Bitkom fordert Strompreisentlastungen für Rechenzentren

Rechenzentren müssen bei Strompreisentlastungen berücksichtigt werden. Das ist das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, das der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.

Rechenzentren müssen bei Strompreisentlastungen berücksichtigt werden. Das ist das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, das der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.

Hintergrund ist, dass die EU-Kommission vergünstigte Industriestrompreise in Deutschland genehmigt hat, wobei allerdings Rechenzentren und digitale Infrastrukturen unberücksichtigt bleiben. Der Befund des Bitkom-Gutachtens zeige aber: Eine Entlastung ist nicht nur europarechtlich zulässig, sie ist aus Sicht des Gutachtens sogar notwendig, damit die bestehenden EU-Regeln ihr Ziel erreichen, berichtet der Digitalverband.

Wie das Gutachten zeigt, zielen die aktuellen EU-Regelungen zur Strompreisentlastung darauf ab, die Abwanderung energieintensiver Branchen zu verhindern. Rechenzentren sind in der maßgeblichen Liste betroffener Branchen nicht aufgeführt, dabei sind sie wesentlicher Bestandteil genau jener Industrien, die geschützt werden sollen, so der Bitkom.

Rechenzentren verbrauchen in Deutschland derzeit rund 21 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr, 2030 werden es rund 30 Milliarden Kilowattstunden sein. Stromkosten sind der größte Kostenfaktor und machen rund die Hälfte der Betriebskosten eines Rechenzentrums aus. Anders als klassische Produktionsanlagen sind sie aber flexibler bei ihrer Standortwahl. Das Risiko, dass neue Kapazitäten außerhalb Europas entstehen, ist entsprechend hoch, wie das Gutachten schlussfolgert. Es wurde erstellt von Prof. Dr. Christian Koenig, LL.M. (LSE), Direktor am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) der Universität Bonn.

Das Gutachten warnt in diesem Zusammenhang vor einem Dominoeffekt: Werden Rechenkapazitäten aufgrund hoher Strompreise in großem Stil außerhalb Europas gebaut, geraten europäische Unternehmen in neue Abhängigkeiten. Denn Cloud- und KI-Leistung sind zunehmend ein Standortfaktor, auch für produzierende energieintensive Branchen. Höhere Latenzen, steigende Cyber- und Datenrisiken sowie geopolitische Unsicherheiten würden zunehmen. Im Extremfall folgt die Industrie der digitalen Infrastruktur ins Ausland, weil Rechenkapazitäten und KI-Fähigkeiten dort näher, billiger oder verlässlicher verfügbar sind. Das Gutachten beschreibt dieses Risiko als „Adhäsionsmigration“: Industrie wandert Rechenzentren hinterher, was gravierende Folgen für Wertschöpfung und Innovation in Europa hätte.

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