Debian-Projekt ändert die Pläne für Squeeze

Am Mittwoch hatte das Debian-Release-Team bekannt gegeben, mit Version 6.0 “Squeeze” auf einen festen zweijährigen Freeze-Zyklus wechseln zu wollen. Am darauffolgenden Tag kippte das Projekt nach erbitterten Diskussionen den frisch beschlossenen Zeitplan schon wieder.

 

Laut dem Beschluss, künftig im Dezember von Jahren mit ungerader Jahreszahl Releases einzufrieren und im folgenden (geraden) Jahr freizugeben, sollte der Freeze für die nächste Debian-Hauptversion 6 “Squeeze” im Dezember 2009 stattfinden. In der ersten Jahreshälfte 2010 hätte dann die Freigabe erfolgen sollen. Nur einen Tag nach der entsprechenden Bekanntgabe kippte das Projekt ganz nach dem Motto “Was schert mich mein Geschwätz von gestern?” die neue Freeze-Policy schon wieder.

 

Angesichts der für das Release gesteckten Ziele und “in Anbetracht des Feedbacks aus der Debian-Community auf die ursprüngliche Ankündigung” habe das Release-Team “beschlossen, die für Dezember 2009 als vorgeschlagenen Freeze-Termin getroffene Entscheidung noch einmal zu überprüfen”, heißt es in einer kleinlauten Meldung im Nachrichtenbereich des Projekts. Man werde in den ersten Septembertagen einen neuen Zeitplan bekanntgeben. Mit den “Feedbacks aus der Community” meint die Meldung offenbar die erbitterten Proteste aus Projektkreisen, die sofort nach Bekanntwerden des Beschlusses zu einem festen Freeze-Zyklus einsetzten. Dabei handelte es sich zum großen Teil um Reaktionen auf etwas irreführende Medienberichte, die das Festlegen eines Freeze-Zyklus mit dem Festlegen eines Release-Zyklus verwechselten.

 

Der Unterschied ist faktisch allerdings gering, es sei denn, eine künftige Debian-Version bliebe so lange im Freeze-Status wie das berüchtigte “Sarge”, das über ein Jahr in diesem Zustand verharrte. Ein Freeze meint bei Debian ein so genanntes Feature Freeze: Nach diesem Zeitpunkt werden keinen neuen Funktionen mehr integriert, sondern nur noch Fehler bereinigt. Nach dem Beseitigen aller veröffentlichungskritischen (“release critical” = RC) Bugs erfolgt dann das Release. Als typischer, auch nach Debian-Qualitätsmaßstäben gut einhaltbarer Freeze-Zeitraum gilt ein halbes Jahr. Ein Einfrieren im Dezember eines Jahres würde also mehr oder minder zwangsläufig eine Freigabe bis spätestens Mitte des Folgejahres nach sich ziehen.

 

Dass ein Debian-Release möglicherweise in einem vorab vorhersagbaren Jahr erfolgen könnte, erschien offenbar zahlreichen Projektbeteiligten als derart blasphemisch, dass sie sofort auf die Barrikaden gingen. Die tiefere Ursache könnte aber auch daran liegen, dass der Beschluss für einen festen Freeze-Zeitpunkt es ermöglicht hätte, die Release-Zeitpunkte von Debian und Ubuntu zu synchronisieren, wie das Mark Shuttleworth wiederholt vorgeschlagen hat. Viele Debianer befürchten, dabei gegenüber Ubuntu ins Hintertreffen zu geraten und möglicherweise sogar Anwender an das südafrikanische Debian-Derivat zu verlieren. Wie auch immer ? fürs erste bleibt es offenbar beim Debian-typischen “It’s ready when it’s ready”.

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