Ich bin verwirrt.
OpenOffice.org ist freie Software. Wir erzählen den Nutzern immer und immer wieder, dass die Software komplett lizenzkostenfrei eingesetzt werden kann. Und der Presse noch viel öfter, dass man OpenOffice.org mit “.org” schreibt. Und kaum ist die Nachricht fast überall in der Welt angekommen, was muss ich da kurz vor der CeBIT in einem Werbemailing lesen? „OpenOffice“ (sic!) gibt es jetzt anscheinend auch als Testversion für Windows.
Moment, bitte was? Hab ich was verpasst?
Nein, es ist anscheinend nur tatsächlich jemand auf die Idee gekommen, unseren Messe-Witz für bare Münze zu nehmen, dass wir eigentlich eine Testversion von OpenOffice.org auf den Markt bringen sollten, da wir doch dauernd danach gefragt werden. Die Leute können oft nicht glauben, dass das Programm tatsächlich lizenzkostenfrei eingesetzt werden darf.
Eine Testversion für Windows also. Klasse Sache, endlich kann ich mir das Programm mal unverbindlich ansehen! Spaß beiseite. Ich freue mich über jede Firma, die es schafft, einen Markt mit und um Open Source aufzubauen, denn so wird ein echter Mehrwert geschaffen. Zahllose Firmen zeigen Tag für Tag, dass freie Software auch ein sehr erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann – durch Dienstleistungen, Schulungen oder kundenspezifische Entwicklungen und Anpassungen. Wir unterstützen diese Firmen gerne, zum Beispiel im Rahmen von gemeinsamen Messeauftritten. Open-Source-Projekte profitieren von der Arbeit der Firmen, und die Firmen profitieren von dem ehrenamtlichen Engagement vieler Community-Mitglieder. So soll es sein, und so hat es sich über Jahre bewährt.
Dass Firmen im Open-Source-Bereich auch Werbung betreiben müssen, das versteht sich von selbst. Und dass Firmen im Gegensatz zu freien Projekten auch etwas verkaufen müssen, das weiß ich auch. Doch bitte, liebe Marketingverantwortliche, lasst uns doch zusammenarbeiten und gemeinsam auf die Nutzer zugehen, anstatt sie durch solche Mailings nur noch mehr zu verwirren. Natürlich ist es legitim, OpenOffice.org für Kunden speziell anzupassen und sich diesen Aufwand entlohnen zu lassen. Doch viele unversierte Nutzer können bei solcher Werbung dann schnell nicht mehr unterscheiden, ob die freie Software nun wirklich frei ist oder nicht. Das führt auch bei Entscheidern zu Unsicherheit, und das schadet nicht nur uns als Projekt, sondern auch den Firmen selbst.

