KI-Betrugsskandal an amerikanischer Uni

(C) unter Verwendung eines Motivs von Andrei Suslov / 123RF.com

(C) unter Verwendung eines Motivs von Andrei Suslov / 123RF.com

An der US-amerikanischen Brown-Universität ist es zu einem Betrugsskandal gekommen, nachdem zahlreiche Studenten KI für eine Zwischenprüfung genutzt hatten. Wie die spanische Tageszeitung El País berichtet, hatte der Wirtschaftsprofessor Roberto Serrano seinen Studenten nach einem Amoklauf auf dem Universitätscampus eine Onlineklausur ermöglicht.

Nachdem Serrano angekündigt hatte, dass er die Zwischenprüfung für seinen fortgeschrittenen Kurs in Mathematischer Ökonomie als sogenanntes Take-Home-Exam gestalten will, bemerkte er einen sprunghaften Anstieg der Anmeldungen. Statt der üblichen 8 bis 30 Studierenden melden sich plötzlich 86 Teilnehmer an.

Der Notendurchschnitt der Zwischenprüfung lag bei außergewöhnlich hohen 96 von 100 Punkten und 40 Studierende erreichten eine perfekte Punktzahl. Korrektoren fanden im Anschluss Passagen in den Arbeiten, die exakt mit den Antworten übereinstimmten, die ChatGPT auf die Fragestellungen hin ausgibt.

Um den Verdacht zu überprüfen, ordnete Serrano für die Abschlussprüfung eine Präsenzpflicht an. Bei dieser fiel der Notendurchschnitt von 96 auf 48 Punkte und von den 89 angemeldeten Teilnehmern kamen nur 59 zum Prüfungstermin. Von den Studierenden, die nicht an der Abschlussprüfung teilnahmen, hatten 22 in der Zwischenprüfung eine perfekte Punktzahl erreicht.

Serrano kritisierte, dass die Universitätsleitung zunächst abweisend reagierte und erst reagierte, nachdem er seinen Fall vor ein Komitee für den akademischen Kodex gebracht hatte. Das Dekanat räumte den Vorfall ein, während Serrano eine öffentliche Debatte über akademische Integrität forderte, die sich mit der Bedrohung von KI für den Wert einer Hochschulausbildung beschäftigen soll.

Für Serrano war es das erste Mal in 34 Jahren Lehrtätigkeit, dass er ein Take-Home-Exam ermöglichte. Als Konsequenz will er nicht nur wieder voll auf Präsenzprüfungen setzen, sondern auch die Bewertung seiner wöchentlichen Übungsaufgaben nicht mehr in die Endnote einfließen lassen, da diese zu leicht mithilfe von KI gelöst werden können.

Der Einsatz von KI durch Studenten wird kontrovers diskutiert. Während sich etwa Hochschulen in Bayern dafür aussprechen, KI-Tools in die Ausbildung zu integrieren und in Prüfungen zuzulassen, zeigen Studien, dass die KI-Nutzung das Durchhaltevermögen und Problemlösungskompetenzen bei der Bewältigung komplexer Aufgaben senken kann.

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben