Aus Linux-Magazin 04/2025

"Ada & Zangemann": Ein Animationsfilm nicht nur über Open Source

Pünktlich zur dunklen Jahreszeit veröffentlichte die FSFE 2024 den Zeichentrickfilm zum Kinderbuch “Ada & Zangemann – Ein Märchen über Software, Skateboards und Himbeereis”. Wir haben es uns mit den Kindern auf dem Sofa gemütlich gemacht, um Stimmen aus der Zielgruppe einzuholen.

Als vor gut drei Jahren das Kinderbuch “Ada & Zangemann” [1] von Matthias Kirschner mit Illustrationen von Sandra Brandstätter erschien, dachte ich: “Endlich! So ein Buch fehlt schon lange.” Erwartungsgemäß fielen die Rezensionen [2] damals überaus positiv aus. Für mich gab es dabei jedoch einen kleinen Haken: Die Kritiken stammten allesamt von Erwachsenen.

Mein Sohn war im November 2021 noch zu klein, um eine derart komplexe Geschichte zu verstehen. Die beiden älteren Jungs meines Partners kannte ich noch nicht. Ziemlich genau drei Jahre später feierte der Zeichentrickfilm [3] zu “Ada & Zangemann” seine Premiere. Selbstverständlich packte ich die Gelegenheit beim Schopf herauszufinden, wie der Stoff wohl bei der eigentlichen Zielgruppe ankommt.

Um unsere Rezensenten Ben (15 Jahre), Nick (13 Jahre) und Julian (5 Jahre) nicht allzu sehr zu beeinflussen, verlor ich über den Inhalt des Films nur wenige Worte. Da saßen sie nun auf dem Sofa und hatten keine Ahnung, was sie gleich sehen würden. Die beiden Großen bat ich, sich Notizen zu machen. Ich selbst war gespannt, ob sich meine Erwartungen bezüglich ihrer Reaktionen bestätigen würden.

TIPP

Auf der Heft-DVD dieser Ausgabe finden Sie die deutschsprachige Fassung des Films “Ada & Zangemann” in HD-Auflösung. Sie unterliegt der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA 4.0 International [4], die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der FSFE.

Die Guten und die Bösen

Zumindest mit einer Annahme lag ich richtig: Ben identifizierte Zangemann (Abbildung 1) sofort als Steve Jobs. Die These, unsere Jungs würden Zangemann sowie Ada und die Kinder womöglich in die Lager Gut und Böse einteilen, hielt der Realität nicht stand. Während Ben und Nick die beiden Kategorien überhaupt nicht nutzten, klärte mich Julian bezüglich Zangemann auf: “Der will bloß seinen Willen durchsetzen. Deswegen ist er so wütend und so fies zu den Leuten. Aber ich glaube, der Zangemann ist auch traurig: Weil der denkt ja, dass seine Sachen so toll sind und jetzt will die keiner mehr haben.”

Abbildung 1: Eine Ähnlichkeit mit Steve Jobs besteht bei Zangemann sicher, doch ich sehe in der Figur auch mindestens einen Hauch Jeff Bezos.

Abbildung 1: Eine Ähnlichkeit mit Steve Jobs besteht bei Zangemann sicher, doch ich sehe in der Figur auch mindestens einen Hauch Jeff Bezos.

Was die Reaktion Adas und der Kinder auf Zangemanns Fernsteuern seiner Geräte angeht, überraschte mich Julian ein weiteres Mal. Für ihn schien es vollkommen logisch und selbstverständlich, dass die Kinder ihre Skateboards, Lautsprecher und so weiter umprogrammierten. Immerhin macht man das doch so – wenn ein Gerät nicht wunschgemäß funktioniert, muss man ihm eben andere Befehle geben.

Ben sah in Ada und ihren Aktionen vor allem ein großes Vorbild für andere Kinder. Er fand es super, dass die Kids ihre Kreativität (Abbildung 2) auslebten. Für Nick war Zangemanns Ärger darüber, dass immer mehr seiner Geräte nicht mehr seinen Anweisungen folgen, einfach zu erklären: “Zangemann hasst das, weil er ein Egoist ist. Außerdem hat er Angst um sein Geld. Er will der einzige sein, der das Zeug baut.”

Abbildung 2: Adas modifiziertes Skateboard regt den Erfindergeist und die Kreativität der anderen Kinder an.

Abbildung 2: Adas modifiziertes Skateboard regt den Erfindergeist und die Kreativität der anderen Kinder an.

Zangemann zwingt den Präsidenten schließlich dazu, ein Gesetz zu seinen Gunsten zu erlassen. Demnach dürfen die Leute nur noch Hardware mit dem großen Z benutzen. Als Ada und die Kinder vor dem Rathaus dagegen demonstrieren, zeigt sich der Präsident einsichtig. “Klar”, bemerkte Nick, “sie können ihre Sache ja auch richtig gut erklären.” Ben und Nick waren sich einig: Wenn ihnen etwas Ähnliches wie Ada und Co. passierte, würden sie sich genauso verhalten. Immerhin sei es doch ungerecht, dass einzelne wegen ihres Einflusses einfach machen und veranlassen könnten, was sie wollen.

Fazit

Unterm Strich haben mich die Ansichten der Kinder eher überrascht als bestätigt. Gerade bei den Figuren des modernen Märchens hatte ich erwartet, dass die beiden älteren Jungen deutlich mehr Parallelen zu real existierenden Personen ziehen – der Präsident beispielsweise weist optisch einige Ähnlichkeiten zum amtierenden US-Präsidenten auf. Obgleich den Kindern offensichtlich stellenweise das Wissen fehlt, um die vielen, teilweise versteckten Bezüge zur echten Welt zu entdecken, kommen die wichtigen Botschaften der Geschichte an. Besonders habe ich mich am Schluss über ihre Frage nach weiteren Folgen gefreut. Eine Fortsetzung von “Ada & Zangemann” würde auch ich herzlich gern lesen oder sehen.

Das Buch

Matthias Kirschner, Sandra Brandstätter

Ada**& Zangemann

dpunkt, 2021

56 Seiten, 17 Euro

ISBN: 978-3-96009-190-5

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