Observability, der Oberbegriff zu Monitoring, meint die Fähigkeit, den Status eines komplexen Systems anhand externer Messwerte zu beurteilen. Das Thema wurde auch auf der diesjährigen Open Source Monitoring Conference oft zitiert. Daneben ging es um konkrete Techniken und Programme, organisatorische und rechtliche Aspekte, Neuheiten und vieles mehr rund um die Systemüberwachung.
Unter Stammbesuchern der Open Source Monitoring Conference hat es sich längst herumgesprochen, dass der Vortrag von Netways-Geschäftsführer Bernd Erk zum Status des hauseigenen Icinga-Projekts Jahr für Jahr ein Highlight ist. Auch in diesem Jahr konnte sich das Publikum wieder über einen launigen und humorvollen Vortrag freuen, auch wenn der inhaltlich nicht mit atemberaubenden Novitäten aufwartete. Das lässt sich mit gutem Willen durchaus als Vorteil lesen: Icinga entwickelt sich stetig und verlässlich weiter, ohne spektakuläre Sprünge, aber auch ohne Effekthascherei und kurzlebige Moden.
Die IcingaDB hat nach längerer Entwicklungszeit im Sommer endlich die Produktionsreife erlangt, mit dem Icinga-Release 2.13.6 im November 2022 hat sich ihre Performance (wie auch die anderer Komponenten) noch einmal verbessert. Alle Module wurden im letzten Jahr überarbeitet, das für vSphere erhielt eine verbesserte Benutzerschnittstelle. Das Reporting lässt sich nun optisch auf die CI des Kunden zuschneiden. Icinga Web unterstützt nun das neuere PHP 8.1, Icinga für Windows ist vorangekommen. Kleinere Updates gab es an etlichen Orten, beispielsweise beim Modul für das Business Process Modelling.
Breit gefächert
Das Themenspektrum der Konferenz war ansonsten breit gefächert. Es reichte von der Beschreibung eines bei der Datev eG entwickelten Mechanismus für Ansible, bei dem Ereignisse Aktionen auslösen können, bis zur Vorstellung einer ganz ähnlichen Idee, die parallel dazu Red Hat höchstselbst seinem Produkt spendiert hat: Event-driven Ansible. Ebenfalls noch nah am eigentlichen Thema der Konferenz waren die Vorstellung einer Monitoring-Anwendung auf der Grundlage des in Clojure geschriebenen Event-Aggregators und Stream-Prozessors Riemann (Pradeep Chhetri, Cloudflare) sowie eine Demo des von Grund auf redesignten Thruk 3, einer Benutzerschnittstelle für Icinga, Naemon oder Shinken (Sven Nierlein, ConSol).
Gleich mehrmals ging es um Prometheus, den derzeitigen Standard der Metriksammler für Cloud-Native-Umgebungen, nebst den üblichen Begleitern wie Grafana oder Jaeger. Dass aber auch dieses Setup nicht alle möglichen Szenarios bedienen kann, verdeutlichte Collin Douch (Cloudflare), der auf Umstände verwies, mit denen Prometheus schlecht zurechtkommt. Dazu gehören unter anderem extrem kurzlebige oder nicht vernetzte Prozesse. Er stellte eine Eigenentwicklung vor, die den Pull-Mechanismus von Prometheus durch eine Möglichkeit ersetzt, auf Pushes zu reagieren; und die zudem vielfältige Metrik-Typen aggregieren kann.
Daneben gab es aber auch Vorträge fast ohne technischen Bezug. In diese Kerbe schlug etwa eine Einführung in die Mitbestimmungsrechte von deutschen Betriebsräten bei der Einführung von Monitoring-Systemen, die es erlauben, das Verhalten oder die Leistung von Arbeitnehmern zu überwachen (Patrick Lange, CLAAS KGaA mbH). Wieder andere Referate waren zwar technisch orientiert, bezogen sich aber auf Monitoring im weiteren Sinn, etwa Holger Kochs (DB Systel) Vorstellung der sehr mächtigen und gleichzeitig leicht beherrschbaren IoT-Software ThingsBoard.
Aus Erfahrung gut
Auch der freie Erfahrungsaustausch der Teilnehmer untereinander kam nicht zu kurz. Viele Gelegenheiten dafür ergaben sich in den großzügig bemessenen Pausen und besonders während des perfekt organisierten Social Events am Ende des ersten Konferenztags.






