Ein so genanntes Wortungetüm ist laut Duden ein “langes, schwer durchschaubares Wort”. Meistens versteht man darunter Substantive. Zusätzlich dazu, dass so ein Wort lang ist und man beim Aussprechen durch die vielen Konsonanten und sämtliche Nuancen von Vokalen die Mundmuskeln so richtig in Schwung bringt, führen substantivierende Wortendungen wie -ung oder -heit dazu, dass das Wort etwas Abstraktes meint. Etwas Abstraktes ist etwas nicht Greifbares. Solche Worte bringen daher mit sich, dass man sich nichts darunter vorstellen kann, also keine bildliche Vorstellung hat. In der Alltagssprache fällt mir das zwar auf, zum Beispiel auf Anweisungen im U-Bahn-Bereich. Ich mokiere mich dann innerlich über die umständliche, unpersönliche Sprache, aber weiter hat dieses Spracherlebnis keine Bedeutung. Auch ist man gerade in der IT an englische Worte gewöhnt, die kurzerhand nach der deutschen Grammatik gebeugt werden (“gedownloadet”).
Aber mal ehrlich: Lesen Sie das Wort “outsourcen” schmerzfrei? Und wer, um in einem anderen Bereich zu wildern, bei dem Wort “Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz” (via) ein mulmiges Gefühl hat, darf das sprachlich auf die Mundgymnastik, die Länge des Wortes und die zwei “ungs” mitten drin zurückführen. Einen kleinen Einblick in die Redaktion nimmt also, wer sich vorstellt, wie ein Teil der Arbeit aus reinem Umformulieren besteht, damit die in Sprache verpackte Information möglichst widerstandsfrei und bestenfalls vergnüglich beim Leser ankommt.


