Aus Linux-Magazin 08/2022

OpenInfra Summit in Berlin

© Computec Media GmbH

Nach einer Corona-Zwangspause von rund zweieinhalb Jahren hat im Congress Centrum in Berlin ein OpenInfra Summit in Präsenz stattgefunden. Die OpenInfra Foundation berichtete von wachsenden Mitgliederzahlen und will Projekte fördern.

Jonathan Bryce, Executive Director der OpenInfra Foundation, konnte bei der Keynote in Berlin rund 1000 Teilnehmer begrüßen. Auf der dreitägigen Konferenz [1] warteten über 100 Sessions auf die Besucher. Bryce berichtete zudem von einem gesunden Zuwachs an Organisationen, die die OpenInfra Foundation unterstützen: Seit Januar 2021 gab es ein Plus von 33 Prozent, auch neue Platin-, Gold- und Silber-Mitglieder sind dazugekommen. Just zu diesem Zeitpunkt hatte sich die OpenStack Foundation in OpenInfra Foundation umbenannt. Entsprechend firmiert nun auch die Konferenz als OpenInfra Summit statt wie zuvor als OpenStack.

Im Gespräch mit dem Linux-Magazin sagte Bryce (Abbildung 1, links), dass er den Zuwachs an Mitgliedern und Unterstützern auch auf den breiteren Ansatz der OpenInfra-Stiftung zurückführe. Mit dem Fokus auf OpenStack sei die Vorgängerstiftung enger begrenzt gewesen, ergänzte Mark Collier, Chief Operating Officer der Stiftung. Dennoch konnte in Berlin auch das zehnjährige Jubiläum von OpenStack gefeiert werden. Mit einem Wachstum von 66 Prozent der OpenStack-Deployments aller Größenordnungen gebe es nun über 25 Millionen in Betrieb befindliche Cores. Mit dem LOKI getauften Standard (Linux, OpenStack, Kubernetes-Infrastruktur) sehe man eine wachsende Zahl von Organisationen, die die drei weltweit größten Open-Source-Projekte nutzen.

Wachstumspotenzial

Mark Collier verwies in seiner Keynote darauf, dass noch im April 2022 der Amazon-CEO Andy Jassy erläutert hatte, 95 Prozent der weltweiten IT-Ausgaben landeten On Premises und nicht in der Public Cloud. Dass hinter dem verbleibenden 5-Prozent-Anteil dennoch 180 Milliarden US-Dollar steckten, zeige das enorme Potenzial des künftigen Cloud-Markts. Collier zufolge hält Amazon mit 33 Prozent die Führungsposition im weltweiten Cloud-Markt. Auf Platz zwei folgen mit 27 Prozent bereits “Others”, darunter eine Vielzahl von Firmen aus der OpenInfra-Community. Dieser Markt werde in den kommenden Jahren exponentiell wachsen, prophezeite Collier, und damit auch die Anteile der OpenInfra-Community.

Projektakquise

Die Stiftung stellte in Berlin eine weitere Neuerung vor: Für interessierte Projekte werde es seitens der OpenInfra Foundation ein Directed Funding für ein Projekt-Hosting geben, erläuterte Allison Price (Abbildung 1, rechts), die als Director of Marketing & Community der Stiftung fungiert. Die Foundation will damit an die Erfolge mit den bereits unter ihren Fittichen stehenden Projekten OpenStack, Kata Containers und StarlingX anknüpfen. Mit Directed Funding schaffe man die Möglichkeit, bestimmte Projekte direkt zu finanzieren.

Abbildung 1: Jonathan Bryce und Allison Price von der OpenInfra Foundation bei der Keynote in Berlin.

Abbildung 1: Jonathan Bryce und Allison Price von der OpenInfra Foundation bei der Keynote in Berlin.

Geplant sei dabei, dass es für den Projektfonds jeweils eine projektspezifische Finanzierung mit einem Verwaltungsrat gebe, der aus mindestens einem OpenInfra Foundation Platinum Member als Sponsor und mehreren Finanzierungspartnern bestehe. Dieses Konstrukt soll genügend Flexibilität bieten, um sich nach den Bedürfnissen des Projekts richten zu können. Projekte könnten dabei außer von der Finanzierung von einem globalen Netzwerk von rund 110 000 Personen in 182 Ländern mit über 700 Organisationen profitieren. Beim Aufbau von erfolgreichen, nachhaltigen offenen Infrastrukturprojekten orientiere man sich an den Four Opens, die da heißen: Open Source, Open Design, Open Development, Open Community.

Digitale Souveränität

Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, hob bei einem Auftritt während der Keynote beim OpenInfra Summit die Bedeutung von digitaler Souveränität hervor. Die Regierung unterstütze den Weg dorthin in verschiedenen Richtungen, unter anderem durch die Finanzierung des Sovereign Tech Fund [2]. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, das Open-Source-Ökosystem zu stärken und den Fokus auf Sicherheit, Resilienz, technologische Vielfalt und auf die Menschen hinter den Projekten zu richten.

Die digitale Souveränität habe für die deutsche Regierung und das Wirtschaftsministerium hohe Priorität, betonte Brantner, und ermutigte die in Berlin anwesende Community, sich bei diesem Thema einzubringen. Die Politik sei bei diesem Thema auch auf die Hilfe und die Mitwirkung der Open-Source-Gemeinde angewiesen, so Brantner, die Bedeutung von Open Source in diesem Zusammenhang sei unbestritten.

In seinem Vortrag zur digitalen Souveränität sagte Eduard Itrich, Community Manager beim Sovereign Cloud Stack [3], dass eine offene Infrastruktur der Schlüssel zu Unabhängigkeit, Vertrauen und Innovation sei. Um digitale Souveränität wirklich zu erreichen, müsse man Skills aufbauen und Wissen frei und unbegrenzt teilen können, insbesondere operatives Know-how.

Energie sparen

Stuart Grace, Entwicklungsingenieur bei BBC Research and Development [4], präsentierte in Berlin Dashboards für OpenStack, mit denen Nutzer privater OpenStack-Clouds die Kohlendioxid-Emissionen verfolgen können, die jede ihrer VMs verursacht.

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des britischen Staatssenders beschäftige rund 200 Mitarbeiter, die an innovativen Technologien forschen und entwickeln, sagte Grace (Abbildung 2) bei seinem Auftritt. In der Forschung und Entwicklung haben man einige private Clouds für den Eigenbedarf aufgebaut, berichtete er. Die würden mit OpenStack und Ceph betrieben, mit Ansible eingerichtet und mit Prometheus überwacht. Da auch die BBC plane, bis 2030 CO2-neutral zu werden, habe man sich der Energiebilanz dieser Installationen gewidmet.

Dabei sei das Ziel gewesen, die OpenStack-Bilanz detailliert zu messen, und so habe man mit der Datenerfassung ganz unten angefangen: bei den Registern der CPUs für das Running Average Power Limit (RAPL), die den Energieverbrauch von CPU und DRAM pro Millisekunde meldeten. Der Linux-Kernel wiederum melde die CPU-Nutzung für jeden Prozess. Mit einem von Hubblo entwickelten Open-Source-Metering-Agent namens Scaphandre lassen sich diese Datenquellen kombinieren, um so den Stromverbrauch eines jeden Prozesses auf einem Bare-Metal-Rechner zu berechnen, erläuterte Grace.

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Abbildung 2: Stuart Grace von der BBC zeigte Dashboards für den CO2-Ausstoß. Quelle: Linux-Magazin

Anschließend habe man die Instanz-Metadaten von der OpenStack-API abgefragt, um den Namen und das zugehörige Projekt für jeden KVM-Prozess zu finden. Aber damit nicht genug: Da es bei der Stromgewinnung Unterschiede gebe, sei auch dieser Parameter berücksichtigt worden, so Grace. Ein mit Windenergie erzeugtes Kilowatt verursache schließlich weniger CO2 als ein mit Gas erzeugtes.

In Großbritannien sei der National Grid Electricity System Operator für die Verteilung des gesamten Stroms von den Erzeugern zu den Verbrauchern zuständig, erklärte Grace. Der wiederum verfüge über eine offene API, die historische, aktuelle und prognostizierte Daten über den Mix der Brennstoffquellen liefere, die für jede Region in Großbritannien Strom erzeugen, und auch die Menge an Kohlendioxid, die für jede erzeugte Kilowattstunde Strom emittiert werde. Unter anderem könne der Anwender den CO2-Ausstoß senken, indem er nicht zeitkritische Tasks auf Zeitfenster schiebt, in denen viel Windenergie zum Einsatz kommt, so Grace. Sein Kollege Sonal Tandon produzierte derweil in Grafana verschiedene Dashboards, um alle diese Informationen den Nutzern präsentieren zu können.

Infos

  1. OpenInfra Summit Berlin: https://openinfra.dev/summit/
  2. Sovereign Tech Fund: https://sovereigntechfund.de/
  3. Sovereign Cloud Stack: https://scs.community/
  4. BBC Research and Development: https://www.bbc.co.uk/rd
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