Auch 2023 trafen sich wieder Experten und Interessierte – Admins, DevOps-Ingenieure, Architekten, Entwickler und Manager – zum Thema Open-Source-IT-Infrastruktur auf der Stackconf in Berlin.
Das Themenspektrum der von der Netways Event Services GmbH [1] ausgerichteten englischsprachigen Konferenz war gewohnt breit und interessant, die Referenten [2] hochkarätig, das Publikum international. Wenn man ein Haar in der Suppe finden wollte, dann war es die große Zahl von Vorträgen von Herstellern über eigene Produkte, die zwangsläufig wohlwollend ausfallen mussten. Das begann schon am ersten Konferenztag mit Roman Khavronenko, Mitgründer der Monitoring-Lösung VictoriaMetrics [3]. Die pries er als besonders kostensparend und effektiv an, was er teils mit einem von ihm selbst entworfenen und ausgeführten Benchmark gegen den Konkurrenten Prometheus belegte. Es gibt zwar keinen Anhaltspunkt dafür, die Ergebnisse zu bezweifeln, aber eine unparteiische Bewertung darf man wohl ebenfalls ausschließen.
Einem ähnlichen Strickmuster folgte der – dennoch spannende – Vortrag von Frank Karlitschek, Gründer von Nextcloud [4], der zunächst sein Produkt vorstellte. Er verwies auf bekannte Funktionen wie Fileserver und Sync, Videoconferencing, Groupware und Office und stellte daneben neue KI-gestützte Features vor, die auf Bildgeneratoren und Large-Language-Modelle bauen. Letztere können beispielsweise übersetzen, Diktate aufnehmen oder beim Umformulieren von Texten helfen. Für alle diese Funktionen kann man aus Alternativen wählen, von denen jeweils mindestens eine lokal läuft. Das sei einzigartig auf der Welt, betonte Karlitschek. Nextcloud habe dafür extra Grundsätze einer ethischen KI entwickelt, auf der Basis von Open-Source-Code, frei verfügbaren Modellen und frei zugänglichen Trainingsdaten.
In einem zweiten Teil seines Vortrags demonstrierte Karlitschek dann die Skalierbarkeit von Nextcloud. Die Beispiele reichten von einer Ausführung auf dem Raspberry Pi für maximal 10 Clients über eine Variante mit dediziertem Server für bis zu 10 000 Benutzer bis hin zu einem Modell mit vielen Servern hinter einem Load Balancer für 5 Millionen User. Das Ganze gipfelt schließlich in einer realisierten Installation beim mexikanischen Telekommunikationsriesen América Móvil für 20 Millionen Nextcloud-Nutzer. Alles klang interessant und stammte aus erster Hand, aber die Bewertung war hundertprozentig vorhersehbar.
Das trifft auch auf einen Vortrag zu, der eine Umkehr in Sachen DevOps forderte: Heutige Lösungen kranken nach Meinung von Paul Stack an zu vielen Tools, zu vielen Abstraktionsebenen und zu hoher Komplexität. Die Kritik mündete in der Vorstellung einer vorgeblich leichtgewichtigeren und besser handhabbaren Alternative, die – was Wunder – Stacks Arbeitgeber System Initiative [5] entwickelt. Wirklichkeitsgetreue Modelle simulieren dabei dynamisch Konfigurationsänderungen und reflektieren, wie deren Ergebnisse sich auf das gesamte System auswirken. Das mag ein spannendes Projekt sein, das Aufmerksamkeit verdient, allein das Eigenlob nimmt ihm einen Teil der Glaubwürdigkeit: Was sollte ein Angestellter über die Erzeugnisse seines Arbeitgebers in der Öffentlichkeit sonst sagen?
Sehr gut gelungen – wie traditionell auf Netways-Konferenzen – waren die Organisation und der Ausklang des ersten Konferenztags in einer hippen Berliner Lokalität, der in gemütlicher Atmosphäre viel Raum für Diskussionen und Erfahrungsaustausch bot. Hier konnte die ausrichtende Netways-Tochterfirma erneut ihr professionelles Event-Management unter Beweis stellen. (jcb/jlu)
Infos
- Netways Event Services GmbH: https://www.netways.de/events
- Referenten: https://stackconf.eu/speakers/
- VictoriaMetrics: https://github.com/VictoriaMetrics
- Nextcloud: https://nextcloud.com/de/
- System Initiative: https://www.systeminit.com






