Aus Linux-Magazin 08/2019

Aus dem Alltag eines Sysadmin: F.lux

Abbildung 1: Die Position mit Breiten- und Längengrad sowie die Angabe, in welcher Farbtemperatur der Bildschirm nachts strahlen soll.

Man muss kein Vampir sein, um nachts empfindlich auf grelles Licht zu reagieren. Sysadmin-Kolumnist Charly, der – regelmäßige Leser wissen das – ein praktizierender Licht-Regulant ist, macht jetzt noch seinem Desktop-PC klar, dass es im Nachtleben kein guter Charakterzug ist, ein Blender zu sein.

Beleuchtung sollte sich unauffällig und vollautomatisch so einstellen, wie ich es als angenehm empfinde. Auf dem Android-Smartphone habe ich einen Nachtmodus aktiviert. Am Abend gibt das Display mit fortschreitender Uhrzeit einen immer geringeren Blauanteil wieder. Das wirkt zunächst etwas merkwürdig und gewöhnungsbedürftig, ist für die Augen aber sehr angenehm. Ohne den Nachtmodus werde ich beim Entsperren des Telefons geradezu geblendet. Das liegt daran, dass sein Display – wie das der meisten Monitore – auf eine Farbtemperatur von 6500 Kelvin getrimmt ist.

Cirque du Soleil

Licht mit 6500 Kelvin Temperatur hat einen höheren Blauanteil als Sonnenlicht, das auch an einem klaren Tag nicht über 5800 Kelvin hinauskommt. Für die Arbeit tagsüber in einem hellen Raum sind 6500 Kelvin völlig in Ordnung. Am Abend bei gedimmtem Licht empfinde ich meine PC-Monitore aber als so hell, dass es anstrengend wird. Klar könnte ich die Helligkeit und Farbtemperatur an den Tasten der Monitore manuell einstellen – aber das muss automatisch gehen. Das Dimm-Mittel meiner Wahl heißt F.lux.

Flux installiert

F.lux wird schlicht “Flux” ausgesprochen. Es ist als Kommandozeilentool unter [1] erhältlich oder mit GUI unter [2]. Ich entscheide mich für die grafische Variante. F.lux ist in Python 3 geschrieben, ich installiere noch schnell einige Pakete in mein Test-Ubuntu, die es zum Funktionieren benötigt:

sudo apt install python3-distutils gir1.2-appindicator3-0.1 gir1.2-gtk-3.0

Anleitungen für andere Distributionen gibt es ebenfalls unter [2]. Dann binde ich das Repository ein und installiere das Paket Fluxgui:

sudo add-apt-repository ppa:nathan-renniewaldock/flux
sudo apt update
sudo apt install fluxgui

Beim Start muss ich F.lux meine ungefähre geografische Position mitteilen (Abbildung 1). Dafür entrollt es sogar eine Karte, die anhand meiner IP-Adresse meinen Standort rät. (Sie liegt dabei rund 100 Kilometer daneben, was aber beleuchtungstechnisch irrelevant bleibt.)

Danach gebe ich an, auf welche Farbtemperatur F.lux nächtens maximal absenken darf. Ich wähle zunächst 3500K, das scheint mir im Preview-Modus hinreichend warm zu sein.

Nach einigen Abenden am Rechner werde ich wissen, ob ich diesen Wert noch einmal nachregeln muss. Möglichkeiten dafür gibt es jedenfalls genug (Abbildung 2). Zum Abschluss kontrolliere ich noch mal sicherheitshalber, ob Zeitzone und Uhrzeit richtig eingestellt sind, sonst legt F.lux zur falschen Tageszeit los.

F.lux gibt es übrigens auch für Windows und Mac OS. Lichtes Fazit bis hierher: Weil nun farblich auch auf dem Desk alles top ist, bin ich bei der Daseinsfürsorge für lichtscheues Gesindel einen schönen Schritt vorankommen.

Abbildung 2: Kelvin allein zu Haus – Lichtquellen und ihre Farbtemperaturen.

Abbildung 2: Kelvin allein zu Haus – Lichtquellen und ihre Farbtemperaturen.

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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