Torvalds über Microsofts GPL-Treiber

Der Entwickler und Autor Christopher Smart aus Australien hat Linus Torvalds gefragt, was er von den Code-Spenden Microsofts hält, über die wir berichtet haben. In den Antworten bekennt sich der Linux-Erfinder zum Pragmatismus und stellt “Technologie über Politik”. Vor allem aber verpasst er allen einen Dämpfer, die Open-Source-Software verteidigen wollen, indem sie wütend auf Microsoft losgehen: “Ich mache vielleicht Witze über Microsoft, aber gleichzeitig halte ich Microsoft-Hass für eine Krankheit”, zitiert Smart aus Torvalds’ Antworten in seinem betreffenden Artikel. “Ich glaube an offene Software-Entwicklung, und das bedeutet nicht nur offenen Quellcode, sondern auch, dass man Leute und Unternehmen nicht ausschliesst”, so der Linux-Erfinder.

Gleichzeitig grenzt sich Torvalds von “Extremisten” ab: Leute, die diesen Ansatz nicht unterstützen, zum Beispiel Microsofts Beitrag aus ideellen Gründen verdammen. Wegen dieser Extremisten benutze er für seine Arbeit nicht den Begriff ‘freie Software’, erklärt er. Er geht sogar noch weiter: “Ich möchte mich von den Leuten abgrenzen, für die [freie Software] von Ausschluss und Feindschaft handelt.”

Denn Open-Source-Software hat nach Torvalds’ Meinung nichts mit Altruismus zu tun. Er habe Linux aus Eigennutz angefangen, er sei aus Eigennutz noch dabei, und jeder andere, der Open Source einsetzt, tut das ebenfalls aus Eigennutz: “Ich glaube ebenfalls, dass [Microsofts Motiv] egoistisch war, aber aus diesem Motiv wird aller Open-Source-Code geschrieben! Das ist der springende Punkt bei Open Source”, pointiert er seine Einstellung dazu: “die Möglichkeit, den Code für deine eigenen Interessen zu verbessern, auf wen auch immer sich das ‘dein’ bezieht.”

Das ist alles ganz schön starker Tobak. Hut ab für die Ehrlichkeit. Ich habe aber auch den Eindruck, dass die Open-Source-Welt zumindest teilweise sehr wohl idealistisch ist und moralische Fragen erörtert – zum Teil, weil es Spaß macht, und zum Teil, weil Menschen einfach so sind. Das gibts bei Anwendern ebenso wie bei Entwicklern und sogar Unternehmen. Leute, die es übertreiben, gelten eher als Exoten – siehe Richard Stallman, der sich manchmal schon über sich selbst lustig macht, etwa wenn er als Heiliger verkleidet auftritt.

Es geht aber zu weit, dass Leute, die sich über den Code-Beitrag Microsofts aufregen, zwingend Heuchler sein müssen. “Leute, die sich über Microsofts Treiber für die eigene Virtualisierungslösung beklagen, sollten in den Spiegel schauen und sich fragen, warum sie so heuchlerisch sind”, schreibt Linus. Aber selbst Microsoft hat sich mit der Heuchelei noch nicht so ganz entschieden, bekennt sich nicht als eigennützig, macht sich aber auch nicht entschlossen zum Community-Member.

Ein bisschen Freude darüber, dass der große _Gegner in der Sache_ an den eigenen Errungenschaften teilhaben will, darf schon sein. Auch verdiente Häme. Es muss ja nicht gleich feindlich sein.

Sondern vielleicht aus sportlichem Ehrgeiz.

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