Nat Friedman über deutsche Nerds

Nat Friedman ist gebürtiger Amerikaner, den es 2007 nach München verschlug. Wer ein wenig in seinem Blog stöbert, sieht, dass er viel unterwegs war. Wenn er sich über Deutschland äußert, redet er also aus einer einigermaßen “erfahrenen” Perspektive. In einem Blogeintrag vom 4. Juli thematisiert er seine Erfahrungen in Amerika, als “Nerd” kategorisiert zu sein, und vergleicht das mit den “Nerds” in Deutschland. Sein Eindruck: In Deutschland gibt es gar keine “Nerds” – sondern einfach Techniker (engineers).

Damit thematisiert er implizite, nicht allgemeingültige Bedeutungen bestimmter Begriffe, so genannte Konnotationen. Laut Friedman ist das Wort “Nerd” in Amerika negativ konnotiert (Außenseiter etc). Das komme daher, dass – etwas vereinfacht – alle Jugendlichen zwei Grundtypen zugeordnet werden: schicke beliebte Sportskanonen auf der einen Seite, schlampige eigenbrötlerische Intelligente auf der anderen Seite. Computerinteressierte gehören der zweiten Kategorie an. Das sind die Nerds: im Wertekontext von schön, stark und sexy eher negativ belegt.

In Deutschland hingegen kenne man diesen Dualismus nicht (oder nicht so sehr). Hier sind Techniker keine merkwürdigen Nerds, sondern einfach Techniker. Ihnen werde Achtung zu Teil, denn immerhin verhelfen sie dem Land zum weltweiten Exportkönigtum. “Das passiert, wenn du Techniker nicht stigmatisierst”, glaubt er: “Du bekommst ein Land voller Techniker, die sich selbst als solche verstehen und in dem Wunsch aufwachsen, welche zu werden.” Die Stigmatisierung in Amerika hingegen mache das Land zu einem Importeur.

Was ich mich nun frage: Stimmt das, dass wir in Deutschland den Begriff Nerd nicht kennen oder gebrauchen? Ich finde nicht. Aber Friedman hat in einem recht: Es ist hierzulande kein negativer Begriff. Finde ich zumindest.

Was ist ein Nerd? Ist das was Schlechtes? Oder ist das was, worauf man stolz ist? Wenn ja: Warum? Und warum ist das in Amerika anders?

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