Die professionelle Arbeit mit Farbe ist in eine Vielzahl von Farbkollektionen verschiedener Hersteller zersplittert. Der Verein Freie Farbe setzt sich für eine offene und freie Farbkommunikation ein. Mathematisch definierte Farbmodelle und ISO-Normen sollen dafür die Grundlage bilden.
Der Freie Farbe e.V hat sich 2016 in Oldenburg gebildet. Die Gründungsmitglieder sind Deutsche und Schweizer, die sich professionell mit Farben beschäftigen. Inzwischen zählt der Verein rund 50 Mitglieder. Im Ökosystem des Vereins finden sich kommerzielle Anbieter, aber auch freie Projekte wie Scribus und Gimp. Epson Deutschland steuere die im Projekt benötigte Drucktinte bei, lässt der Verein wissen.
Berechenbar
Holger Everding, Vorsitzender von Freie Farbe e.V [1], sieht das erklärte Ziel des Vereins in der Förderung einer offenen und freien Farbkommunikation. Offene, mathematisch definierte Farbmodelle seien dazu der Schlüssel, so Everding. Die mit Farben Schaffenden sahen nämlich ein Hauptproblem darin, dass hinter den Farbsystemen der kommerziellen Farbkollektionen keine Formeln stecken. Sie seien nicht berechenbar und dürfen dies nach Auffassung der Vereinsmitglieder wohl auch gar nicht sein, um das Geschäftsmodell dieser Anbieter nicht zu gefährden.
Farbmarken
Eine weitere Einschränkung der freien Farbwahl bildet das Markenrecht. Es gebe in Deutschland 95 eingetragene Farbmarken, zählt der Verein auf. Beispiele dafür seien etwa das bekannte Milka-Lila und das Telekom-Magenta. Aber auch Nivea, UPS, Langenscheidt und die Sparkasse haben sich Farbmarken schützen lassen. Diese Farben darf kein Wettbewerber für Konkurrenzprodukte verwenden.
Für Holger Everding ist diese Kommerzialisierung der falsche Weg. Die Welt sei nun einmal bunt, so Everding, und Farben seien auch dafür da, um Gedanken und Gefühle auszudrücken.
Verschwommen
Der Profi im Bereich Farbe findet sich bislang aber in einem Irrgarten wieder. Es seien für den Druck andere Farbmuster gebräuchlich als für Lacke, Wandfassaden, Folien oder auch Textilien. Und die Vielzahl von Farbsystemen sei untereinander nicht kompatibel und auch nicht berechenbar.
Für die Mitglieder des Vereins ist dieser Zustand nur schwer zu begreifen, auch wenn er den derzeitigen Status quo ausdrückt, handle es sich um ein völlig überholtes Modell. Nur das Marketing der kommerziellen Systeme funktioniere eben, sagt Everding.
Ziel seines Vereins sei es deshalb, zu dieser Arbeitsweise Alternativen aufzeigen. Das Credo von Freie Farbe lautet: Die Zukunft sehen wir in frei verfügbaren mathematischen Farbmodellen wie etwa CIELAB oder RGB. Die Vorteile freier Farben seien riesig und die Perspektiven unglaublich. Holger Everding sieht in der Entwicklung berechenbarer Farbmodelle eine echte Marktlücke.
Berechnete Farbsysteme wie RGB oder CIELAB seien nicht schutzfähig und können sich daher ungehindert verbreiten. Es sei auch Ziel des Vereins, die Anwender mit Tipps zu versorgen, wie diese Systeme in allen Anwendungsbereichen einsetzbar und dort zur Erzeugung übereinstimmender Farben nutzbar seien.
Zur Umsetzung setze man auf offene Standards, die in modernen Rechnern integriert seien. Der Computer sei damit das ideale Werkzeug für Farbe, er könne Farbe frei machen, lautet die Überzeugung der Vereinsmitglieder. Das ist eine echte Marktlücke, sagt Holger Everding.
Scribus und Gimp
Für die gängigen Open-Source-Proramme gibt der Verein bereits Vorlagen und Tools heraus. Von Gregory Pittman, Mitglied im Scribus-Entwicklerteam, stammt zudem ein Skript für die freie Layout-Software. Mit dem Skript lassen sich aus Scribus [2] Farbwert-Texttabellen und Dokumente mit Farbfeldern erzeugen. Das Programm erzeuge dann DIN-A-4-Seiten mit jeweils 49 Farbfeldern. Das Skript findet sich auf der gut bestückten Downloadseite [3] von Freie Farbe e.V.
Bei den Programmen Scribus und Gimp sei es ohnehin auch möglich, direkt die LAB-Farbwerte einzugeben, erläutert Everding. Die ebenfalls zum Download für verschiedene Programme angebotene Open Colour Systems Collection (OCSC) 2.0 enthält auch Farbsysteme zum Einbau in die freien Grafkprogramme Gimp, Calibra, Inkscape und Krita.
Ein eigenes Programm zur Berechnung bietet der Verein nicht an. Das wäre ein schönes Ziel, so Everding, aber auch eines, das der Verein bislang nicht stemmen könne. Die vorhandenen Tools und Hilfsmittel bietet der Verein unter einer Creative-Commons-Lizenz an.
Forschung
Der Verein konnte über einen Wettbewerb auch einen Forschungsauftrag des Deutsche Instituts für Normung (DIN) ergattern. In Zusammenarbeit mit dem DIN entstand daraus DIN SPEC 16699 Open Color Communication [4]. Eine DIN SPEC ist keine DIN-Norm, bildet aber in manchen Fällen die Grundlage dafür. Das Institut für Normung veröffentlicht sie auch international und sorgt dafür, dass sie mit keinen Normen kollidiert.
Die so entwickelte DIN SPEC steht zum Download bereit. Der Verein hat daraus auch eine Referenz-Implementierung veröffentlicht, den CIELAB HLC Color Atlas (Abbildung 1). Der Begriff HLC (Abbildung 2) setzt sich zusammen aus dem H für Hue, dem Basisfarbton; dem L für Lightness, der Helligkeit und dem C für Chromazität oder Buntheit.

Abbildung 1: Der CIELAB-Farbraum mit zusätzlichen Helligkeitsebenen. Quelle: Professor Bernhard Hill, Aachen
Dieser Atlas umfasst eine frei verfügbare PDF-Version, die etwa für Softproofs am Bildschirm einsetzbar sei. Das Kernstück bildet aber eine gedruckte Ausgabe. Letztere ist beim Verein in zwei Versionen käuflich zu erwerben [5].
Offene Standards
Der Atlas selbst nutze ausschließlich offene Standards, teilt Freie Farbe mit. Die Basis bilde der 1976 von der Commission Internationale de l’Eclairage vorgestellte CIELAB-Farbraum. Er beschreibe nicht nur bestimmte Farbtöne, sondern definiere alle sichtbaren Farben eindeutig. Die angewendete mathematische Definition ermögliche zudem eine ungehinderte Verbreitung, da sie nicht schutzfähig und lizenzfrei sei
Die für den Atlas eingesetzten Proof-Drucksysteme arbeiten nach ISO 12647-7. Der Austausch der spektralen Daten erfolge über das CxF3-Format. Die Farbdaten und Farbsamples seien dank Open-Source-Lizenz für alle Anwender frei nutzbar und veränderbar.
Infos
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Freie Farbe e.V.: https://www.freiefarbe.de
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Scribus: https://www.scribus.net/
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Skript für Scribus: https://www.freiefarbe.de/thema-farbe/software
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DIN SPEC 16699: https://www.beuth.de/de/technische-regel/din-spec-16699/295721446
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CIELAB HLC Color Atlas: https://www.freiefarbe.de/thema-farbe/hlc-colour-atlas/







