Aus Linux-Magazin 06/2021

Bücher über Gaming-Pioniere und für Python-Eleven

Das erste Buch ist die Selbstbeschreibung des außergewöhnlichen Lebens eines schwarzen Gaming-Pioniers, das zweite will Lesern ohne Vorkenntnisse das Programmieren in Python lehren.

“Imagine That!” ist die Autobiografie von Ed Smith, eines Afroamerikaners und Pioniers der amerikanischen Videospielindustrie. Es beginnt mit hilfreichen Vorbemerkungen des Übersetzers und Herausgebers, des deutschen Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Stefan Piasecki, der sich in zahlreichen Arbeiten mit Computerspielen und deren Geschichte befasst hat. Für deutsche Leser wirft er ein Schlaglicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in amerikanischen Großstädten Ende der siebziger Jahre. Die Rassentrennung war erst seit einem Jahrzehnt aufgehoben, doch war latenter Rassismus noch immer allgegenwärtig. In dem afroamerikanisch geprägten Viertel Brownsville, einem Teil des New Yorker Stadtbezirks Brooklyn, in dem Ed Smith aufwuchs, herrschten Armut, Rauschgift und Gewalt. Ed Smiths spätere Karriere als IT-Manager schien alles andere als vorgezeichnet, und etliche seiner Bekannten aus dieser Zeit versanken in Kriminalität und Drogenelend.

Als Verkehrssignaltechniker kam Ed Smith erstmals mit der damals brandneuen Mikroprozessortechnik in Kontakt. Das erlaubte es ihm, sich im nächsten Schritt bei der Firma APF zu bewerben, die eine Videospielkonsole (MP1000) im Portfolio hatte, die sie schließlich unter seiner maßgeblichen Mitarbeit zu dem wahrscheinlich allerersten hybriden Heimcomputer überhaupt ausbaute: der Imagine Machine. Zu Ed Smiths Aufgaben gehörte es dann, das Produkt als technischer Spezialist potenziellen Verkäufern zu präsentieren. Dabei erschloss sich ihm nach und nach auch die Business-Welt, in der er als Farbiger zu dieser Zeit eine absolute Ausnahme darstellte.

Nach einer kurzen Blütezeit verlor die Imagine Machine gegen die Konkurrenz von Commodore, Apple und Atari deutlich an Boden. Die setzten teils schon auf die ersten Diskettenlaufwerke, die die bis dahin verwendeten Tonbandkassetten als Massenspeicher ablösten. APF endete im Konkurs, aber Ed Smith konnte seine Karriere in der IT-Industrie unter anderem bei Apple sowie später Novell und Infosys fortsetzen. Mit Mut, Optimismus, Wissensdurst, Einsatzwillen, Risikobereitschaft und Talent gelang es ihm tatsächlich, so etwas wie den amerikanischen Traum zu verwirklichen. In dieser Beziehung kann er auch heute noch ein Vorbild sein.

Hätte man dem sehr lesenswerten Buch etwas wünschen dürfen, dann wäre es eine etwas kompetentere technische Herstellung gewesen: Satzfehler wie Hurenkinder und Schusterjungen (letzte Zeilen eines Absatzes am Seitenanfang beziehungsweise erste Zeilen eines Absatzes am Seitenende) finden sich neben ungeschickt eingebauten Abbildungen gleich dutzendweise.

Infos

Edward Lee Smith

Imagine That!

Edition vi:jo, 2020

220 Seiten, 22,90 Euro

ISBN: 978-9-4036-1389-5

Der kurze Weg

Mit dem Python-Lehrbuch “Python 3” beginnt der mitp-Verlag eine neue, “Schnelleinstieg” getaufte Buchreihe. Schon das Cover verspricht: “Programmieren lernen in 14 Tagen. Einfach und ohne Vorkenntnisse zum Profi.” Auch wenn das sicherlich etwas zu vollmundig ist – schließlich macht den Profi seine Erfahrung aus, für deren Erwerb sich die Zeit nicht beliebig verkürzen lässt –, eines stimmt: Das Buch vermittelt die Python-Grundlagen tatsächlich in leicht verständlicher und kompakter Form an Leser, die dazu kein Vorwissen mitbringen müssen.

Die Methode unterscheidet sich dabei nicht wesentlich von herkömmlichen Einführungen: Erste interaktive Versuche in einer Python-Shell führen zu Variablen und Datentypen, die der Leser in einfachen Kommandozeilenprogrammen ausprobiert. Es folgen Kontrollstrukturen wie If-Then-Konstrukte und Schleifen, danach Funktionen mit und ohne Parameter und ein kurzer Abstecher zur Rekursion. Weiter geht es mit Modulen, sowohl vorgefertigten wie auch selbst programmierten. Im Anschluss kommen die verschiedenen Arten von Kollektionen aufs Tapet, die Python kennt: Listen, Tupel sowie Dictionaries inklusive Iterationen über diese Datenstrukturen.

Im den nächsten Kapiteln geht es um den Umgang mit Dateien und Texten sowie um die Programmierung grafischer Oberflächen mit Tk sowie von Grafiken mit der Python Imaging Library (PIL). Die Schlusskapitel befassen sich mit der Fehlersuche, mit den Grundzügen der objektorientierten Programmierung sowie ausgewählten Problemen der professionellen Entwicklung, etwa Performance-Problemen oder agilen Entwicklungsmethoden.

Zu jedem Kapitel gibt es Übungsaufgaben nebst Lösungen, die die Selbstkontrolle des Lernfortschritts ermöglichen. Daneben arbeiten die Autoren reichlich mit ausführlich kommentierten Beispielen, oft in Form sinnvoller kleiner Programme, die der Schüler noch ausbauen kann. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für Einsteiger, die sich Python als ihre erste Sprache ausersehen haben.

Infos

Michael Weigend

Python 3 Schnelleinstieg

mitp-Verlag, 2021

285 Seiten, 10 Euro

ISBN: 978-3-7475-0328-7

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