Am 19. Januar 2038 um 03:14:07 UTC stößt die 32-Bit-Zeitrechnung aus der Unix-Epoche an ihre Grenze, weil der maximale Wert einer 32-Bit-Ganzzahl überschritten wird. Dieses Jahr-2038-Problem geht das Debian-Projekt mit einer 64-Bit-Zeit-Initiative nun an.
Das in Sekunden dargestellte Zeitformat der Unix-Epoche (00:00:00 UTC am. 1. Januar 1970) erreicht am 19. Januar 2038 seinen maximalen Wert. Wenn dieser Zähler dann überläuft drohen bei Systemen, die das 32-Bit-Zeitformat nutzen Probleme, unter anderem muss dann mit dem Zurücksetzen der Zeit auf das Jahr 1900 gerechnet werden. Die Folgen sind ähnlich unberechenbar wie beim bekannten Jahr-2000-Problem.
Debian will sich nun frühzeitig um das Problem kümmern. Zwar würden die meisten Computer, insbesondere solche, die Debian oder seine Derivate verwenden, auf 64-Bit-Hardware betrieben, wo dieses Problem nicht auftrete, es gebe aber immer noch eine Menge 32-Bit-Rechner, und es werden immer noch neue Geräte ausgeliefert, etwa in den Bereichen Automobil, IOT, Fernseher, Router, Anlagensteuerung, Gebäudeüberwachung/-steuerung, billige Android-Telefone, berichtet das Debian-Projekt.
Da ein Teil dieser Hardware wahrscheinlich unter Debian oder seinen Derivaten laufe, habe man die Initiative gestartet. Auch weil andere Binärdistributionen die 32-Bit-Unterstützung einstellen, wie RedHat und Fedora und auch Suse, das nur inoffizielle Unterstützung biete, sei damit zu rechnen, dass das, was übrig bleibe, eher im Debian-Ökosystem landen werde.
Debian kümmere sich nun in erster Linie um die armhf-Architektur als diejenige 32-Bit-Architektur, die am wahrscheinlichsten im nächsten Jahrzehnt noch signifikant in neuen Systemen verwendet werded. Aber i386, armel, mipsel und hppa, hurd-i386, powerpc, m68k und sh4 Ports seien ebenfalls betroffen, heißt es weiter. Andere 32-Bit-Architekturen würden bereits 64-Bit-Zeit verwenden, Debian rechnet x32, riscv32, arc und loong32 dazu.
Nach einer langen Diskussion hat Debian beschlossen, eine architekturinterne ABI-Transition (Application Binary Interface) für alle 32-Bit-Architekturen durchzuführen. Ausgenommen seien i386 und hurd-i386. Der i386-Port soll mit bestehender 32-Bit time_t als Kompatibilitätsarchitektur für bestehende x86-Binärdateien belassen werden. Die hurd-i386-Portierung wiederum werde nicht umgestellt, da ihr Kernel nicht unterstützt werde, man wolle hier wohl stattdessen auf hurd-amd64 umstellen.
Etwa 495 Bibliothekspakete bräuchten nach Stand einer Analyse die ABI-Änderung, und zwischen 5063 und 5975 Pakete, die von diesen abhängen, benötigen einen unveränderten Rebuild, berichtet Debian, dazu zählten auch noch 600 bis 700 Perl-Pakete. Debian ist die Umstellung bereits angegangen. Wenn alle Probleme gelöst sind, soll der Upload aus dem Experimental-Zwei zuerst nach Unstable und dann nach Testing erfolgen. Ein eigens dafür eingerichtete Wiki-Seite nennt alle Details. Die Seite gibt einen Überblick zum Jahr-2038-Problem.




