Aus Linux-Magazin 06/2026

KubeCon CloudNativeCon Europe 2026

© Linux-Foundation

Rund 13 500 Teilnehmer aus 100 Ländern machen die KubeCon CloudNativeCon Europe 2026 zur bislang größten Open-Source-Konferenz weltweit, berichten die Veranstalter stolz. Künstliche Intelligenz in allen Schattierungen dominiert das Treffen von Anwendern, Projekten, Firmen und Entwicklern aus Open-Source- und Cloud-Native-Communities.

Bei der Eröffnungskeynote wartete Jonathan Bryce, Exective Director Cloud and Infrastructure bei der Linux Foundation (Abbildung 1) mit zusätzlichen Zahlen auf und nannte Europa mit rund 38 Prozent der Beiträge zum Cloud-Native-Universum weltweit führend. Die USA landen mit rund 35 Prozent auf Platz zwei. Bryce und Chris Aniszczyk, CTO Cloud and Infrastructure bei der Linux Foundation und Co-Moderator bei den Keynotes führten weitere Superlative an: Bei der dreitägigen Konferenz stehen demnach 900 Sessions auf dem Plan. Zudem merkten die beiden Sprecher an, dass Nvidia als ein neues Platin-Mitglied an Bord ist und F5 und Viettel als Gold-Mitglieder beigetreten sind. Erfolgreiche Zeiten für die Veranstalter also.

Abbildung 1: Jonathan Bryce, Exective Director Cloud and Infrastructure bei der Keynote. Quelle: Linux-Foundation

Abbildung 1: Jonathan Bryce, Exective Director Cloud and Infrastructure bei der Keynote. Quelle: Linux-Foundation

Spendengala

Das Platin-Mitglied Nvidia eröffnete den Reigen der Keynote-Präsentationen und kündigte an, seinen Dynamic Resource Allocation-Treiber (DRA) für GPUs an die Cloud Native Computing Foundation (CNCF) zu spenden. Der DRA-Treiber für Kubernetes ermöglicht die Konfiguration und gemeinsamen Nutzung von Geräten wie GPUs. Außerdem will Nvidia die Foundation in den kommenden drei Jahren mit 4 Millionen US-Dollar unterstützen, um Tests zu den GPU-Anforderungen und weiterer Hardware zu ermöglichen. Daneben betonte Nvidia sein Bekenntnis zu Open Source und verwies auf zwei weitere Open-Source-Projekte: AI Cluster Runtime, ein agentenbasiertes KI-Framework, und NVSentinel, ein System zur Behebung von GPU-Fehlern.

Solo.io, Spezialist für Cloud-native Software mit Sitz in Cambridge, Massachusetts gab bei der KubeCon Europe die Einführung des Open-Source-Projekts “agentevals” sowie das geplante Einbringen des Projekts “agentregistry” in die CNCF bekannt. Beide Projekte zielen darauf ab, die Entwicklung und den Betrieb von KI-Agenten im Cloud-Native-Umfeld strukturell zu unterstützen. Das Projekt “agentevals” ermöglicht demnach Entwicklungsteams, das Verhalten von KI-Agenten systematisch zu erfassen, auszuwerten und zu vergleichen. Dabei liegt der Fokus auf Qualität und Zuverlässigkeit über unterschiedliche Modelle und Frameworks hinweg. Hintergrund ist, dass KI-Agenten eigenständig Entscheidungen treffen und ihr Verhalten variieren kann, wodurch sich klassische Bewertungsmethoden aus der deterministischen Softwareentwicklung nur eingeschränkt anwenden lassen.

Parallel dazu soll das Projekt “agentregistry” an die CNCF gehen, um eine Grundlage für die Verwaltung und Governance von KI-Agenten zu schaffen. Beide Initiativen stehen im Zusammenhang mit dem Ziel des Herstellers Solo.io, die Weiterentwicklung von KI-Agenteninfrastrukturen im Cloud-Native-Bereich voranzutreiben.

Goldrausch

Dass sich die KubeCon inzwischen rund um das Thema KI dreht, machte schon die Keynote deutlich. Kein Speaker kam ohne Verweis auf KI aus, sei es durch Demos, spezielle Projekte für KI oder die Beschreibung, wie die Cloud-Native KI-Tools im Unternehmen zum Einsatz kommen.

Jonathan Bryce bezeichnete Training, Inference und Agents als die drei Säulen der Open-Source-KI. KI-Inferenz meint den Prozess, bei dem ein trainiertes KI-Modell dazu dient Vorhersagen zu treffen, Inhalte zu generieren oder Schlussfolgerungen aus neuen, realen Daten zu ziehen. Bei Uber etwa, das Melda Salhab in Amsterdam auf der Bühne repräsentierte, sind das über das vom Unternehmen eingesetzte “Michelangelo” für das Machine Learning rund 30 Millionen Vorhersagen pro Sekunde.

Bei der Pressekonferenz der CNCF ging Bryce näher auf den “Inferenz Goldrausch” ein und nannte Zahlen zu den Unternehmensbewertungen und den Finanzierungsrunden von Startups aus dem Feld der Inferenz-Technologie. Bis zum Jahr 2030 soll Bryce zufolge der Markt von derzeit 106 Milliarden US-Dollar auf 255 Milliarden US-Dollar wachsen. In den Top-Platzierungen der Unternehmen liegt der Inferenzplattformanbieter Baseten auf Platz eins mit einer Finanzierungsrunde von 5 Milliarden Dollar im Januar 2026.

Wechselwirkung

Außerdem sprachen die Teilnehmer des Roundtables zur Zukunft von Cloud Native Observability darüber, wie KI bei der Fehlerbehebung im Cloud-native Betrieb mitwirkt. In Zeiten von immer komplexeren verteilten Architekturen kommt immer mehr KI ins Spiel und Unternehmen überlegen momentan, wie sie Telemetriedaten erfassen, analysieren und nicht zuletzt auch darauf reagieren. Einigkeit herrschte an einem Punkt: KI ist für die Analyse von unzähligen Logdaten und Fehlermeldungen geradezu prädestiniert. Was der Mensch wegen der schieren Menge an Daten nicht mehr überblicken kann, ist für die KI kein Problem. In Zukunft, so die Teilnehmer, könnte eine agentische KI die andere überwachen.

Darüber hinaus zeichnete sich ein anderer Trend deutlich ab: Firmen holen die eigenen Daten wieder zu sich ins Unternehmen. Insbesondere in Europa treffe das auffällig oft zu, berichteten die teilnehmenden Manager von Red Hat, Solo.io, HAProxys Solutions und Open Search Software übereinstimmend.

Weitere spannende Einblicke lieferte der Diskurs zum Einsatz von KI in der Produktion. Sie gilt im Produktivbereich nicht nur für die Entwickler selbst als Hilfsmittel. Alan Naim, Director Product Management bei Google berichtete beim Roundtable, dass auch Produktmanager von KI profitieren. Dank ihr können sie bereits mit einem von der KI ohne großen Aufwand auf den gewünschten Anwendungsfall produzierten Prototypen beim Kunden oder im Team auftauchen. Erst danach geht das Projekt an die Entwickler, was die Produktentwicklung enorm beschleunigt. KI, so bleibt der Eindruck, gilt inzwischen als salonfähig.

Erstaunlicherweise war bei den Roundtables von den Verantwortlichen der Linux Foundation und der CNCF kaum ein Wort zur digitalen Souveränität zu hören. Zumal es sich um den europäischen Ableger der Konferenz handelt. Jim Zemlin, Direktor der Linux Foundation sagte, Open Source stehe per se für digitale Souveränität. Wer sich eingeengt fühle, könne einfach den Code forken.

Selbstverständlich bietet Open Source prinzipiell diese Möglichkeit. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass insbesondere kleinere Unternehmen nicht dazu in der Lage sind, einen Fork ausreichend zu betreuen.

Cyber Resilience Act

Greg Kroah-Hartman, Maintainer der LTS-Kernel (Abbildung 2) und neben Linus Torvalds selbst ein prominenter Kernel-Hacker beteiligt sich als Fellow der Linux Foundation auch an deren CRA-Expertengruppe. Bei der KubeCon 2026 gab Kroah-Hartman Tipps für Open-Source-Entwickler, wie mit dem Cyber Resilience Act (CRA) umzugehen ist.

Dahinter verbirgt sich eine EU-Verordnung, die verbindliche Cybersicherheitsstandards für alle vernetzten Hardware- und Softwareprodukte festlegt, um Verbraucher und Unternehmen besser zu schützen. Sie trat Ende 2024 in Kraft, die wesentlichen Anforderungen müssen bis Ende 2027 umgesetzt sein. In seinem Vortrag nannte Kroah-Hartman die CRA schlicht die Liste der Softwarebeigaben eines Geräts und diese Beigaben müssen sicher sein.

Abbildung 2: Greg Kroah-Hartman gab Tipps rund um den Cyber Resilience Act. Quelle: Lionux Foundation

Abbildung 2: Greg Kroah-Hartman gab Tipps rund um den Cyber Resilience Act. Quelle: Lionux Foundation

Als Programmierer ist man vom CRA nicht betroffen, solang es sich um nicht-kommerzielle Hobbyprodukte handelt, so der Experte. Erst wenn die Software in einem kommerziellen Produkt lande, greift der CRA. Services wie Webseiten oder Software-as-a-Service sind ebenfalls ausgenommen.

Tenor seines Vortrags: Open-Source-Entwickler und Communities können dem CRA unaufgeregt entgegenblicken. Mit einigen Vorbereitungen bleibt ihnen genügend Zeit. Im Zweifel empfahl Kroah-Hartman dem Auditorium, sich auf der CRA-Webseite der Linux Foundation [1] zu informieren. Auch die Open Source Security Foundation (OpenSSF) [2] hält dazu nützliche Informationen vor.

Fazit

Die KubeCon und CloudNativeCon Europe 2026 zeigte sich als Konferenz der Superlative. Der KI-Goldrausch, den Jonathan Bryce den KI-Segnungen zuschreibt, hat das Ökosystem von Kubernetes und Cloud-native erfasst. Die unbestrittenen Fortschritte beim Einsatz von (agentischer) KI, lassen kritische Stimmen eher verstummen. Vom AI-Slope, dem von KI produzierten Müll, so war es von Jim Zemlin, dem Direktor der Linux Foundation zu hören, habe sich der KI-Output zum Code, den man nicht mehr ignorieren könne, gewandelt. (csi)

Infos

  1. CRA-Webseite der Linux Foundation: https://linuxfoundation.eu/cyber-resilience-act
  2. CRA-Webseite der OpenSSF: https://openssf.org/public-policy/eu-cyber-resilience-act/
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