Open Networking Summit 2019: Die Mühen der Ebene

In seiner Keynote kündigte Arpit Joshipura, Chef der LF Networking, glorreiche Zeiten für den Edge-Bereich an. Doch noch ist einige Arbeit nötig.

2025, glaubt Joshipura, würden die Telcos eine führende Rolle im Technologiesektor einnehmen, die Public-Cloud-Anbieter hinterher rennen. Vier Billionen US-Dollar soll dieser Bereich umsetzen und damit vier Mal größer werden als der Cloud-Computing-Bereich. Vermutlich stammen die Zahlen aus einer aktuelleren Studie von Chetan Sharma Consulting, die den Edge-Bereich bei 4,1 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 sieht. Doch auch die Unternehmensberatung McKinsey erwartet vom IoT-Bereich einen “ökonomischen Impact” von 3,7 Billionen US-Dollar im Jahr 2025.

5G und Edge sollen durchstarten und die LF Networking will mit im Boot sein. Nicht nur soll der Open Networking Summit künftig zum Open Networking & Edge Summit werden. Für den Open-Networking-Bereich sieht Joshipura auch den Zeitpunkt für eine Kommerzialisierung gekommen. Die letzten Jahre habe die Organisation damit verbracht, eine Community aufzubauen und Compliance-und-Verifikations-Programme aufzulegen, um die VNFs und NFVs schneller zur Marktreife zu bringen. Laut Joshipura beginne nun die kommerzielle Adaption der unter dem Dach der LF Networking aufgebauten Plattformen.

Nicht ohne Mühe

Wer sich auf der Konferenz umhört, erhält aber noch ein anderes Bild, nämlich das einer gigantischen Baustelle. Unter der Hand heißt es, dass die politischen Querelen um Huawei auch die 5G-Bemühungen zurückwerfen. Denn der chinesische Anbieter treibt das Projekt federführend voran.

Doch auch auf offener Bühne benennen Beteiligte die Problemzonen. In einer Diskussionsrunde beklagte Beth Cohen von Verizon, dass die Software-Anbietern in der Vergangenheit fehlerbehaftete Plattformen ausgeliefert hätten, die sich eben nicht zu 100 Prozent an die Specs gehalten hätten. Telco-Anbieter wie Verizon, die SLAs mit 99,999 Prozent anbieten, müssten sich dann mit den verärgerten Kunden herumschlagen. Zwar scheinen sich die Telekommunikations-Anbieter vor Ort einig, dass eine Virtualisierung und Containerisierung der bisherigen Hardware-Komponenten unausweichlich ist, über die Umsetzung herrschen aber offenbar noch keine Einigkeit.

Matt Beal von Vodafone dauert die Adoption von Cloud Native zu lange.

Matt Beal, bei Vodafone verantwortlich für die technologische Strategie und Architektur, beklagte in seiner Keynote (Abbildung 1) vorhandene Inkompatibilitäten im Ökosystem. Die VNFs (virtualisierte Netzwerkfunktionen) laufen nicht auf allen Plattformen, umgekehrt unterstützen die Plattformen nicht alle VNFs. Auch laufen die Stacks der Telekommunikationsanbieter häufig auseinander. Er rief dazu auf, sich auf eine gemeinsam Infrastruktur zu einigen, APIs für ONAP, ETSI und das Telemanagement Forum (TMF) zu schaffen und an der gemeinsamen NFV-Infrastruktur zu arbeiten.

Den Kunden, da scheint zumindest vor Ort Einigkeit zu herrschen, sei es am Ende egal, welche Infrastruktur ein Telco-Anbieter nutze. Die sei schlicht nicht das verkaufte Produkt. Problematisch wird es erst dann, wenn die Kunden eines Mobilfunkanbieters technische Probleme haben. Auch den Wechsel auf Cloud-Native-Technologie betrachten Beth Cohen und Matt Beal als eine Herausforderung. Während Cohen vor allem enorme Schwierigkeiten beim Testen von Containertechnologie erwartet, beklagte Beal, dass die Telcos zu lange auf virtuelle Maschinen gesetzt haben und zu wenig an der rasanten Cloud-Native-Entwicklung teilnehmen. Die sei unter anderem wichtig für den Edge-Bereich. Das lässt sich nicht zuletzt an der neuen Common-NFV-Infrastruktur ablesen, auf die Telcos und Software-Anbieter künftig setzen wollen: Sie erscheint zunächst für Open Stack.

Common-NFV-Infrastruktur soll helfen

Denn eine der großen Nachrichten vom Open Networking Summit ist, dass die GSMA und die Common NFVi Telco Taskforce (CNTT), eine Arbeitsgruppe der LF Networking, eine erste Spezifikation für die Common-NFV-Infrastruktur veröffentlicht haben. Bei der GSMA handelt es sich um eine Industrievereinigung der GSM-Mobilfunkanbieter, die unter anderem an Standards wie SIM und Roaming arbeitet. Zu ihr gehören mehr als 800 Mobilfunkanbieter und über 200 Hersteller von Telefonen und Netzwerkinfrastruktur. Der CNTT gehören um die 80 Netzbetreiber und Anbieter an, die unter dem Dach der LF Networking an der Referenz arbeiten. Das gemeinsame Referenzmodell und die Referenzarchitektur für die Common-NFV-Infrastruktur warten nun auf Github.

Wichtig ist die standardisierte Infrastruktur vor allem für 5G. Mit ihrer Hilfe lassen sich Virtual Network Functions (VNF) einfacher testen und verifizieren. Mit VNFs versuchen die Telekommunikationsanbieter seit einigen Jahren, ihre teure und meist proprietäre Hardware zu virtualisieren. Software-defined Networking macht es einfacher, Dienste zentral zu verwalten, zu pflegen und zu aktualisieren. Auf diese Weise könne Telecos schneller auf die Anforderungen von Kunden reagieren. Die neue Infrastruktur soll neue VNFs schneller einsatzbereit machen und so die Kosten für Anbieter und Käufer senken.

Verifizierung als Schlüssel

Im nächsten Schritt will die CNTT die nun erstmals veröffentlichte Referenzarchitektur das OPNFV Verification Program (OVP) schieben. Das betreiben zwei Linux-Foundation-Projekte (OPNFV und ONAP) zusammen. Das Compliance- und Verifikation-Programm basiert auf Open-Source-Software und soll sicherstellen, dass die kommerziellen NFV-Produkte (Network Function Virtualization) tatsächlich einsatzbereit sind. Dafür klopft das Programm diese Produkte auf Compliance ab, wobei es verschiedene vorhandene Spezifikationen und Standards heranzieht.

Auch die von der CNTT entwickelte Common NFV Infrastruktur soll sich diesen Tests unterziehen. Später dürfen dann kommerzielle Anbieter ihre VNFs und NFV-Infrastrukturen auf dieser Plattform testen, um zu beweisen, dass diese konform zu den Standards arbeiten und interoperabel sind. Technologisch basiert die Infrastruktur auf Open Stack. Zugleich arbeitet die CNTT an weiteren Referenzarchitekturen, die über Open Stack hinaus gehen und etwa Container nutzen oder Kubernetes-basierte Cloud-Native-Stacks. Am Ende soll die Plattform die Basisstruktur sein, auf der die kommerziellen Anbieter ihre eigenen 5G-Netzwerke aufbauen.

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