
Mozilla Messaging zu Besuch in München: Der Limux-Projektleiter Peter Hofmann fachsimpelt und scherzt mit CTO Dan Mosedale und CEO David Ascher (von links nach rechts).
Vertreter von Mozillas Messaging-Tochter sind derzeit unterwegs, um Werbung für Thunderbird 3 zu machen und das Feedback großer Anwender einzuholen. Heute machten sie bei der Münchner Stadtverwaltung Station.
Dort empfing sie Peter Hofmann, Leiter des städtischen Linux-Projekts Limux, mit seinem Team. Die bayerische Landeshauptstadt betreibt das hauseigene Desktop-Linux mittlerweile auf 2200 Rechnern. Open-Source-Software wie Mozilla Thunderbird ist aber auch unter Windows im Einsatz: In den städtischen Behörden gibt es rund 15.000 Nutzer des freien Mailclients. Schon bei der Einführung von E-Mail-Verkehr in der Stadt 1998 setzte München auf Netscape Mail, den Vorfahren von Thunderbird.
Mozilla-Messaging-CEO David Ascher und Dan Mosedale, CTO und Chefentwickler von Thunderbird 3, gaben der kommunalen Linux-Mannschaft einen Ausblick auf die kommende Release des freien Mailclients: Sie soll den veränderten Gewohnheiten der Mail-Anwender Rechnung tragen, beispielsweise den großen Mengen an Nachrichten, die mittlerweile anfallen. Bei deren Bewältigung soll vor allem die neu entwickelte Suchmaschine helfen, die als Datenbank SQLite einsetzt. Sie durchsucht nicht nur einzelne Ordner wie bisher, sondern den gesamten Mailbestand. Dabei kann der Anwender die Suchergebnisse durch Mail-spezifische Eigenschaften wie Header-Felder und die Mime-Typen von Attachments enger eingrenzen. Der Inhalte der Dateianhänge selbst werden allerdings nicht durchsucht.

Mozilla Messaging zu Besuch in München: Der Limux-Projektleiter Peter Hofmann fachsimpelt und scherzt mit CTO Dan Mosedale und CEO David Ascher (von links nach rechts).
Daneben gab es laut Dan Mosedale zahlreiche Performance-Verbesserungen, die den Umgang mit großen Mailmengen flüssiger gestalten sollen. Das Löschen von Mails auf einem IMAP-Server beispielsweise soll nun ohne lästige Wartezeiten erfolgen. “Wenn man bedenkt, wie viele Mails man täglich löscht, geben wir dem Anwender jede Menge Lebenszeit zurück”, scherzte der Messaging-CTO. Das neue Feature Personas möchte Anwender und Admins gleichzeitig glücklich machen: Es erlaubt persönlichen Anpassungen der Software ohne technische Nebenwirkungen, die beispielsweise bei Updates stören könnten.
Gleich nach Englisch gehören die deutschsprachigen Anwender zu Thunderbirds größter Benutzergruppe. Das sei einer der Gründe gewesen, in Deutschland Station zu machen, erläuterte CEO Ascher. Darüber hinaus interessiere man sich für München als Kommune mit Linux-zentrierter IT. Von Peter Hofmann wollte er wissen, was die Gründe für die städtische Linux-Strategie waren. Dieser nannte die Unabhängigkeit von Herstellern und deren Timelines sowie von Plattformen. Für einen Auftraggeber wie die Stadt München sei es besonders wichtig, auch Angebote von kleineren und lokalen Dienstleistern wahrnehmen zu können.
Interessiert ist der Chef der Münchner Linuxer besonders an den neue Archivierungsmöglichkeiten in der kommenden Thunderbird-Release. Daneben war nicht zu überhören, dass sich Hofmann eine freie Kalenderlösung für den Enterprise-Betrieb wünscht. Derzeit verwendet die Stadt den Kalender der Oracle Collaboration Suite, der ursprünglich auch aus dem Hause Netscape stammt. Mit Thunderbird Lightning hätte Mozilla Messaging ein möglicherweise geeignetes Produkt für diesen Einsatzzweck im Portfolio.
Mozilla Messaging entstand vor rund zwei Jahren als Tochter der Mozilla-Stiftung, um sich explizit um die Entwicklung der Mail-Produkte zu kümmern. Derzeit hat die Firma 16 Angestellte. Den Größenunterschied zur Browser-Firma Mozilla.com erklärt CEO Ascher mit den unterschiedlichen Marktanteilen der Programme.


