Indiskrete Steuerberater oder: das schwächste Glied beim Datenschutz

Auf einer längeren Zugfahrt gestern kam ich aus dem Staunen kaum heraus. Neben mir im ICE von Kassel nach Nürnberg sass ein Typ mit Laptop auf dem Schoss. Dies allein finde ich mittlerweile nicht wirklich außergewöhnlich, aber die mangelhafte Sensibilität meines Mitreisenden im Umgang mit den Daten fand ich ziemlich schockierend. Mein Buch war nicht sonderlich fesselnd, also guckte ich neugierig immer wieder nach nebenan. Eine Art Zwangshandlung, wenn in der Bahn jemand neben mir Zeitung liest, guck ich auch gern mal mit rein. Und wenn man so offen im Zug arbeitet, kann das ja nix besonders Aufregendes sein, dachte ich mir. Außerdem ist ein gewisser Grad an Neugier quasi eine Voraussetzung für meinen Broterwerb.

Je länger ich hinsah, desto entsetzter war ich: Der Kerl war offenbar Steuerberater und erstellte Berechnungen für einen Kunden. Ich konnte bequem nicht nur die Umsätze des Kunden mitlesen, die Personalkosten für Angestellte, das Geschäftsführergehalt, Aufwendungen für Mieten, Abschreibungen, Firmenwagen, auch der Firmenname samt Adresse stand in der Tabellenkalkulation fein deutlich lesbar rechts oben. Es wurden nicht nur die Zahlen von 2008 bearbeitet, auch 2007 wurde als Vergleichswert gesetzt, und auch das erste Quartal 2009 schon mal mit berechnet. Die Fahrt dauerte eine Weile, die Zeit meines Sitznachbarn reichte noch für einen weiteren Kunden. Mein Blick auf seinen Bildschirm war nicht sonderlich versteckt, und irgendwann sah er auch mal rüber und bemerkte meine Blicke. Er lächelte, wandte den Blick sofort wieder auf den Bildschirm und tippte weiter.

Wie viel Geld steckt seine Kanzlei in Sicherheitsmaßnahmen der EDV? Setzen die auf Verschlüsselung? Firewalls?Und seine Kunden? Diese Zahlen konnte ich in den Tabellen nicht entdecken. Meine preiswerte Empfehlung für besseren Datenschutz: Suchen Sie einen Steuerberater, der nur Auto fährt!

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