RKI-Auswertungen nach einem Jahr Corona-Warn-App

Vor rund einem Jahr am 16. Juni ist die Corona-Warn-App (CWA) veröffentlicht worden. Das Robert Koch Institut (RKI) und das Bundesgesundheitsministerium haben nun eine vorläufige Bilanz dieser ersten 365 Tage gezogen.

Die CWA sei bis dato im Apple App Store und Google Play Store 28,2 Millionen Mal heruntergeladen worden, teilt das RKI mit. Wieviele Nutzer tatsächlich aktiv seien, lasse sich aufgrund der Datenschutzanforderungen der CWA nicht sagen. Insgesamt seien aber 15,6 Millionen Testergebnisse über die App empfangen worden.

Weil wegen des dezentralen und anonymen Ansatzes der CWA keine Daten gesammelt werden, greift das RKI für seine Auswertung im wesentlichen auf zwei Datenquellen zurück, die der freiwillige Datenspende (Privacy Preserving Analytics) und der Event-Driven User Survey (EDUS). Die Funktion der freiwilligen Datenspende bietet die App seit der Version 1.13 vom 4. März 2021 an. Bis zum 2. Juni 2021 spendeten mehr als 8 Millionen CWA-Nutzende ihre Daten, teilt das RKI mit. Aus diesen gespendeten Daten lasse sich in Abhängigkeit mehrerer Faktoren, wie den jeweils aktuellen Regelungen der Kontaktbeschränkungen, aber auch technischer Annahmen etwa über die aktiven Nutzer ableiten, dass ein Nutzer, der sein positives Ergebnis teilte, zwischen 5 bis 10 andere Nutzer warne, lässt das Institut wissen. Diese erhielten dann eine rote Warnung.

Die ereignisbezogene Befragung EDUS wiederum sei eine Online-Befragung, zu der Nutze eingeladen wurden, die über die CWA eine rote Warnung erhalten hatten, heißt es vom RKI. Die Erhebung habe eine Basisbefragung und eine Folgebefragung (5 Tage später) umfasst, heißt es weiter. Der Erhebungszeitraum sei vom 4. März 2021 bis 27. Mai 2021 gewesen.

An der Basisbefragung hätten 26.094 Personen teilgenommen und 15.561 an der Folgebefragung. Eine Auswertung der soziodemographischen Daten zeige, dass 51,9 Prozent der Teilnehmenden weiblich waren, 43,6 Prozent männlich und 4,5 Prozent keine Angaben zu ihrem Geschlecht machten, schreibt das RKI. Bei den meisten Befragten sei während der letzten 14-Tage die Risikoermittlung durchgängig (87,9 Prozent) oder zumindest in mehr als der Hälfte der Zeit (4 Prozent) aktiviert gewesen. Etwa zwei Drittel der Befragten hätten angegeben, sie seien von der Warnung über einen riskanten Kontakt überrascht gewesen.

Die Frage, ob man einen SARS-CoV-2-Test machen werde, hätten 65,1 Prozent mit ja beantwortet. Weitere 15,8 Prozent hätten dies vom ärztlichen Rat oder dem Rat eines Gesundheitsdienstes abhängig gemacht. In der Folgebefragung hätten dann 86,9 Prozent angegeben, dass Sie einen SARS-CoV-2-Test infolge der CWA-Warnung hätten durchführen lassen. Insgesamt seien rund 6 Prozent der Teilnehmenden der Folgebefragung positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, heißt es in der Auswertung. Davon hätten wieder 80,3 Prozent ihr Testergebnis über die CWA geteilt, um andere zu warnen.

Das RKI hat in einer ersten Schätzung die Daten aus der Datenspende und der Befragung kombiniert und kommt so zu einer Einschätzung der Wirksamkeit. Ausgehend von 4000 positiven Testergebnissen an einem bestimmten Tag folge, dass dann zwischen 20.000 und 40.000 CWA-Nutzende gewarnt werden. Von diesen würden sich wiederum

zwischen 16.000 und 32.000 testen lassen und zwischen 1000 bis 2000 positiv auf SARS-CoV-2 getestet werden, hat das RKI hochgerechnet. Rechnet man die Schätzungen auf alle knapp 475.000 geteilten positiven Testergebnisse in der CWA hoch, so würden sich daraus 2,4 bis 4,8 Millionen rote Warnungen ergeben und etwa 1,9 bis 3,8 Millionen durchgeführte Tests. Daraus würden dann zwischen 110.000 bis 230.000 CWA-Nutzende folgen, die nach einer roten Warnung positiv getestet worden seien.

Wie das RKI mitteilt, seien Analyse und Ergebnisse vorläufig und es sei eine differenzierte Auswertung in einer wissenschaftlichen Arbeit geplant. Dennoch sei eine Einschätzung möglich und die CWA leiste einen wichtigen Beitrag um Infektionsketten zu unterbrechen. Dies zeige sich daran, dass CWA-Nutzende häufig über die rote Warnung überrascht seien und infolge der Meldung ihr Verhalten anpassen und Maßnahmen zur Vermeidung einer Weitergabe einer möglichen Infektion ergreifen, so das RKI. Nutzende, die ein erhöhtes Risiko haben, ließen sich dann testen.

Mehrheitlich waren die Nutzer von der Warnung überrascht. Quelle: RKI

Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Testergebnisses ist bei CWA-Nutzenden mit roter Warnung sei gegenüber der Gesamtbevölkerung deutlich erhöht und entspreche etwa der Positivrate, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung beobachtet werden könne. Im Falle eines positiven Testergebnisses hätten die CWA-Nutzenden dieses auch über die CWA weiter gegeben, um Kontakte zu warnen.

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