der Gründung ist für den Software-Verein der nächste Schritt, möglichst viele Branchenteilnehmer von seinem Vorhaben zu überzeugen, damit die Akzeptanz des Ergebnisses hoch ist. Weiterhin steht die Auftragsvergabe an Software-Entwicklungsunternehmen durch die Versicherungsunternehmen an.

Jochen Krause, Geschäftsführer des Mitgründer-Unternehmens Innoopract, erzählt im Gespräch mit Linux-Magazin Online, dass der Community-Gedanke in der Versicherungsbranche traditionell stark sei. Vor allem kleinere Unternehmen verstehen sich als eine Gemeinschaft der Versicherungsnehmer. Krause zufolge, der auch das Collaborative-Projekt der OSBF leitet, hat sich in den letzten Jahren im Konzernbereich hinsichtlich Open Source einiges geändert: “Die Art von Zusammenarbeit, für die Open Source steht, brauchen Sie heute in den Chefetagen nicht mehr erklären – das ist angekommen und wird meistens sogar vorausgesetzt. Das Entwicklungsmodell ist verstanden und gilt als nachhaltiger und investitionssicherer”, weiß das Eclipse-Mitglied zu berichten: “Heute diktieren uns unsere Kunden sogar Open Source als Vorgabe in die Verträge! Vor zwei, drei Jahren mussten wir uns noch rechtfertigen und die Hintergründe erklären.”

Das Ziel von Prometheus sei es denn auch, “ein Ökosystem zu ermöglichen, mit dem alle Beteiligten mehr Geld verdienen und das dank Open Source und offener Standards unabhängig ist”, so Krause. Der Prometheus-Standard ist bereits definiert, die Umsetzung in einer ersten Referenzimplementierung wird allerdings laut Krause mindestens neun Monate dauern und einen siebenstelligen Betrag in Anspruch nehmen. Als Lizenz kommen die GPL, LGPL oder die Eclipse Public License in Frage, wobei letztere als Favorit gilt.

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