Bei der digitalen Susecon 2020 aus dem Homeoffice gab CEO Melissa Di Donato das Motto “Simplify, modernize, accelerate” aus und präsentierte neue Partnerschaften und Dienste. Die digitale Plattform der Konferenz wird noch bis September mit Content gefüllt.
Melissa Di Donato hätte sich für ihre erste Keynote bei einer Susecon als neue Unternehmenschefin einen vollbesetzten Konferenzsaal im Convention Center in Dublin gewünscht. Stattdessen schickte sie ihren Vortrag per Video aus dem heimischen Wohnzimmer an die Teilnehmer der wegen Covid-19 digital abgehaltenen Konferenz.
Die Corona-Krise und die damit verbundenen Herausforderungen war dann auch ein Thema bei der Keynote (Abbildung 1). Sie hob eine eine neue Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt hervor, die Suse Enterprise Storage gewählt habe, um ein großes Digitalisierungsprojekt zu stemmen. Die Universität digitalisiere eine große Zahl an Unterrichtsmaterialien, um ihren Studenten einen Remote-Zugang darauf zu ermöglichen. Das Projekt soll rund 500 Datenbanken und 9000 digitale Journale und Publikationen umfassen.

Abbildung 1: Melissa Di Donato bei der Keynote zur Susecon.
Jubiläum
Mit dem Start der Susecon Digital Ende Mai fiel grob auch die einjährige Unabhängigkeit von Suse zusammen, die Mitte März gefeiert werden konnte. Zur vergangenen Susecon in Nashville hatte der damalige CEO Nils Brauckmann den Schritt in die Unabhängigkeit vom damaligen Eigner Micro Focus verkündet. Suse sei jetzt auf dem Weg, das größte unabhängige Open-Source-Unternehmen zu werden, sagte Brauckmann. Als Investor steht EQT hinter Suse, lässt das Unternehmen aber eigenständig agieren. Brauckmann wurde im August 2019 von Melissa Di Donato als CEO abgelöst.
Die neue Chefin nahm das einjährige Jubiläum zum Anlass, auf die Erfolge des Unternehmens hinzuweisen. Die Partner, Kunden und Communities repräsentierten neun von zehn der größten Fluggesellschaften und vier von fünf der größten Banken, sagte sie während der Keynote. Der Investor glaube an die Stärke von Open Source, versicherte Di Donato, und Suse habe sein Schicksal in den eigenen Händen. Kunden könnten von Suse ein breites Portfolio von Lösungen erwarten, dass von Core über Edge bis zur Cloud reiche und ohne Vendor Lock-in nutzbar sei.
Entwickler-Sandkasten
Mit dem von Melissa Di Donato ausgegebenen Motto “Simplify, modernize, accelerate” verbinden sich dann die weiteren Highlights der Keynote. Entwickler sollen künftig in der Suse Cloud Application Platform Developer Sandbox einen Ort finden, um ihre Anwendungen zu entwickeln und sich dabei nur auf das Wesentliche konzentrieren zu können.
Die Developer Sandbox steht bereits online [1] und ist für Interessenten kostenlos zugänglich. Für Entwickler soll der Zugang zur Plattform eine große Erleichterung darstellen, weil nicht jeder gleich einen Kubernetes-Cluster installieren wolle, um eine Plattform zu testen, heißt es in den Erläuterungen zur Developer Sandbox. Es sei eine viel bessere Idee, die Plattform zu den Entwicklern zu bringen.
Die Developer sollen sich damit aufs Coden konzentrieren können, die Cloud Application Plattform kümmere sich um den Rest, etwa um die Builds und die Runtime-Environments. Bis zu zehn Anwendungen dürfen im kostenlosen Zugang entwickelt werden, 2 GByte RAM stehen zur Verfügung. Entwickler sollen in der Sandbox von Best Practices profitieren können, erklärte Di Donato. Ergänzend stehen Support-Foren online.
Automotive-Pläne
Di Donato konnte zudem eine strategische Partnerschaft mit der Elektrobit Automotive GmbH in Erlangen verkünden, einer Tochter der Continental AG. Im Rahmen der Partnerschaft soll das erste sicherheitszertifizierte Linux für den Automobilbranche entstehen. Alexander Kocher, Präsident und Managing Director bei Elektrobit Automotive, hält Software für den Innovationsmotor der Autoindustrie. In einer gemeinsamen Keynote mit Di Donato sagte er, das Auto verwandle sich in ein IoT-Gerät.
Elektrobit Automotive sei Pionier und Vorreiter für die Entwicklung von Embedded-Software zum Einsatz in der Automobilindustrie, so Kocher. Elektrifizierung, autonomes Fahren und Konnektivität, um das Auto zum Internet-Gerät zu machen, seien die drei Megatrends. Während Software bei der Elektrifizierung eher eine assistierende Rolle spiele, sei Software bei den anderen Bereichen der dominierende Faktor und mache derzeit etwa 10 Prozent des Werts eines Autos aus. Eine Studie von McKinsey prognostiziere, dass es in zehn Jahren 30 Prozent sein werden, sagte Kocher. Das Linux-basierte Betriebssystem von Suse und Elektrobit sei dank Offenheit und des Innovationsschubs der Open-Source-Community die perfekte Lösung für die Anforderungen der Industrie.
Innovationen
In der gemeinsamen Keynote von Suse-Entwicklungschef Thomas Di Giacomo, der Business-Transformation-Managerin Lisa Sherwell und dem Vice President Product Management Daniel Nelson (Abbildung 2) stellte das Trio die Partnerschaften mit Dell vor, die sich um Edge Computing dreht. Suse arbeite mit Dell zusammen, um angepasste Lösungen auf die Dell-Hardware für die Edge-IT zu bringen, sagte Di Giacomo. Mit Fujitsu betreibe man eine Partnerschaft, um den Kunden passende Storage-Lösungen anbieten zu können.

Abbildung 2: Suse Trio in Sachen Innovationen und Entwicklung.
Für eine weitere Neuerung, die Di Donato in ihrer Keynote erwähnte, gab es bei der Susecon wenig Handfestes zu vernehmen. Di Donato hatte eine neue Plattform für Artificial Intelligence angekündigt, die im dritten Quartal 2020 starten soll.
Integration
Suse konnte auch eine verstärkte Integration seiner Produkte auf der Microsoft-Azure-Plattform verkünden. So unterstütze die Verwaltungs- und Steuerungsebene Azure Arc den Suse Linux Enterprise Server und die Suse CaaS-Plattform, teilt Suse mit. In Zusammenarbeit mit Azure Arc orchestriere der Suse Manager die Implementierung und den Lebenszyklus der Systeme, während Azure Arc für die Einhaltung von Richtlinien sorge. Azure Arc sei als Vorschau zugänglich und stehe allen Azure-Kunden zur Verfügung, lässt Suse wissen.
Ongoing
Die Susecon Digital 2020 [2] ist noch nicht zu Ende: Bis in den September hinein soll sich die Plattform weiter mit neuen Vorträgen und Sessions füllen und abrufbar bleiben. Nach Angaben von Suse werden sich dann mehr als 150 Video-Sessions abrufen lassen. In der digitalen Susecon-Plattform finden sich auch die Präsentationen zum Download. Den Zugang hat Suse für die Allgemeinheit geöffnet. Lediglich die – ansonsten kostenfreie – Teilnahme an der digitalen Konferenz erfordert eine Registrierung.
Infos
- Developer Sandbox: https://www.explore.suse.dev
- Susecon: https://www.susecon.com






