Ja, es ist kaum zu glauben, aber wahr. Wohin man schaut: Weihnachtsmärkte allerorts, Glühwein, Lichterketten, von den Lebkuchen ganz zu schweigen – die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Und jedes Jahr geht es schneller. Immer mehr passiert in den letzten Monaten vor Jahresende, und gerade im Open-Source-Bereich jagt ein Ereignis das nächste. Das ist auch der Grund, warum ich mich erst nach zwei Monaten wieder mit einem neuen Blogeintrag zu Wort melde
Was ist also alles passiert in den vergangenen Wochen?
Der Herbst ist ganz traditionell Messezeit, und für mich als Bayer ist eine Veranstaltung im Süden Deutschlands natürlich immer ein schönes Ereignis. Nachdem die Messe München letztes Jahr zu meinem großen Bedauern die SYSTEMS zu Grabe getragen hat (ich trauere nach wie vor um den etablierten Namen …), schickten sich dieses Jahr gleich zwei Veranstaltungen an, die Nachfolge anzutreten. In Stuttgart fand zum ersten Mal die “IT & Business” statt, während in München der hauseigene Nachfolger mit dem etwas ungewöhnlichen Namen “discuss & discover” an den Start ging. Beide Veranstalter mussten feststellen, dass es heutzutage gar nicht so einfach ist, eine neue Messe am Markt zu platzieren. Spannend dürfte sein, dass sich die CeBIT im nächsten Jahr das Thema Open Source ganz groß auf die Fahne geschrieben hat – wenn sinnvoll und durchdacht umgesetzt, kann das durchaus ein großer Besuchermagnet werden. Allen Dreien wünsche ich gutes Gelingen und nicht zuletzt auch den richtigen Blick auf freie Software und das richtige Händchen im Umgang mit den ehrenamtlichen Projekten dahinter – denn gemeinsam können wir viel erreichen, also packen wirs an.
Angesichts der derzeitigen Lage auf den Messen freut es mich umso mehr, dass unsere eigene Veranstaltung, der OpenOffice.org-Kongress für Wirtschaft und Verwaltung, bei seinem Debüt in diesem Jahr sofort positiv angenommen wurde. Veranstalter wie über 100 Besucher waren zufrieden, und wir planen bereits jetzt eine Neuauflage im nächsten Jahr. Auch die OpenOffice.org Conference, das jährliche Treffen der Community rund um die freie Office-Suite, war dieses Jahr wieder ein voller Erfolg. Vier Tage lang kamen Macher und Nutzer von OpenOffice.org im schönen Orvieto in Italien zusammen, um über die Erfolge der letzten Monate zu sprechen und die Herausforderungen des nächsten Jahres anzugehen. Für uns als Projekt wird es dabei besonders spannend, weiß doch nach wie vor niemand so genau, was sich durch die geplante Übernahme von Sun durch Oracle alles verändern wird.
Doch wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Je populärer freie Software wird, umso mehr schwarze Schafe tummeln sich mit teils dubiosen Angeboten im Internet. Waren es früher Malvorlagen, Gedichte und Kochrezepte, mit denen skrupellose Geschäftemacher Jagd auf ahnungslose Nutzer gemacht haben, so ist es heute (nicht nur) freie Software. Um auf das Problem aufmerksam zu machen und den Suchmaschinen unsere Position klarzumachen, haben wir im September unsere Anti-Abzock-Kampagne gestartet – ein voller Erfolg. Über 700 Nutzer haben uns bislang ihre Erfahrungen geschildert, und wir werden nicht müde, zusammen mit der Presse auf die Missstände aufmerksam zu machen, in der Hoffnung, dass Politik, Justiz und nicht zuletzt auch die Suchmaschinenbetreiber aufwachen.
Um solche Probleme gleich im Vorfeld zu vermeiden, ist der persönliche Kontakt zwischen Open-Source-“Machern” und den Anwendern unverzichtbar. Doch gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit mit all ihren Kommunikationsmöglichkeiten, gerät das schnell in Vergessenheit. Um zum einen die einzelnen Communities untereinander zu vernetzen, aber auch insbesondere, um Open-Source-Projekte mit ihren Anwendern zusammenzubringen, haben mein Kollege Carsten Book von Mozilla und ich im Sommer die Open-Source-Treffen ins Leben gerufen – eine Veranstaltung, die in München schon zum vierten Mal stattgefunden hat und Ende November auch Premiere in Leipzig hatte. Wir hoffen, dass weitere Städte diesem Vorbild folgen, und deutschlandweit mehr und mehr Open-Source-Treffen organisiert werden, um die Kommunikation zwischen Entwicklern und Anwendern noch zu verbessern.
Mit diesem frommen Wunsch verabschiede ich mich in eine hoffentlich ruhige, friedliche und besinnliche Vorweihnachtszeit. Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein paar schöne Tage und versuche, mich diesmal noch vor den Feiertagen zurückzumelden!
Wer sich auch zwischendurch über Aktuelles rund um OpenOffice.org und freie Software informieren will, dem darf ich in eigener Sache noch meinen Twitter-Feed unter http://twitter.com/floeff/ ans Herz legen.

