Aus Linux-Magazin 07/2019

Open Infrastructure Summit Ende April, Anfang Mai in Denver

Mit der Umwidmung des Open Stack Summit in Open Infrastructure Summit setzt die Open Stack Foundation eine einladende Botschaft an das Ökosystem rund um ihre Cloudsuite ab. In Denver versuchte die Stiftung, die Hinwendung zur Infrastruktur zu erklären, ohne Open Stack aus dem Fokus zu verlieren.

In Denver steht erstmals die Infrastruktur namengebend für den Summit. Entsprechend versuchte Jonathan Bryce, Executive Director der Open Stack Foundation (OSF), den Wert der an dieser Infrastruktur teilnehmenden Projekte ins rechte Licht zu rücken. Für eine erfolgreiche Zukunft müsse man funktionierende Systeme durch Zusammenarbeit über Communities, Länder und Unternehmen hinweg entwickeln, sagte er bei seiner Keynote im Colorado Convention Center. Open Source sei keine Marketing-Initiative und kein Geschäftsmodell, es sei eine Philosophie für Innovation.

Technologie sei eben kein nachhaltiger Vorteil, auf dem ein Unternehmen aufbauen könne, warnte Jonathan Bryce: “Es gibt immer jemanden, der dich kopiert, zu dir aufschließt und dich schließlich überholt.” Deshalb sei die Kultur von Open Source so wichtig. Firmen mögen das verinnerlichen. Und sie sollten sich von der unnötigen Bürde befreien, alles, was sie für ihr Business benötigen, selbst entwickeln zu wollen.

Funktionierende Strukturen

Das Kernthema des Summit, die Konzentration auf die Infrastruktur, beschäftigte die Führungsriege der Stiftung durchgehend. Jonathan Bryce und Mark Collier, Chief Operating Officer der Foundation, wurden nicht müde zu erklären, dass es nicht darum gehe, Open Stack aus dem Fokus zu verlieren. Es habe sich gezeigt, dass die wachsende Anwenderschaft von Open Stack neue Usecases hervorgebracht habe, und damit seien einige Lücken in der Funktionalität zu Tage getreten. Diese Lücken versuche man zu schließen, sagte Collier, etwa in Richtung Edge Computing. Zu diesem Zweck unterstütze die Foundation Projekte und nehme sie unter die Fittiche.

Das weitere große Anliegen sei die Zusammenarbeit, sagten beide Vorstände übereinstimmend. Probleme für Anwender würden entstehen, wenn sie versuchen Open-Source-Technologien für ihre Bedürfnisse zu vermischen. “Wir verfügen über eine riesige Community, und Open Stack ist deren Zentrum”, sagte Bryce. Es gäbe aber niemanden, der ausschließlich Open-Stack-Code nutze, sagte Bryce während einer Presserunde. Deshalb seien die Zusammenarbeit und eine reibungslose Integration von Open Source Software so wichtig.

Projektpflege

Die Foundation gab auch bekannt, dass mit Kata Containers und Zuul inzwischen zwei Projekte den Status Confirmed OSF Project erlangt haben. Die Open Stack Foundation führt beide Projekte damit ähnlich wie die Apache Foundation als Top-Level-Projekte, die über eine aktive Community verfügen, sich an Entwicklungsrichtlinien halten und eine funktionierende Organisationsstruktur aufweisen. Bereits beim Summit in Berlin hatte die Führungsriege die Aufnahme von neuen Projekten verkündet, falls diese sich unter die Obhut der Open Stack Foundation begeben wollen.

“Die Bestätigung unserer ersten beiden Pilotprojekte steht für einen wichtigen Meilenstein der Foundation auf dem Weg zu einer umfassenderen Mission, nämlich der Unterstützung der offenen Infrastruktur-Communities bei ihrer Zusammenarbeit und ihrem Erfolg”, sagte Alan Clark, Vorsitzender des OSF-Verwaltungsrats in Denver.

Jonathan Bryce erklärte, dass die Zahl der Projekte kein Gradmesser für den Erfolg der Foundation darstelle. Die Organisation sei nicht daran interessiert, Dutzende von Projekten zu starten, es gehe darum, strategische Lücken zu schließen.

Stiftungsfragen

Canonical-Chef Mark Shuttleworth kritisierte die Open Stack Foundation für ihren Schritt hin zur Betreuung von Projekten. Es gäbe zwischen den Stiftungen einen Konkurrenzkampf um lukrative Open-Source-Projekte mit zahlungskräftigen Sponsoren, so Shuttleworth während seiner Keynote. Die Verantwortlichen der Open-Stack-Foundation wiesen die Vorwürfe von Shuttleworth zurück. Es gäbe zwischen den Stiftungen keinen Konkurrenzkampf, sagte Mark Collier, Chief Operating Officer der Foundation, im Pressegespräch.

Und es gehe auch nicht darum, Hunderte von Projekten zu akquirieren. Die beiden nun als Top-Level-Projekte aufgenommenen seien etwa für das Ökosystem von Open Stack wichtig. Er könne Shuttleworth allerdings zustimmen, es gehe um Innovation, um die bestmögliche Infrastruktur auf die Beine zu stellen. Die Stiftung biete mit ihrer Expertise gute Voraussetzungen, um Projekte auf diesem Weg zu unterstützen, ergänzte Jonathan Bryce, Geschäftsführer der Foundation. Man verfüge dafür etwa über ausgereifte Tools und Workflows für das Testing und könne auch die Hosting-Fragen klären.

Zahlenspiele

Bryce gab auch Zahlen zum Open-Stack-Projekt bekannt, das mit über 100 000 Mitgliedern in nahezu jedem Land der Welt vertreten sei. Die Community habe bereits 19 Releases hervorgebracht. Open Stack zähle zu den drei aktivsten Open-Source-Projekten, und IDC habe den durch Open Stack erzeugten kommerziellen Marktwert auf 6,1 Milliarden US-Dollar geschätzt, sagte Bryce.

In der Statistik zur Veranstaltung war zu lesen, dass der Summit 2000 Besucher nach Colorado gelockt hat, weniger als die 2700, die noch sechs Monate zuvor in Berlin gezählt wurden. Die Teilnehmer kamen laut den Registrierungsdaten aus 51 Ländern. 35 Prozent gaben an, erstmals den Summit der OSF zu besuchen. 454 Firmen seien durch die Anwesenden repräsentiert gewesen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Marketplace des Summit, Treffpunkt für Firmen, Projekte und Besucher.

Abbildung 1: Der Marketplace des Summit, Treffpunkt für Firmen, Projekte und Besucher.

Der Anteil der Frauen unter den Besuchern lag bei 11 Prozent. Nach ihren Betätigungsgfeldern gefragt, antworteten 20 Prozent der Besucher mit Cloud Architekt, 16 Prozent mit Upstream-Developer, 12 Prozent mit Sysadmin und 10 Prozent mit Business Development und Marketing. 7 Prozent bezeichneten sich als CIO, CTO oder IT-Manager, 6 Prozent gaben Produkt Management an und 5 Prozent Cloud Application Developer. Als lediglich schlichte Open-Stack-Nutzer bezeichneten sich 5 Prozent. Es waren zudem 3 Prozent CEOs vor Ort.

Bare Metal

Ein weiteres Feld, auf dem Open Stack erfolgreich mitspielt, ist Bare Metal. Beim Summit verkündete die Foundation, dass die Bare-Metal-Werkzeuge von Open Stack inzwischen eine Million Cores managen. Mit dem in Denver vorgestellten Programm Ironic Open Stack Bare Metal soll das kommerzielle Ökosystem rund um Ironic und die Entwicklung der Software selbst gestärkt werden. 30 Unternehmen sind Mitglieder im Programm, darunter Red Hat, Suse, Mirantis und das CERN. Die Nutzergemeinde hat im Februar auch eine Bare Metal Special Interest Group (SIG) gegründet. Sie soll sich der Usability von Ironic widmen sowie das Anwendungsspektrum und den Nutzen des Bare-Metal-Dienstes ausweiten.

5G im Blick

Mit Airship, einer Sammlung von Tools für die automatisierte Bereitstellung von Private Clouds, zielt das Engagement der Community in eine weitere für Open Stack in Zukunft vielversprechende Richtung: 5G. Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T hatte Airship zusammen mit Intel, SKT und der OSF vor Jahresfrist als Open-Infrastructure-Projekt vorgestellt.

In Denver gab es dennoch bereits die Präsentation von Airship 1.0. Die Open-Source-Tool-Sammlung für die Automatisierung der Cloud-Bereitstellung hat damit schnell Fahrt aufgenommen. Airship 1.0 biete gegenüber der Pilot-Phase unter anderem Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit, Belastbarkeit, Continuous Integration und in der Dokumentation. Airship verfügt über eine rege Community mit 137 Teilnehmern, die von 17 Unternehmen aus Asien, Europa und den Vereinigten Staaten stammen, teilte die OSF mit.

Amy Wheelus, Vice President Network und Cloud bei AT&T, nutzte ihre Keynote, um die Errungenschaften von Airship 1.0 beim Summit vorzustellen. AT&T setzt bei seinen 5G-Aktivitäten auf eine Airship-basierte Open-Stack-Cloud, so Wheelus. AT&T habe sein 5G-Netzwerk in 189 amerikanischen Städten ausgerollt, sagte die Managerin. Im Jahr 2020 soll es in den USA bereits flächendeckend verfügbar sein. Den dabei eingesetzten 5G Evolved Packet Core manage AT&T – wie sollte es anders sein – selbstverständlich mit Airship.

Infos

  1. Open Infrastructure Summit Denver: https://www.openstack.org/summit/denver-2019

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