Apt-Pakete dürfen in Linux Mint 20 weder den Snap-Store-Client noch den Snap-Daemon installieren. Snap-Software sei vergleichbar mit proprietärer Software bekräftigte Linux-Mint-Chef Clément Lefèbvre seine bisherige Kritik an dem Format.
Über den Snap Store versuche Canonical, Linux-Anwendungen von Drittanbietern zu kontrollieren, schrieb Lefèbvre bereits im Juli letzten Jahres. Als Beispiel nannte er damals Spotify. Die Webseite von Spotify fordert Nutzer anderer Linux-Distributionen wie Fedora dazu auf, Spotify über Snapcraft.io zu installieren. Wie Lefèbvre schrieb, bietet Snapcraft.io aber keine RPM-, Appimage- oder Flatpak-Pakete an oder “etwas anderes nützliches für Fedora-Anwender.” Zugleich gehöre der Store mit Canonical einem Konkurrenten von Red Hat. Immerhin lasse sich noch ein Debian-Paket herunterladen, aber wie lange noch, fragte Lefèbvre vor einem Jahr?
Snap ist schon ok
Der Entwickler sei nicht komplett gegen das Snap-Format, im Gegenteil. An sich könne Snap eine gute Sache sein. Nicht nur für Drittanbieter, auch für Software, die neuere Bibliotheken benötigt, schrieb der Linux-Mint-Entwickler im Juni 2019. Allerdings fülle den Snap Store allein Canonical. Flatpak ermögliche es hingegen jedem Anbieter, einen eigenen Flatpak-Store aufzusetzen. Er warf Canonical vor, sich mit dem Snap-System in die Richtung von Android und anderen proprietären Stores zu bewegen, die Downloads irgendwann nur noch registrierten Nutzern erlauben. Zum Vergleich nennt er APK-Pakete von Android: Zwar sei es für die Anbieter möglich, ihre APK-Pakete selbst zur Verfügung zu stellen, aber nur die wenigsten App-Anbieter tun dies tatsächlich.
Snap-Store-Abhängigkeit ist das Problem
Als konkreten Aufhänger seiner Kritik nannte Lefèbvre damals die Pläne von Canonical, Chromium nur noch als Snap zu verbreiten und zwingend an den Snap-Store zu binden. Das hat Canonical nicht geändert: Wer unter Ubuntu Chromium installiert, holt sich weiterhin Snap und Co. auf die Festplatte. Daher zieht Lefèbvre nun für Linux Mint 20, das im Juni erscheinen soll, Konsequenzen. Wer Chromium installiert, holt sich ein leeres Paket auf die Festplatte, das darauf hinweist, wie sich Chromium auf anderem Wege installieren lässt. Zugleich verbietet der reguläre Paketmanager Apt, den Snap-Daemon als Paketabhängigkeit zu installieren. Wer Snap trotzdem verwenden möchte, muss die Software explizit nachinstallieren, was dann die Release Notes beschreiben sollen.




